Meine Damen und Herren, liebe Kinder, ich möchte vor diesem Blog ausdrücklich warnen!
Es sendet auch außerhalb der internetüblichen Sendezeiten - zwischen 22 und 6 Uhr - Beiträge zu Intelligenz-Dilettantismus und Missverständlosigkeiten.
An alle privatwirtschaftlichen Jugendschützer mit monetärem Eigeninteresse: Ich kam schon abgemahnt auf die Welt, aber auch mir ist klar: Platz für Gier ist im kleinsten Hirn!
Ich hab' bei Virtu(ell)nwaswirkönnen schon vor langer Zeit einen Artikel zum Thema »Obsoleszenz« geschrieben (»Wir leiden an Obsoleszenz«), in dem es darum ging, dass die Wirtschaft schon sehr früh feststellte, dass es im Kapitalismus ziemlich schlecht für die Gewinne ist, wenn man Produkte baut, die lange halten. Weshalb man also daran ging, sich in geheimen Kartellen darüber zu einigen, im Grunde minderwertig zu konstruieren, damit Produkte kürzere Funktionszyklen hatten, und damit die Kunden neue Kaufanreize erhielten. Man lies Produkte also künstlich altern - das war eben die »geplante Obsoleszenz«.
Nun, im digitalen Zeitalter sind solche Kartelle gar nicht mehr notwendig, denn die Hersteller können dank Chiptechnologie auch auf eigene Kappe, und wesentlich trickreicher noch als damals vorgehen, um dem Verbraucher das Geld aus der Tasche zu ziehen. Jedem, der jemals ein Handy, einen Drucker, eine Kamera und dergleichen mehr erworben hat, empfehle ich den folgenden Artikel, denn heute geht es um »Antifeatures«:
Im Grunde liest man in diesem Artikel nichts umwerfend Neues, denn wir alle kennen das ja. Für zusätzlichen Service extra zu zahlen ist ja auch auf den ersten Blick im Kapitalismus nicht verwerflich. Es geht aber darum, sich klar zu machen, dass wir, sobald wir in uns in eine solche Verwertungskette per Kauf eingeklinkt haben, wir uns freiwillig unserer Alternativen und Freiheiten berauben lassen.
Ich sage, wie immer: Alternativlos sind wir nicht. Wir haben einen Geldbeutel, den wir auch geschlossen halten können. Ein absurder Gedanke, oder!?
Auch falls jetzt bei dem ein oder anderen Leser Schnappatmung einsetzt, wegen des Parteischilds am Rednerpult im folgenden Video, so empfehle ich doch Ruhe zu bewahren, und sich den knapp halbstündigen Vortrag von Herrn Schumann anzuhören. Da ist so mancher kleine (oder große) Augenöffner drin, und versprochen: die Grünen kriegen auch ihr Fett weg.
Wer das gesprochene Wort gerne nachlesen möchte, der klicke hier. Einige Stellen will ich daraus aber zitieren:
Tatsache ist, dass hierzulande die Bestechung von Abgeordneten nicht verboten ist. Zum Beispiel darf man einem Abgeordneten für ein bestimmtes Abstimmungsverhalten in Fraktionssitzungen mit Geld oder sonstigen Wohltaten belohnen, also genau dort, wo die wichtigen Vorentscheidungen fallen. Man darf auch dem Ehepartner von Abgeordneten Geld zustecken,. Man darf Abgeordneten auch nach Abstimmungen für ihre Arbeit Geld geben, die sogenannten Dankeschön-Spenden, alles ganz legal.
Deutschland knüpft Hilfszusagen für Afghanistan an die Bedingung, die dortige Regierung solle die Korruption unterbinden. Gleichzeitig weigert sich der Bundestag, die Voraussetzungen der UN-Konvention im eigenen Land zu erfüllen.
Stelle fest: Dieser Vortrag passt stellenweise zum letzten Artikel hier, wie die Faust auf's Auge:
Dazu würde gleichzeitig gehören, endlich alle Abgeordneten zu verpflichten, alle ihre Einkünfte einschließlich von deren Quellen offen zu legen. Die derzeitige Regelung ist ein Witz. Da muss der oder die Abgeordnete nur angeben, ob er oder sie mehr oder weniger als 7000 Euro nebenher verdient, auch wenn es Millionen sind. Und wer sich als Unternehmensberater ausgibt oder Anwalt ist, darf sogar verschweigen, wer da eigentlich bezahlt. Das ist ein unhaltbarer Zustand und geradezu eine Einladung zur Käuflichkeit.
Mist, ich würd' gerne fast den ganzen Artikel zitieren, soviel Verbreitenswertes steckt da drin. So, ein Zitat geht aber noch:
Ja, dieser Politikverdruss hat auch viel mit der Trägheit der Wohlstandsgesellschaft zu tun. Die Abgeordneten sind auch deshalb so willfährig und schwach, weil sie kaum Druck von unten bekommen.
Es ist so: Herr Harold Camping, seines Zeichens Prediger in den USA, hat sich geirrt. Er hatte vorausgesagt, dass die Welt am Samstag, den 21.05.11 untergeht. Nun, wie wir heute wissen, hat er sich geirrt. Er selber sagte - und dabei hatte er wohl die Bibel in der Hand - er habe sich verrechnet. Kann ja mal passieren. In, an und mit der Bibel haben sich ja auch schon viele verrechnet. Wer wollte ihm da gram sein.
Das Irren ist ja schließlich auch eine Eigenschaft, die Gott dem Menschen verpasst hat, und das muss ja einen Sinn machen. In diesem Fall wohl den, dass Gott so seine Existenz absichert, denn würde der Mensch nicht irren, dann könnte ja der nächstbeste Atheistenfuzzi um die Ecke kommen und Gott für nichtexistent erklären, und seine Behauptung damit beweisen, dass er Gott zur errechneten Schnittmenge aller Irrtümer und Logikfehler in der Bibel erklärt. Womit Gott ein Irrtum in sich wäre und demzufolge im menschlichen Kosmos nicht existent sein kann.
Widdewiddewitt und Drei macht Neune !! Ich mach' mir die Welt Widdewidde wie sie mir gefällt ...
Auf der anderen Seite ist es ja auch nicht so, dass wir nicht an unserem Untergang arbeiten würden. Im Moment jedenfalls arbeiten wir ja schonmal kräftig an unserem wirtschaftlichen Niedergang. Dazu drei Leseempfehlungen:
Die ersten beiden Links sind zwei Artikel einer Serie bei Telepolis, die man auch in dieser Reihenfolge lesen sollte. Da steht viel Wissenswertes über Staat und Wirtschaft drin. Der dritte Link führt zu einem Artikel im Politblog Sprengsatz, der die Visionen und die Regierungsarbeit der Merkel-Administration wunderbar pointiert zusammenfasst.
Durch den Steuererlass riskiert die Koalition allerdings ihre Glaubwürdigkeit. Begründen will sie ihn Regierungskreisen zufolge damit, dass die Steuer nur die Gewinne aus der Laufzeitverlängerung für die 17 deutschen Atomkraftwerke abschöpfen sollte, nun aber kürzere Laufzeiten angestrebt werden. Allerdings hatte die Regierung noch im Herbst 2010 großen Wert auf die Feststellung gelegt, beides habe nichts miteinander zu tun. - aus: Regierung kippt Atomsteuer | wissen.de - http://diigo.com/0hgqj
Ja, da kann einem schon Angst und Bange werden bei den gestaltwandlerischen Fähigkeiten dieser Regierung. Dass Mutanten unter uns leben, hat uns Hollywood ja schon beigebracht, aber die Wahrheit ist wie immer noch schlimmer: Sie sind Politiker geworden.
2 x 3 macht 4 Widdewiddewitt und Drei macht Neune !! Ich mach' mir die Welt Widdewidde wie sie mir gefällt ...
Unser alter Weltuntergangs-Prediger hat nicht so ganz begriffen, wie die Welt funktioniert. Sie wird nicht an einem Tag untergehen, mit einem lauten Knall. Sie wird gar nicht untergehen. Gesellschaften gehen unter. Vorstellungen und Ideale gehen unter. Sie tun das aber meist langsam, und vielleicht sogar zunächst unmerklich, wenn wir nicht aufpassen. Die Welt ändert nur ihr Gesicht - sie tut das dauernd.
PS: Ich nehme an, wir werden demnächst trotzdem noch Weltuntergangssteuern zahlen müssen, denn auch der muss ja irgendwie finanziert werden, wenn viele daran glauben. Auch Gesellschaften sollten sozialverträglich ableben, oder!?
PPS: Aber wir leben ja gar nicht ab. Wir ziehen nur um. Lagern aus. Moderne Völkerwanderung, sozusagen. Wir wandern in die digitale neue Welt ein. Es wird kolonialisiert.
PPPS: Der gläubige Christ ruft dieser Tage dann wohl wieder "Asche auf mein Haupt!", während der Atheist heute ein fröhliches "Happy Towel-Day!" entgegnet:
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat die marktbeherrschenden vier großen deutschen Stromkonzerne zur mehr Investitionen in erneuerbare Energien aufgefordert. Derzeit deckten Eon, RWE, Vattenfall und EnBW zwar 68 Prozent des erzeugten Stroms, lieferten aber nur 0,5 Prozent des Stroms aus Wind- und Sonnenkraft, teilte Greenpeace am Dienstag in Berlin bei der Vorstellung einer Studie zum Ökostrom-Engagement der vier Unternehmen mit. (weiter hier: http://diigo.com/0gs1l)
Wir haben bis hierher die Erfahrung gemacht, dass es der Gesellschaft und einer zukunftstauglichen Entwicklung von Technologie - im Hinblick auf das Wohlergehen von Welt und Nachkommen * - nicht gut tut, wenn die Kontrolle über Energie in den Händen weniger liegt, die noch dazu ihr Augenmerk auf ihren Börsenschrittmacher legen müssen. Das gilt für Strom und Erdöl. Konzerne, die quartalsgetrieben auf ihre Börsenrankings schauen müssen und von ihren Aktionären gepeitscht werden, agieren nicht nachhaltig. Sie agieren rein gewinnorientiert. Fertig.
Mittlerweile dürften die meisten Bundesbürger begriffen haben, dass Strom - bildlich gesprochen - aus einem grossen Stromsee in die Haushalte fliesst, und dass es allein darauf ankommt, aus welchen Quellen sich dieser Stromsee speist. Das ist die Erkenntnis, die das Steckdosen-Argument (Ist doch egal, bei wem ich Strom beziehe aus der Steckdose kommt immer Atomstrom.) ad absurdum führt. Allerdings darf man an dieser Stelle nicht aufhören zu denken, und glauben, es sei alles damit getan zu einem richtigen Ökostromanbieter zu wechseln. Es geht jetzt darum, wie die Zukunft unserer Energieversorgung aussehen soll.
Die grundsätzliche Frage, die man jetzt stellen muss, ist: Sollte Energie wirklich frei den kapitalistischen Hebelkräften ausgesetzt sein? Was das zur Folge hat, kann man ja jetzt schon deutlich sehen: Man droht dem Volk mit derben Preissteigerungen, wenn man dem Volkeswillen nach einem schnellen Atomausstieg nachkommen soll. Die Politiker machen sich da in vorauseilendem Gehorsam zu den Ausrufern der großen Stromkonzerne und zeigen dem dummen Volk mal, was sie da angezettelt haben. Frei nach dem Motto: Das habt Ihr jetzt davon. Ihr habt schlafende Drachen geweckt und jetzt müsst ihr die entsprechenden Opfer bringen, um sie zu besänftigen.
Nur zur Klarstellung: Wir reden hier von Stromkonzernen die Milliardengewinne machen (seit 2002 haben die vier Stromriesen zusammen über 100 Mrd. Euro Profit gemacht), und die schon vor vielen Jahren Rückstellungstöpfe gebildet haben, aus denen der Rückbau der Atomkraft finanziert werden kann. Allerdings gibt es aber auch schon seit langer Zeit üble Verträge, bei denen sich die Politik über den Tisch ziehen hat lassen: Regierungsvertrag mit Atomindustrie: Weniger Sicherheit für mehr Geld.
Zurück zum Anfang: Greenpeace will nun also den großen Stromkonzernen Feuer unterm Hintern machen, damit die auf die erneuerbaren Energien umsteigen. Ok. Das erscheint zunächst eine logische Forderung. Aber! Was passiert aber, wenn diese Konzerne dann demnächst wirklich in diesem Bereich Gas geben? Sie bauen zum Beispiel die geforderten Offshore-Windparks in der Nordsee und ziehen dicke Kabel durch das Land um die Versorgungssicherheit des einen grossen Stromsees herzustellen. Sie engagieren sich wahrscheinlich auch im Ausland in Projekten wie desertec, was ich vor Wochenfrist hier schonmal vorgestellt habe: Neue Techniken - neue Probleme?. Sie werden wiederum damit argumentieren, dass dieser Ausbau (+ der Rückbau der Atomkraftwerke) Unsummen kostet, dass Abhängigkeiten von ausländischen Ressourcen entstehen und deshalb die Strompreise steigen werden. Sie werden damit auch durchkommen, denn sie haben die Hand auf unserer Energieversorgung, die damit wieder zentralisiert ist (Stichwort: großer Stromsee). Man darf auch weiterhin davon ausgehen, dass genau wie im Ölmarkt auch bei der Energiegewinnung im Ausland (Nordafrika) nur ein paar global agierende Konzerne davon profitieren werden, denn niemand sonst hat die entsprechenden Mittel um solche Projekte anzustossen.
Die Frage ist aber, muss diese Zentralisierung wirklich sein? Könnte die Politik nicht jetzt dafür sorgen, dass die Energiefrage in diesem Land völlig neu diskutiert und gelöst wird. Ansätze dazu gibt es genug: Wie wäre es, wenn die Politik die kleineren Unternehmen in diesem Bereich unterstützt, so dass die Zahl Großkraftwerke minimiert werden kann, und aus dem grossen Stromsee eine Seenplatte werden kann, weil kleine Energieerzeuger (mittelständische Firmen und Kommunen) vor Ort Strom erzeugen und auch dort nutzen. Zuviel produzierter Strom wird dabei dann durch neue intelligente Vernetzung in andere Seen, die gerade Bedarf haben umgeleitet. Man spricht hier von sogenannten Smart Grids: Energiewirtschaft - Strom sparen mit Smart Grids.
Mit diesen Smart Grids könnte das Problem der Stromspeicherung also zu einem guten Teil kompensiert werden, in dem man den Strom eben im Moment der Erzeugung intelligent auf verschiedenen Seen verteilt. Warum soll so etwas nicht funktionieren? Jedenfalls diskutiert es die Fachwelt schon lange: Bremsklotz Grosskraftwerke (hier die pdf-Version: http://www.naturstrom.de/fileadmin/5-PDF/Magazin/energiezukunft_2010-9.pdf).
Ein interessanter Satz steht am Ende des eben verlinkten Artikels:
„[...] wenn ein Bürger in seiner eigenen Immobilie eine Photovoltaikanlage oder eine KraftWärme-Kopplungsanlage betreibt, dann wird der Kunde zum „Produzent“ und „Konsument“ in einer Person.“
Das hat eine beträchtliche politische Dimension. Dieses Modell der Seenplatte auf Kommunen übertragen, könnte eine völlig neue faire und demokratische Art der Energieversorgung sein. Insofern würde ich Greenpeace raten vorsichtig damit zu sein, die politische und gesellschaftliche Dimension der augenblicklichen Umbruchsituation aus dem Kalkül zu lassen. Es geht um sehr viel mehr als nur eine andere Form der Energiegewinnung. Der Bürger ist hier schon wieder gefordert, weil er mit denken und mit diskutieren muss. Eine Ethikkommission der Bundesregierung wird das nicht leisten.
Und noch eins: Wenn ich schon mehr zahlen muss, dann will ich auch politisch und gesellschaftlich eine Lösung der Energiefrage, die „nachhaltig“ ist. Das Banken- und Atomkonzerndesaster der letzten Jahre sollte uns doch wirklich lehren, dass man viel eher demokratische Fairness globalisieren sollte, um bisher unkontrollierbare Konzerne und Systeme wieder in den Griff zu kriegen.
Ich würde sogar noch viel weiter gehen und die Frage, die auch Herr Lesch gestellt hat, gerne erweitern: Darf man mit Energie überhaupt Geld verdienen? Sollte sie nicht jedem Menschen, unter strengen ökologischen Auflagen, grundsätzlich zur Verfügung stehen - so wie Wasser? Stellen wir uns doch mal vor, Wasser befände sich komplett und weltweit in der Hand grosser börsennotierter Konzerne, und es kriegt nur Wasser, wer auch zahlen kann - und Qualität und Verteilung hängen davon ab, wieviel man zahlen kann. Wäre das eine erstrebenswerte Welt?
Ich habe darauf noch keine Antworten. Die Frage muss bis hierhin als Anfang genügen.
* = Mir fällt gerade auf, wie sehr mir das Wort „nachhaltig“ jetzt schon auf den Geist geht - und noch mehr, wenn ich daran denke, dass es meine Restlaufzeit wohl begleiten wird - aber es trifft eben den Punkt, denn ich habe es eben (oben) sehr schwammig mit „einer zukunftstauglichen Entwicklung von Technologie - im Hinblick auf das Wohlergehen von Welt und Nachkommen“ umschreiben müssen. ;)
Obwohl dieser Artikel mit dem Stichwort „Apple“ startet, hat er doch im weiteren Verlauf nichts, oder nur wenig mit der allseits bekannten Computerschmiede zu tun:
Steve Wozniak - “Apple hat Nuance gekauft” (Update)
Apple-Mitbegründer Steve Wozniak hat in einem Interview behauptet, dass Apple den Softwarehersteller Nuance Communications gekauft hat. Daraufhin legte die Aktie des Entwicklers von Spracherkennungstechnologie stark zu. Doch Wozniak hat inzwischen eingeräumt, einfach Firmennamen verwechselt zu haben. […] Wozniak betonte, dass Spracherkennung für Computerhersteller sehr wichtig geworden sei und sagte: "Apple sieht das wahrscheinlich genauso, sie haben kürzlich Nuance gekauft, das eine Menge großartiger Spracherkennung für das von mir erwähnte Programm Siri Assistent herstellt." Daraufhin legte die Nuance-Aktie um fünf Prozent auf 17,99 US-Dollar zu. http://www.golem.de/1011/79627.html
Der große Steve Wozniak hat sich also einfach mal geirrt. Das kommt vor. Ihm ist passiert, was vielen von uns täglich passiert: Er hat schlicht zwei Namen verwechselt. Da Wozniack aber eben, der berühmte Wozniak ist, hatten seine Worte Auswirkungen. Eine Firma war plötzlich mehr Geld wert. Es war Geld in der Welt, welches vorher noch nicht da war, nur weil Herr Wozniak zwei Namen verwechselt hatte. Hätte die Verwechslung von Wozniak umgekehrte Vorzeichen gehabt, und die Firma wäre plötzlich weniger Geld wert gewesen, hätte das womöglich viele Menschen den Arbeitsplatz kosten können.
Es stimmt schlicht, so platt wie es ist, das Beispiel vom Wall-Street-Börsianer, der am Montagmorgen schlecht gelaunt aufsteht und durch ein unbedacht ausgeplappertes Gerücht, oder einen schlecht platzierten Deal, am anderen Ende der Welt tausende von Menschen in existenzbedrohende Armut schleudern kann.
Vielleicht kriegt er davon sogar überhaupt nichts mit, denn das System ist kompliziert, die Effekte unüberschaubar und für ihn sind es nur Prozentpunkte auf einer Skala. Für ihn sind es vielleicht nur Adrenalinspitzen vor’m Mittagessen mit den Kollegen im sogenannten „CEO Valley“ in New York. Vielleicht war alles sogar Absicht - wer weiß?
Wovon reden wir da? Von unvermeidlichen Kollateralschäden in einer alternativlosen freien Marktwirtschaft der Aktien, Banken und “Global-Player“?
Julius Endert hat in einem guten Artikel, in dem er Marietta Slomka angebrüllt hat, schön beschrieben, warum es eventuell so ist, dass wir den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen:
“Banken sind systemrelevant” ist noch so ein nie hinterfragtes Neusprech-Mem. Um welches System geht es denn bitte? Im Zusammenhang mit Schulen, Unis, Kindergärten, der Feuerwehr, der Gerichte, der Polizei und der Krankenhäuser habe ich diese Formulierung noch nie gehört. Einzig bezogen auf die Kapitalmärkte hat sie Gültigkeit. Doch in all diesen Bereichen wird jetzt das Geld zusammengekratzt, um dieses andere System vor dem Zusammenbruch zu bewahren. (aus: Und dann habe ich Marietta Slomka angebrüllt! - julius01)
Leben wir den Fatalismus, was unser Finanz- und Wirtschaftssystem angeht? „Alternativlos“ ist da ein interessantes Wort. Man sollte mal darauf achten, wie oft es von Politikern benutzt wird. Mit diesem Wort erstickt Politiker gerne Gegenargumente, und zwar schon bevor sie erstmals atmen konnten:
Die Botschaft solcher Aussagen ist klar und einfach erfassbar: Höre Volk, akzeptiere das Fatale. Wir haben es für Dich durchdacht und erkannt. Weitere Diskussionen erübrigen sich.
Aber - wie immer - Volker Pispers bringt das besser auf den Punkt:
So ist es. Es ist kompliziert. Unser Kapitalismus, unsere Finanzmärkte, die Mechanismen, die darin funktionieren, sind kompliziert, und wenn ein Politiker - oder wahlweise ein Wirtschaftsmann mit Eigeninteresse! - sagt, etwas ist „alternativlos“, dann meint er damit eigentlich: „Lassen wir lieber die Finger von großen Veränderungen. Das ist kompliziert und schwierig, und Änderungen nicht in unserem Interesse.“
Gleichzeitig wird damit die Verantwortung auf ein System abgeschoben, und keiner ist mehr letztlich verantwortlich für die Folgen (siehe Eingangsbeispiel; oben). Damit wird dieses System auch gleichzeitig überhöht, kriegt Dogmen verpasst, und die Resultate, die das System produziert (z.B. ein Bankencrash), wandern in den Bereich des Mystischen: Opfert dem System, damit es uns erhält und weiterhin Geld produziert. Nicht erst seit dem HRE-Zwischenfall wandert der Kapitalismus Richtung Religion. Wie die Geschichte aber lehrt, wandert damit der Mensch in solchen Gesellschaften wieder Richtung Unmündigkeit und Wunderglaube.
Glauben wir wirklich, dass Banken, die per Zinseszins Geld schaffen, dass Börsen, die mit diesem „erfundenen“ Geld spekulieren und dass Staaten, die sich bei diesem System Geld leihen unabdingbar notwendig für die weitere menschliche Entwicklung sind? Anders gefragt: Haben wir den Eindruck, dass dieses System funktioniert. Wirklich funktioniert? Geht es uns allen gut? Wird für unsere Kinder adäquat gesorgt? Leben unsere Alten ein würdiges und erfülltes Leben? Schauen wir alle tagtäglich von unserem Arbeitsplatz aus beruhigt in die Zukunft?
Falls der Leser eben gerade ins Stocken geraten ist, und die Stirn gerunzelt hat, dann will ich noch hinzufügen: Und dabei habe ich eben noch gar nicht gefragt, was mit dem großen Teil der Menschheit ist, der nicht an den westlichen Futtertöpfen sitzt. Was ist zum Beispiel mit denen, die tagtäglich dafür zahlen müssen, dass unsere hochgelobte Informationsgesellschaft funktioniert? Was ist zum Beispiel mit den Menschen im Kongo, die seit Jahren einen Krieg um Ressourcen über sich ergehen lassen müssen, damit westliche Handys und Netbooks brummen: Ressourcen im Kongo
Im Konflikt, der seit Beginn 1996 in der Demokratischen Republik Kongo herrscht, geht es hauptsächlich um die Kontrolle, den Abbau und den Handel von mineralischen Ressourcen (Coltan, Diamanten, Kupfer, Kobalt, Gold, aber auch Edelhölzer). “Der Kongo wird systematisch ausgeplündert”, stellt die UN in einem Bericht von 2001 fest. […] Obwohl die Bevölkerung in Armut lebt, ist das Land aufgrund der weltweit besonders begehrten Rohstoffe sehr reich. Coltan, eine der gefragtesten mineralischen Ressourcen der Welt, enthält das Metall Tantal, das in der Raumfahrtindustrie und in der Computer- und Kommunikationstechnologie für Laptops und Handys verwendet wird.
Die Ressourcen sind aber nicht nur Ursache für den Beginn des Konflikts, sondern halten ihn auch am Laufen, denn durch den Handel mit Ressourcen wird der Krieg immer wieder aufs Neue finanziert. Als Rohstofflieferant ist die Demokratische Republik Kongo ein Teil des Weltmarktes, deren Basis die Kolonialisierung maßgeblich schuf und das Land in einseitige Abhängigkeit geraten ließ. // aus: Ressourcen im Kongo
Ist das kompliziert? Nein. Das ist recht simpel. Dort herrscht Krieg, weil die Gier der Industrienationen nach „immer mehr“, die in unserem Wirtschaftssystem institutionalisiert wurde, „haben will“. In diesem Falle die Rohstoffe eines Landes. Das ist nicht kompliziert - das ist simpel: Wir leben auf Kosten anderer Menschen!
Ich schreibe diesen Artikel mit Hilfe der Ressourcen, um die es in diesem Krieg in Wahrheit geht. Es geht noch weiter: Ich verbrauche mehr Energie und Ressourcen, als mir zustehen, wenn man die vorhandene Menge auf alle Menschen der Welt gleich verteilen wollte. Selbst der ökologischste Öko-Fuzzie in diesem Land tut das, wenn er hier wohnt, eben weil er hier wohnt. So einfach ist das.
Das ist nicht kompliziert. Das ist einfach. Wir sind nur offensichtlich als Gesellschaft verlogen genug, dass wir das nicht wahrhaben wollen, drum haben wir’s eigentlich gerne „kompliziert“. Das entlastet den Einzelnen. Ich hab’s schonmal gesagt, da hätt’ ich ja lieber die Monarchie wieder zurück: Ich will die Monarchie zurück - Virtu(ell)nwaswirkönnen. Da waren simple Gründe allemal ausreichend.
Mir gefällt unsere politische und wirtschaftliche „Alternativloskultur“ nicht. Unsere sogenannte „freie“” Marktwirtschaft fesselt und knebelt uns immer mehr. Ich habe den Eindruck, sie macht uns in Wirklichkeit unfrei.
Zum Abschluss noch ein Satz von Lichtenberg, der mir dabei aus eine Gedächtnisschublade fiel, und ein älteres Video dazu. Beide scheinen mir zum Thema zu passen:
„Es ist in vielen Dingen eine schlimme Sache um die Gewohnheit. Sie macht, dass man Unrecht für Recht, und Irrtum für Wahrheit hält“ (Georg Christoph Lichtenberg)
Gefährlicher als es ein Terroranschlag für unseren Staat jemals sein könnte, sind überaktive Politiker. Sie wollen im Windschatten einer vermeintlichen oder realen Terrorbedrohung unsere Freiheitsrechte beschneiden, Überwachungsstrukturen schaffen und ganze Bevölkerungsgruppen unter Pauschalverdacht stellen. Geben wir der Angst nach, haben die Terroristen gesiegt. Das gönnen wir ihnen nicht! Daher rufen wir allen politischen Entscheidungsträgern zu: Wir haben keine Angst! (http://wirhabenkeineangst.de/)
Nun, die Terrorismusdebatte zieht weite Kreise, und so hatte ich gestern Abend Gelegenheit, mit Bekannten und Kollegen über den Artikel, die Aktion und eben die aktuellen Terrorismuswarnungen zu sprechen. Dabei gab es schon das ein oder andere Missverständnis in der Diskussion aufzuklären:
Natürlich will kein Mensch Opfer eines Anschlags werden. Natürlich geht das, je nach Veranlagung, auch in den Bereich, den wir mit Angst beschreiben. Das gilt aber ebenso für Autounfälle, Naturkatastrophen, radioaktive Verseuchung und so weiter. Die Aktion „Ich habe keine Angst“ bezieht sich, so wie ich sie verstehe, nicht auf diese persönlichen Ängste und Befürchtungen, sondern weist auf einen Mechanismus hin, der in unserer Demokratie mittlerweile wie ein Beißreflex funktioniert: Jegliche Bedrohung unseres Lebensstandards und unserer gesellschaftlichen und persönlichen Unversehrtheit nötigt die Politik zu gesetzlichen Einschränkungen von Freiheiten und zu stärkerer Kontrolle durch den Staat.
Dabei werden, wie oben beschrieben, rechtliche und faktische Strukturen geschaffen, und(!) bleiben auch bestehen. Die Begründung dafür ist die fortbestehende Angst der Gesellschaft vor dem Terrorismus (siehe „Terrorinception“). Der Politiker arbeitet eben mit den Werkzeugen, die wir ihm an die Hand gegeben haben. Staat und Gesellschaft bestehen aber nicht nur aus der Gesetzgebung, der Ausführung und Überwachung und letztlich der Gerichtsbarkeit. Diesen Gewalten voran steht die Willensbildung innerhalb der Gesellschaft. Das „Wir“. Dieses „Wir“ erhält damit also eine ganz andere Wertigkeit und eine ganz andere Funktion.
Das Volk könnte eben postulieren: Wir haben keine Angst vor diesem Terrorismus! Wir wissen, dass terroristische Anschläge möglich sind, ebenso wie wir wissen, dass sich Naturkatastrophen ereignen können. Das gehört zu den wenigen Risiken, die zum Leben in dieser Gesellschaft dazu gehören. Ihr könnt einzelne von uns vielleicht verletzen und materiellen Schaden anrichten, aber „wir“ haben davor keine Angst. Wir leben mit diesen Risiken, aber nicht in ständiger Angst vor ihnen.
Danach ist es nicht notwendig, oder gar gewünscht, von den freiheitlichen Gedanken und Werten in unserer Gesellschaft abzurücken, die dieser Gesellschaft überhaupt erst einen Wert verleihen, denn die Sicherheit, die wir uns damit zu erkaufen meinen, ist eine trügerische, und der Preis dafür damit viel zu hoch. Vor uns haben Menschen in bitteren Kriegen, unter bedingungsloser Preisgabe ihrer körperlichen und seelischen Unversehrtheit dafür gekämpft, dass freiheitliche und demokratische Werte die Grundlage unseres Lebens geworden sind, und wir wollen das einfach für die pure körperliche Unversehrtheit wieder hergeben?
Natürlich ist es die Pflicht einer Regierung ihre Bürger zu warnen, wenn es denn etwas gibt, wovor gewarnt werden muss. Allerdings sollte sich jeder einzelne von uns klar machen, welche Mechanismen dabei bei uns wirken (siehe „weisser Bär“-Beispiel in „Terrorinception“), damit man ihnen bewusst entgegentreten kann, und eben nicht Opfer nebulöser, nicht fassbarer Ängste wird, sondern schlicht Gefahren und deren Ursachen erkennt.
Die Ursachen sind dann das entscheidende Stichwort: Nicht religiöser Fundamentalismus ist die Ursache für die augenblickliche terroristische Bedrohung, sondern wirtschaftliche Schieflagen in einer globalisierten Welt. Der religiöse Fundamentalismus ist in diesem Fall lediglich der Katalysator, der unzufriedene, oft notleidende und immer instrumentalisierte Menschen in Fanatiker verwandelt. Das hat schon bei den Kreuzzügen, im dritten Reich und bei den kommunistischen Revolutionen so funktioniert. Wir wären gegebenenfalls bereit, uns immer stärkeren Restriktionen und Unfreiheiten zu unterwerfen, lassen aber unseren Kapitalismus weitgehend ungebremst wuchern und derartige Schieflagen produzieren. Das verstehe ich nicht. Wie schon erwähnt, die gleiche Fabrik die Nacktscanner baut und uns verkauft, verkauft auch Streubomben an jeden, der zahlen kann.
Die Aktion „Wir haben keine Angst“ hat schon sehr viele und sehr schöne Beiträge erhalten. Einige davon möchte ich hier mal empfehlen:
Es geht also wieder mal um Banken, Zocker und Kapital. Die HRE ist wieder mal ins Blickfeld gerückt, weil sie mal eben auf die Schnelle wieder Sicherheiten für 40 Mrd. braucht. Ja. Achso. Na ja, 40 Mrd.? Da regt sich an einem schönen Spätsommersonntag keiner mehr drüber auf. Warum auch. Kennen wir doch schon. Da sind wir doch mittlerweile auch andere Zahlen gewohnt. In Medizinkreisen würde man von Langzeit-Habituation sprechen. Einfache Leute wie ich sagen schlicht: Wir sind abgestumpft.
Abgestumpft und überfordert sind wir. Deshalb regen wir uns auch über die zweidimensionalen Thesen eines Thilo S. mehr und lieber auf, als über kapitalistischen Spekulationswahnsinn á la “HRE”. Das, was T. S. von sich gibt hat immenses Stammtischpotential. Der Bürger liebt es, wenn er seine Ängste, Hoffnungen und seine eigenen Charakterleichen auf Personen des öffentlichen Lebens projizieren kann. Das hat was Simplifizierendes und was Reinigendes.
Genau das funktioniert aber mit dem komplizierten Thema der Finanzspekulation und solchen “unfassbaren” Gebilden wie der “HRE” nicht. Das ist eine komplizierte Materie. Das sind Zahlen, die ausserhalb unseres Begriffsvermögens rangieren. Das ist einfach nicht so real erlebbar, wie der türkische Gemüsehändler um die Ecke.
Recht hat er trotzdem, der Kreuznacher: Lasst den Herrn S. doch seine halbintellektuellen Thesen noch ein wenig in den Talkshows und auf dem Büchermarkt vertreiben. Er wird mit seinem halbgaren Gedankengut an der Realität scheitern, wie alle “schill”ernden rechten Propagandisten vor ihm. Dass er tatsächlich existierende Probleme in Deutschland und Europa anspricht: Geschenkt! Außer der Ignoranz-Abteilung der CDU und der Superreichenfraktion dieser Gesellschaft, die ihr Gesicht beständig der Schweiz zuwendet, um ihr Kapital nicht aus den Augen zu lassen, hat das wohl so ziemlich jeder vorher schon gewusst.
"Ich sehe in naher Zukunft eine Krise heraufziehen. In Friedenszeiten schlägt die Geldmacht Beute aus der Nation, und in Zeiten der Feindseligkeiten konspiriert sie gegen sie. Sie ist despotischer als eine Monarchie, unverschämter als eine Autokratie, selbstsüchtiger als eine Bürokratie. Sie verleumdet all jene als Volksfeinde, die ihre Methode in Frage stellen und Licht auf ihre Verbrechen werfen. Eine Zeit der Korruption an höchsten Stellen wird folgen, und die Geldmacht des Landes wird danach streben, ihre Herrschaft zu verlängern, bis der Reichtum in den Händen von wenigen angehäuft und die Republik vernichtet ist."
Abraham Lincoln, US-Präsident, 21.11.1864
In der Tat sind das Sätze, die einem im Anbetracht bestehender Verhältnisse und Probleme in den Ohren klingeln müssen. Wie tief ist unser Kotau vor der Macht des Geldes, dass wir das Offensichtliche nicht erkennen? Im Jahr 2008 hackte ich einen Artikel in mein damaliges Blog mit dem Titel: Montagsdemoanfall. Ich darf mich mal selber daraus zitieren, wenn es schon sonst keiner macht:
“Notleidende Banken”!? N-o-t-l-e-i-d-e-n-d …!?
Dieser Begriff war damals das Unwort des Jahres. Na ja, wenigstens das, möchte man da sagen:
Das Unwort des Jahres 2008 ist «notleidende Banken». Eine unabhängige Jury aus Sprachwissenschaftlern und Journalisten habe den Begriff aus 1.129 Vorschlägen ausgewählt, sagte Jury-Sprecher Horst Dieter Schlosser in Frankfurt am Main. Der Begriff «Notleidende Banken» stelle das Verhältnis von Ursachen und Folgen der Weltwirtschaftskrise rundweg auf den Kopf, erklärte Schlosser zur Begründung. (aus: Montagsdemoanfall)
“Auf den Kopf gestellt” ist da ja wohl noch geschmeichelt. Ich krieg’ schon wieder Pickel, Pusteln und Schnappatmung. Nchrrrr ... «Notleidende Banken», das ist ja wie, «schüchterne Playboys», wie «vegetarische Krokodile», wie «friedfertige Terroristen», oder wie «kurzfristige Staatskredite», äh ... Nchrrrr ...
Da ist ein Wort der Warnung angebracht:
Liebe Kinder, der «notleidende Bänker» ist ein Geschöpf der Gattung Parasit. Er lockt Euch mit Versprechungen und sanften Worten in seine Behausung, die Finanzblase, und saugt Euch dort dann langsam aus. Hat er genug aus Euch herausgepresst, rennt er damit sofort zum nächsten Parkett und spekuliert unter lautem Wehklagen, dass die Schwarte kracht. Leider wurde seine Art schon frühzeitig zum Kulturfolger und von uns unter Naturschutz gestellt. Da sie offensichtlich keine natürlichen Feinde mehr haben, können sie sich hemmungslos vermehren.
So schrobte ich damals, und so sieht man es offensichtlich auch aktuell bei “The Intelligence”, in oben schon erwähntem Artikel: Es ist eben nicht nur so, dass unser Kapitalismus vom Sterben der Menschen in anderen Regionen dieser Welt lebt, nein, auch unser Sterben wird zum Spekulationsgeschäft in einer Finanzblase, in der nur Platz für ganz wenige ist.
Mehr als 200 Millionen Euro wurden für diese Idee in Deutschland eingesammelt. Die Rendite ergibt sich aus dem kalkulierten Ableben der Referenzpersonen, errechnet wurde dieses Datum durch die Deutschbanker. Zwischendurch hat man ein weiteres Modell getestet, weil es galt, die realen Beiträge zusätzlich einzusparen. Anonymisierte Gesundheitsdaten von mehreren Hundert Amerikanern wurden bei Zwischenhändlern gekauft, die dazu passenden Lebensversicherungen dann von der Bank selbst entworfen.
So war das also mal berechnet, die auserkorenen Referenzpersonen produzierten keine Kosten für Prämien mehr, alles war gut.
Wie tief also ist unser Kotau, wie betriebsblind sind wir geworden, dass wir nicht erkennen, dass weder der Islam, noch irgendwelche rechtsgesinnten Flachdenker unsere Zukunft ruinieren, sondern z. B ein Abzocke-System, in dem die Rendite über alles geht, und die Spekulationsschulden durch den Steuerzahlers finanziert werden?
Den Leuten, die hier Lern- und Moraleffekte aus der “Bankenkrise” bei den Bewohnern der Finanzblase erhoffen, sei an dieser Stelle nur ein Beispiel genannt: Die HSH Nordbank ist unter den staatlichen Finanzschirm gekrabbelt und hat trotzdem Boni an ihre Manager ausgezahlt. Der Aufsichtsratsvorsitzende dieser Bank heisst übrigens Kopper. Man erinnert sich vielleicht. Das ist der Mann mit den “Peanuts”. Man darf daraus schliessen: Der Mann praktiziert noch.
Die Veröffentlichung der Rohstofffunde fällt in eine brisante Zeit: "In Afghanistan hat das Endspiel begonnen", sagt ein ausländischer Beobachter. Er meint, angesichts des absehbaren Abzugs der Nato versuchten Regionalmächte und Staaten mit strategischen Interessen, sich am Hindukusch neu zu positionieren.
Die aufstrebende Wirtschaftsmacht Indien wird ebenso hungrig auf die Bodenschätze schauen wie China. Auch Pakistan, das von einer Wirtschaftskrise zur nächsten dümpelt, dürfte Interesse zeigen – wie der Nachbar Iran, der misstrauisch die wachsende Zahl von US-Militärstützpunkten und Soldaten vor seiner Haustür beobachtet und wie Islamabad zunehmend am Hindukusch mitmischt.
Es ging gestern schon durch Twitter: Zum "Saudi-Arabien des Lithiums" wird sich Afghanistan wandeln, sagen (Achtung!) “Geologen des US-Verteidigungsministeriums”, nach der Entdeckung von unglaublichen Mineralvorkommen. So steht's im Artikel der Frankfurter Rundschau zu lesen: “Mineralien im Billionen-Wert - Afghanistan ist reich”
Neben dieser sehr aufschlussreichen Bezeichnung und Herkunft der Geologen, und der Tatsache, dass der Westen wohl plötzlich wieder Interesse an seinem Afghanistan-Abenteuer findet, ist die nächste interessante Tatsache, dass die Chinesen wesentlich schneller waren und mit den entsprechenden afghanischen Stellen schon vor geraumer Zeit die notwendigen Verträge zur Ausbeutung von grossen Kupfervorkommen geschlossen haben.
Allerdings gibt es in Afghanistan noch wesentlich mehr Schätze im Boden, die für die moderne Telekommunikationswirtschaft interessant sind. So schnell wird aus dem “Krieg gegen den Terror” ein “Krieg für Handys”. Nur, wer den führt, ist gerade noch nicht so ganz klar.
[...] Denn seit wann geht es in Sachen Unternehmen oder Regierungen um Vertrauen? Vertrauen kann man einer einzelnen Person, aber weder einem Unternehmen (noch dazu einem mit rund 20.000 Mitarbeitern) noch einer Regierung. Weshalb es im Idealfall sowohl im politischen als auch im wirtschaftlichen Bereich funktionierende Mechanismen, Instanzen und Regeln gibt, die an die Stelle von Vertrauen treten und die für ein gewisses Maß an gegenseitiger Kontrolle und/ oder Transparenz sorgen sollen.
Auf diese Strukturen kann man sich, wenn man will und überwiegend gute Erfahrungen gemacht hat, verlassen, ihnen also ein gewisses „Vertrauen“ entgegenbringen; ich tue dies beispielsweise im Fall der Demokratie als Staatsform, die sicher nicht perfekt ist, mir aber als relativ zuverlässig und sinnvoll erscheint. [...]
Spreeblick war in letzter Zeit für mich ein Hort gepflegter Langeweile, aber der oben verlinkte Artikel von Johnny Häusler ist wirklich lesenswert, weil er eine Ebene tiefer geht, als viele andere Artikel im aktuellen China-Google-Fall.
Ich stimme vielem zu, was dort geschrieben steht, und empfehle jedem auch die Kommentarstrecke in Ruhe zu verfolgen, denn sie zeigt, wie sehr unterschiedlich die Perspektiven sind, und wie notwendig es ist, das Problem aus einem argumentativen Abstand zu betrachten.
Google beugt sich nicht mehr der Zensur in China. Dagegen ist erst mal nichts einzuwenden. Es ist allerdings mehr als wichtig, die Gründe für diese Entscheidung zu analysieren, denn es darf tatsächlich nicht nur eine Frage des “Vertrauens” bleiben. Worauf sollte es gründen? Auf “Don't be evil”?
Das “Don't be evil” von Google wird in einer solchen Diskussion schnell zum “argumentum ad ignorantiam”: Mag sehr wohl sein, dass die derzeitigen Führungskräfte moralisch integer und philosophisch reflektiert in die Zukunft blicken, und auch so handeln wollen, aber was, wenn diese Personen, aus welchen Gründen auch immer, zukünftig plötzlich andere sind? Wer kontrolliert Google? Wer kontrolliert andere Konzerne? Konzerne an sich sind nur systemische Einheiten innerhalb einer global funktionierenden Wirtschaft, die an sich keine Moral besitzt, sondern an Umsätzen, Quartalszahlen und Gewinnen orientiert ist.
Das ist im Prinzip die alte Frage, die Karl Jaspers schon im Zusammenhang mit der Atombombe gestellt hat: “Wer sagt, um jeden Preis müsse die Menschheit am Leben bleiben, ist nur glaubwürdig, wenn er weiß, was der Totalitarismus ist.” Auf uns heute bezogen und populär geprochen: Lohnt das Leben in der Matrix? Kann es sein, dass ein Totalitarismus der Wirtschaft ein ebenso erschreckendes Szenario ist?
Die Vertrauensfrage im Falle Google ist doch: Ist China für Google erstens 1,3 Mrd. unter Zensur leidender Menschen, oder zweitens ein Markt? Diese Frage ist schnell beantwortet: Die Zensur herrschte auch beim Markteintritt von Google. Man hätte sich dem niemals beugen müssen, es sei denn man wollte unbedingt in diesen Markt. Fertig.
Ist Google deshalb dann doch “evil”? Nein. Ein Konzern wie Google ist ein Kind der gerade geborenen digitalen Evolution unserer Gesellschaft. Kaum volljährig und ein reiner Dienstleister. Ein Werkzeug. Per se erstmal amoralisch - schlicht, ohne Moral. Worin sollten wir da vertrauen? Höchstens in seine Funktion. In seiner Anwendung muss ich auf die Menschen vertrauen, die es benutzen. Es ist ersetzbar. Das ist nicht nur eine Erkenntnis, sondern sollte auch unser Credo sein, damit wir nicht in falsche geistige Abhängigkeiten geraten.
Die Vermutung “[...] Google wäre in der moralischen Pflicht, [...] ” von mspr0 in seinem Artikel: Google vs. China – Postnationale Cyberwars ist deshalb natürlich solange (wohlwollend) naiv zu nennen, bis sich die Menschheit aufmacht, tatsächlich eine Ethik der globalen Wirtschaft und also (altes Thema) mithin eine Ethik des modernen Kapitalismus zu schaffen, die diese Wirtschaftsform und ihre Werkzeuge kontrolliert.
Es ist richtig: Wir vertrauen clevererweise nicht unseren Regierenden und Regierungen, sondern wir vertrauen erprobten demokratischen Strukturen. Wir vertrauen der Gewaltenteilung. Wir üben - ohne Zensur - Kontrolle durch Presse, freie Meinungäußerung und außerparlamentarische Opposition aus. Dieses System hat sich bis heute bewährt. Es wird sich weiter bewähren, wenn wir, die Bürger, durch unser Engagement dafür sorgen, dass die Herausforderungen dieser Zeit, namentlich “Globalisierung“ und “Weltgemeinschaft“, unter diesen Aspekten und Prämissen behandelt werden.
Wovon die Rede ist, ist also, am Beispiel des aktuellen Falls, nicht, die Macht von Wirtschaftskonzernen in unserem Sinne herbei zu beten, sondern Demokratie und eine global erträgliche Ethik in unser Wirtschaftssystem zu injizieren. Dann steht die globale Wirtschaft endlich im moralischen Anzug da und muss auf Flecken achten.
Wie gesagt: Google beugt sich nicht mehr der Zensur in China. Dagegen ist erst mal nichts einzuwenden. Zu beachten sollte allerdings sein: Nicht nur, dass der Zweck nicht immer die Mittel heiligt, sondern die Mittel dürfen auch nicht den Zweck verhüllen.