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Abgelegt unter: Terror

Angst ist anders

Ich habe gestern, in „Terrorinception“, in einem Update erwähnt, dass ich an der Aktion „Ich habe keine Angst“ teilgenommen habe

Gefährlicher als es ein Terroranschlag für unseren Staat jemals sein könnte, sind überaktive Politiker. Sie wollen im Windschatten einer vermeintlichen oder realen Terrorbedrohung unsere Freiheitsrechte beschneiden, Überwachungsstrukturen schaffen und ganze Bevölkerungsgruppen unter Pauschalverdacht stellen. Geben wir der Angst nach, haben die Terroristen gesiegt. Das gönnen wir ihnen nicht! Daher rufen wir allen politischen Entscheidungsträgern zu: Wir haben keine Angst! (http://wirhabenkeineangst.de/)

Nun, die Terrorismusdebatte zieht weite Kreise, und so hatte ich gestern Abend Gelegenheit, mit Bekannten und Kollegen über den Artikel, die Aktion und eben die aktuellen Terrorismuswarnungen zu sprechen. Dabei gab es schon das ein oder andere Missverständnis in der Diskussion aufzuklären: 

Natürlich will kein Mensch Opfer eines Anschlags werden. Natürlich geht das, je nach Veranlagung, auch in den Bereich, den wir mit Angst beschreiben. Das gilt aber ebenso für Autounfälle, Naturkatastrophen, radioaktive Verseuchung und so weiter. Die Aktion „Ich habe keine Angst“ bezieht sich, so wie ich sie verstehe, nicht auf diese persönlichen Ängste und Befürchtungen, sondern weist auf einen Mechanismus hin, der in unserer Demokratie mittlerweile wie ein Beißreflex funktioniert: Jegliche Bedrohung unseres Lebensstandards und unserer gesellschaftlichen und persönlichen Unversehrtheit nötigt die Politik zu gesetzlichen Einschränkungen von Freiheiten und zu stärkerer Kontrolle durch den Staat.

Dabei werden, wie oben beschrieben, rechtliche und faktische Strukturen geschaffen, und(!) bleiben auch bestehen. Die Begründung dafür ist die fortbestehende Angst der Gesellschaft vor dem Terrorismus (siehe „Terrorinception“). Der Politiker arbeitet eben mit den Werkzeugen, die wir ihm an die Hand gegeben haben. Staat und Gesellschaft bestehen aber nicht nur aus der Gesetzgebung, der Ausführung und Überwachung und letztlich der Gerichtsbarkeit. Diesen Gewalten voran steht die Willensbildung innerhalb der Gesellschaft. Das „Wir“. Dieses „Wir“ erhält damit also eine ganz andere Wertigkeit und eine ganz andere Funktion.

Das Volk könnte eben postulieren: Wir haben keine Angst vor diesem Terrorismus! Wir wissen, dass terroristische Anschläge möglich sind, ebenso wie wir wissen, dass sich Naturkatastrophen ereignen können. Das gehört zu den wenigen Risiken, die zum Leben in dieser Gesellschaft dazu gehören. Ihr könnt einzelne von uns vielleicht verletzen und materiellen Schaden anrichten, aber „wir“ haben davor keine Angst. Wir leben mit diesen Risiken, aber nicht in ständiger Angst vor ihnen. 

Danach ist es nicht notwendig, oder gar gewünscht, von den freiheitlichen Gedanken und Werten in unserer Gesellschaft abzurücken, die dieser Gesellschaft überhaupt erst einen Wert verleihen, denn die Sicherheit, die wir uns damit zu erkaufen meinen, ist eine trügerische, und der Preis dafür damit viel zu hoch. Vor uns haben Menschen in bitteren Kriegen, unter bedingungsloser Preisgabe ihrer körperlichen und seelischen Unversehrtheit dafür gekämpft, dass freiheitliche und demokratische Werte die Grundlage unseres Lebens geworden sind, und wir wollen das einfach für die pure körperliche Unversehrtheit wieder hergeben?

Natürlich ist es die Pflicht einer Regierung ihre Bürger zu warnen, wenn es denn etwas gibt, wovor gewarnt werden muss. Allerdings sollte sich jeder einzelne von uns klar machen, welche Mechanismen dabei bei uns wirken (siehe „weisser Bär“-Beispiel in „Terrorinception“), damit man ihnen bewusst entgegentreten kann, und eben nicht Opfer nebulöser, nicht fassbarer Ängste wird, sondern schlicht Gefahren und deren Ursachen erkennt.

Die Ursachen sind dann das entscheidende Stichwort: Nicht religiöser Fundamentalismus ist die Ursache für die augenblickliche terroristische Bedrohung, sondern wirtschaftliche Schieflagen in einer globalisierten Welt. Der religiöse Fundamentalismus ist in diesem Fall lediglich der Katalysator, der unzufriedene, oft notleidende und immer instrumentalisierte Menschen in Fanatiker verwandelt. Das hat schon bei den Kreuzzügen, im dritten Reich und bei den kommunistischen Revolutionen so funktioniert. Wir wären gegebenenfalls bereit, uns immer stärkeren Restriktionen und Unfreiheiten zu unterwerfen, lassen aber unseren Kapitalismus weitgehend ungebremst wuchern und derartige Schieflagen produzieren. Das verstehe ich nicht. Wie schon erwähnt, die gleiche Fabrik die Nacktscanner baut und uns verkauft, verkauft auch Streubomben an jeden, der zahlen kann.

Die Aktion „Wir haben keine Angst“ hat schon sehr viele und sehr schöne Beiträge erhalten. Einige davon möchte ich hier mal empfehlen:

Terrorinception

↑Die 'Weisser Bär'-Maschine von jo jmatic, 2009; via Ipernity
↑Die ‘Weisser Bär’-Maschine von jo jmatic, 2009; via Ipernity

In meinem alten Blog bot ich den Lesern mal ein kleines Spiel an:

Schließt die Augen und denkt woran Ihr gerade denken wollt, nur nicht an einen weissen Bären. Ihr dürft eine Minute lang nicht an den weissen Bären denken.

Alles Klar? Na, dann los. Die Zeit läuft … Wie? Hat nicht geklappt?

Die Wissenschaft nennt dieses Phänomen Metakognition. Im Falle unseres kleinen Spiels also der ironische Kurzschluss, dass genau das Ziel unserer Gedanken, an etwas nicht zu denken, per Gedanken sofort von uns überprüft wird, in dem wir daran denken. Böses Spiel. Böses kleines Spiel.

Genau diesen Mechanismus bedienen Politiker - möglicherweise sogar in bester Absicht - in dem sie uns zum Beispiel dieser Tage sagen: Kümmert Euch nicht um mögliche terroristische Anschläge. Lebt einfach ganz normal weiter.

Genau damit haben sie aber den Gedanken an den Terrorismus, und die Verunsicherung darüber in die Köpfe der Bevölkerung gepflanzt. Und da sitzt er nun, der Gedanke, und zwickt und juckt, und wird sehr schnell zu unserem eigenen Gedanken der Verunsicherung.

Verunsicherung. Das ist der Gedanke, den ein Innenminister lesen kann, und dafür hat er eine Lösung: Sicherheit. Das geben seine Werkzeuge und seine Funktion her. Er verschärft Gesetze und schränkt Freiheiten ein. Weniger Freiheit, mehr Sicherheit. Mehr Sicherheit, weniger Terrorismus. Das ist die simple Formel, die ein Minister des Inneren anbieten kann. Mehr gibt sein Amt nicht her.

Freiheit und Sicherheit sind aber wie Tag und Nacht. Wo das eine ist, kann das andere nicht sein. Anders gesagt: Der Preis für Sicherheit ist Freiheit. Allerdings zahlen wir diesen Preis für eine trügerische Sicherheit, denn auch zwischen der Sicherheit und dem Terrorismus findet ein Spiel statt. Man nennt es “Hase und Igel”. Unschwer zu erraten, wer hier wer ist.

Die Frage ist, endet die Bedrohung durch den Terror irgendwann, durch das erreichte Mehr an Sicherheit? Nein. Die Bedrohung bleibt. Solange Bedrohung gedacht werden kann, ist sie existent, egal, wie hoch das Maß an Sicherheit in einem Staat geschraubt wird. Wieso lassen wir dann dieses offensichtlich hochkomplexe Problem von einem Minister mit eingeschränkter Funktion und einem eng begrenzten Vorrat an Werkzeugen bearbeiten? Wir beauftragen ja auch keinen Uhrmacher damit, die Zeit anzuhalten.

Die Terroristen entdecken dieser Tage eine neue Ökonomie: Es reicht zu drohen. Es reicht existent zu sein. Die bedrohten Staaten fangen dann an Milliarden für neue Sicherheit auszugeben, und schränken die Freiheiten ihrer Bürger damit mehr und mehr ein. Da die globalisierte Wirtschaft aber Freiheiten braucht um den notwendigen Geldfluss zu gewährleisten, gerät auch sie ins Straucheln und dann sucht sie sich einfach - und zwangsläufig - neue Wege. Merke: Die Wirtschaft hat keine Moral, sie maximiert Gewinne: Die gleiche Firma, die uns Nacktscanner verkauft, verkauft im Zweifelsfall auch Streubomben.

Der Terrorist sitzt derweil in seiner konspirativen Blase - und ist. Das genügt. Je paranoider eine Gesellschaft wird, desto weniger muss er tun. Terrorismus in homöopathischen Dosen. Ein Flugtransfer hier, ein paar Bombenzutaten dort, und die Konsumgesellschft geißelt sich noch ein wenig mehr. Eine Zukunftsvision? Vielleicht. Sollte es irgendwann soweit kommen, leben wir in einer Gesellschaft, die ich nicht haben will. 

Polizisten mit Maschinengewehren, Nacktscanner, eingeschränkter Netzzugang und das blindwütige Sammeln von Daten aller Art verhindern keinen Terrorismus - sie päppeln ihn auf.

[Update]

Ich finde diese Aktion: „WIR HABEN KEINE ANGST!“ ganz gut und passend zu meinem Artikel oben, und habe drum ganz schnell mal mitgemacht: No Terrorinception please! - WIR HABEN KEINE ANGST!

[/Update] 

Amerikanische Reha-Massnahme

Viele Ex-Guantánamo-Häftlinge werden rückfällig

Washington (dpa) - Nach ihrer Entlassung aus dem umstrittenen US- Gefangenenlager Guantánamo auf Kuba wenden sich immer mehr Ex- Häftlinge wieder dem Terror zu. Mittlerweile steht einer von fünf der Freigelassenen wieder unter Terrorverdacht oder ist bereits zurückfällig geworden.

via pnp.de

Ach, was!? Das sollte 'ne Reha-Massnahme sein!?

Wie undankbar von den Teilnehmern, nach der fürsorglichen und kostenlosen Umschulungsmassnahme wieder in alte Rollenmuster zu verfallen.

Hach ja, Undank ist der Welten Lohn.

Wir sind ausgezogen, dem Terror nackt gegenüber zu treten.

Zum Thema Nackscanner muss ich doch nochmal einen alten Artikel von mir dazu hervorkramen. Handelnde Personen sind jetzt zwar andere, aber ... egal:

Prometheus vorm Nacktscanner von jo jmatic, 2008; via Ipernity
↑Prometheus vor'm Nacktscanner
von jo jmatic, 2008; via Ipernity

Heute Nacht üblen Traum gehabt. Stand auf dem Flughafen vorm Nacktscanner. Sah genervte Bushmänner und verängstige Schäublonen sich hinter Monitoren verstecken, weil eine Ausflugsgruppe aus’m örtlichen Swingerclub auf ein Doppelnackt-Gruppenfoto bestand. Über der Apparatur hing ein Schild:

Wir sind ausgezogen, dem Terror nackt gegenüber zu treten.

Blöder Alptraum! Versuche mich dennoch zu erinnern, ob der Nacktscanner ein Flachbett-Modell war. Auf jeden Fall stand in der Vorhalle irgendein Witzbold der Keuchheitsgürtel mit Osama-Schriftzug im Prägedruck verschenken wollte.

Explodierende Karotten und Truthahndiktatoren

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Das Verrückte an der Welt ist, das sie immer schön gleichbleibend verrückt ist. Das ist sehr praktisch, denn dann kann man zu Wochenanfang problemlos ein paar Verrücktheiten rausgreifen und seinen Gästen präsentieren.

Das macht den Wochenstart dann gleich viel glaubwürdiger, denn man weiß: "Aha, Wochenanfang. Alles wird, wie es bleibt, und schön, dass es so gewesen war sein wird. Schaun mer mal."

Zurück zur Werbung: Oben seht Ihr die Bilddokumentation des nächsten terroristischen Anschlags auf uns. Es geht um den Möhrenterrorist!

Das sind Bilder, die erschüttern und die Worte eines Herrn Schäuble in gänzlich anderem Licht erscheinen lassen. Klicke sich aber bitte nur der oder diejenige durch die Bilder, die wirklich, wirklich starke Nerven ihr Eigen nennen.

Habt Ihr dies überlebt, dann seid gewiss, dass das nur der banale Anfang des wahren Terrorismus ist, denn jetzt drohen Euch die Truthanharmee und ihr schrecklicher Mundschutz-Diktator!

Hier ein Video von der Reichstruthahnversammlung, bei der der Diktator sein Volk wahrscheinlich auf die Weltrevolution und die Machtübernahme einschwört. Auch hier sei vor den entsetzlichen Bildern gewarnt. Das ist nichts für schwache Nerven:

In diesem Sinne: Es lebe der Montag. Möge die Macht mit uns sein, und das nächste Mittagessen "Truthahn mit Möhrchen".