Meine Damen und Herren, liebe Kinder,
ich möchte vor diesem Blog ausdrücklich warnen!

 

Es sendet auch außerhalb der internetüblichen Sendezeiten - zwischen 22 und 6 Uhr - Beiträge zu Intelligenz-Dilettantismus und Missverständlosigkeiten.

 

An alle privatwirtschaftlichen Jugendschützer mit monetärem Eigeninteresse: Ich kam schon abgemahnt auf die Welt, aber auch mir ist klar: Platz für Gier ist im kleinsten Hirn!

 

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Abgelegt unter: Politik

Schlagzeilensex

Wie wär’s mal mit einem kleinen Schlagzeilenquickie? Ok? Los geht’s!

Verfielfältigung unter dem Label »Made in Germany«, oder, kurz gesagt, das »guttenbergen«, wird mittlerweile sogar im Vatikan praktiziert:

Kardinals-Biografien: Vatikan schrieb aus Wikipedia ab – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Netzwelt

Ich finde das allerdings jetzt nicht sooo skandalös, denn jeder weiß doch, dass sogar das christliche Hauptwerk damals schon geguttenbergt wurde. ;)

Was gibt’s noch? Ah ja, die Billigklamottendiscounter wollten eigentlich die Bedingungen der Arbeiterinnen in den entsprechenden Zulieferfabriken in Asien verbessern. Das klappt aber irgendwie nicht so richtig. Seltsam. Wahrscheinlich wehren die Arbeiterinnen sich dagegen. Kennt man ja. Frauen sind ja manchal zickig.

Billig-Kleidung von Lidl und Co.: “Das Sündenregister der Discounter ist skandalös” – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Wirtschaft

Ja ja, die Deutschen brauchen billige Winterpullis, damit sie sich nicht erkälten und deswegen krank machen müssen. Da kann man nicht so inkonsequent sein und Konsequenzen ziehen.

Krank werden wir also nicht, wegen der billigen Winterpullis, oder wegen unseres schlechten Gewissens, sondern wegen Billigfleischfresserei:

Resistente Bakterien auf Geflügel – Wie gefährlich sind die Keime? – Wissen – sueddeutsche.de

Darauf kann man sich einen Reim machen:

Sind die Keime erstmal resistent
Nervt Billigfleisch permanent. Hatschi.

Themawechsel. Wann ist Satire richtig böse? Jetzt:

Anschlag in Teheran: Iranischer Atomforscher durch Autobombe getötet – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Politik

Na ja, tragisch, aber besser als umgekehrt, oder?

Frontberichte vom Leben - 22.12.11

tl;dr –> Alles wird gut – irgendwie irgendwo. Ich darf jammern. Steht in der Verfassung im Grundgesetz.

Liebes Internettagebuch, es ist niederschmetternd: auch die längste Nacht endete zu früh für mich.

Trotzdem glaube ich, dass das ein Wendepunkt ist. Alles wird wieder besser und heller werden. Hilft mir nur jetzt nix – bin müde. Mir fallen die Augen zu. Da helfen auch die Kreditklemmen nicht, von denen die jetzt alle reden. Ich seh’s doch gerade vor mir: kommen doch nur niedrige Zinssätze raus. Wer will denn so was lesen?

Eigentlich könnt' ich ja weiter schlafen und darauf vertrauen, dass meine gewählten Volksvertreter die Augen für mich offen halten und für den rechten umfassenden Weitblick sogar schwindelnde Höhen erklimmen, z. B. den Guttenberg. Die verstehen das System aber nicht richtig: denn der Politeusen-Blick ist dort oben, wo die Luft zu dünn zum denken atmen ist, immer schön in die Ferne gerichtet, darum merkelt auch keiner was von der bedingungslosen Grundmüdigkeit auf der Talsohle.

Ach egal. Interessiert ja eh keinen, was ich schreibe, hier auf’m Internet-Land, in der Diaspora, wo sich schon nicht mal mehr Wulff und Unternehmer gute Nacht sagen. Dabei sollten sich die Großstadtfuzzies an uns hier auf’m Land ein Beispiel nehmen: unsere Banken sind gerettet. Und wer hat’s getan? Der Gemeindediener – ganz allein.


Heimat – jo.jmatic – Picasa-Webalben

Der Mann weiß, wo man die Hebel ansetzen muss. »Gemeinde« und »Diener« ? Das erinnert mich an …? Hmmm … Ah ja! Staatsdiener. Tse, Irrsinn, was? Man kann nicht mit ihnen, man kann aber auch nicht ohne sie. Oder?

Jetzt werden die Tage wieder länger. Ja, das Leben ist ein ewiger Kreislauf.


via (Bild) – netcrap in a soup

Halbwissenfreak mit Machtdefizit

“Wenn ich die Absicht gehabt hätte zu täuschen, dann hätte ich mich niemals so plump und dumm angestellt, wie es an einigen Stellen dieser Arbeit der Fall ist”. Guttenbergs Rückkehr-Rhetorik: Extremsituation Familienvater – taz.de

Bullshitbingo!

Die Wahrheit ist: vom damaligen Zeitpunkt aus betrachtet, war der Aufwand, den er für diese Arbeit betrieben hat ausreichend. Er und sämtliche Doktorpapas und -mamas haben sich schlicht nicht vorstellen können, was das Internet und das öffentliche Interesse ein paar Jahre später möglich machen würden. Bis dahin ging man von einem wunderbar abgeschotteten und schlecht erreichbaren Promovierungsbiotop mit einem gegen Null tendierenden öffentlichen Interesse aus.

Die Wahrheit ist: hätte er es gewusst, dann hätte er einen Aufwand betrieben betreiben lassen, der eben den Verhältnissen und Erfordernissen angepasst gewesen wäre, um sein Ziel zu erreichen.

Sein Ziel wiederum war ein Doktortitel zum Zwecke des politischen Reputationsdopings für die zu erwartenden steilen Amts- und Wahlkampfaufstiege. Für Menschen mit der mentalen Verfasstheit eines Herrn zu Guttenberg gibt es nur eine Maxime, die alle anderen im Zweifel überschreibt: Der Zweck heiligt die Mittel. Punkt.

Diese Halbwissentypen mit Machtgelüsten richten Schaden an, wenn wir sie lassen.

#Guttenberg #Doktortitel #Machtmenschen #Halbwissentypen #Comeback  #wirdnichtzuverhindernsein #Politik

PS: Manchmal bin ich mein eigener Stammtisch und find’s gut.

Worüber aufregen?

Wollt Ihr mal wissen, was mein Problem ist? Nein, wahrscheinlich nicht. Warum seid Ihr dann hier? Das ist meine Seite und ich kann hier meine Probleme auswalzen, so breit das die Monitorauflösung überhaupt zulässt. Ich kann hier jammern und weinen, bis der Sabber aus den Lüftungsschlitzen Eurer Netbooks quillt, die Ihr gerade auf dem Schoß habt, oder eben so lange, bis Euch das Smartphone, das Ihr gerade in der Hand haltet, vor lauter Glitschitränendrüsensekret aus der Hand flutscht.

Jawohl. Das kann ich hier. Hier darf ich das. Das sind meine Pixel, die Euch da gerade anblinken. Na ja, nicht wirklich meine. Die sind quasi nur ausgeliehen – gemietet. Also tatsächlich könnten die jederzeit von irgendjemand gelöscht, abgeschaltet oder verändert werden …  Aber das ist eine andere Geschichte.  

Was wollte ich eigentlich sagen? Ah ja, wisst Ihr, was mein größtes Problem morgens ist? Mein größtes Problem ist die Tatsache, dass ich morgens nicht weiss, worüber ich mich zuerst aufregen soll.

Nehmen wir nur mal den heutigen Morgen. Ich lese den News-Reader und was sehe ich:

Parteiloser Papademos als Ministerpräsident im Gespräch – Führt ein Finanzexperte Griechenland aus der Krise? – Politik – sueddeutsche.de

Ein Finanzexperte soll Griechenland und damit die EU retten. Aha. Ein Finanzexperte. Also einer von den Jungs, die 2008 die große Finanzkrise ausgelöst haben. Einer von den Jungs, die vor 2008 davon ausgegangen sind, dass so etwas, wie 2008 passiert ist, gar nicht passieren kann. Einer von den Jungs, die auch nie damit gerechnet hätten, dass sich mal einer von den Jungs aktuell und nebenbei um 55 Mrd. Euro verrechnet.

Was fällt mir dazu ein? Mal sehen: Kräht der Finanzexperte auf dem Mist, ändert sich auf keinen Fall was, denn die sorgen dafür, dass alles so bleibt, wie es ist.

Weiter geht’s:

Gemma Gemma Gemma da #GEMA Geld … GEMA kassiert für eine Veranstaltung, auf der einzig CC-Musik lief – via D* – Bembel ::BK

Die GEMA kassiert pauschal Kohle von einer Veranstaltung, auf der CC-Musik lief. Warum? Na, das ist einfach zu beantworten: Weil sie es kann. Wo geht die Kohle hin? Keine Ahnung. Ich weiss nur, wo sie nicht hingeht: Sie geht nicht zu den Künstlern, die die CC-Musik für die Veranstaltung geliefert haben. Ist ja logisch, die sind ja auch nicht in der GEMA. Noch Fragen?

Oh, das ist hier auch gut:

jo jmatic – Google+

Ja, G+ hat ja mein Profil dort gesperrt. Mittlerweile läuft die dritte Überprüfung. Jetzt gibt es seit gestern aber die neuen »Business-Seiten«. Da dachte ich mir, ich sollte vielleicht mal wieder nachschauen, was sich auf meiner Seite so tut. Und siehe da, ich konnte problemlos eine Seite anlegen. Ratet mal für wen? Richtig! jo jmatic! Ratet mal mit welchen Inhalten? Richtig …

Spontan fiel mir dazu ein:

Rosen sind rot. Veilchen sind blau. jo ist schizophren, aber Google+ ist es auch.

Nein, man muss das verstehen. Prinzip ist Prinzip. Haltung ist Haltung. Da kennt man keine Konsequenzen.

Das nächste Aufregerchen ist was für Feinschmecker:

126.000 Fässer schwach- und mittelradioaktiver Müll lagern in dem einsturzgefährdeten Ex-Bergwerk, in dem die Atommülllagerung erprobt wurde. Atommülllager Asse: Aufklärung mit Hindernissen – taz.de

Es gibt Sätze auf dieser Welt, die beschreiben in ihrer einfachen, klaren, brutalen Schlichtheit eine derart kafkaeske Situation, dass es einen den Kaffee über die ökostrombetriebene Hardware spucken lässt: »[…]lagern in dem einsturzgefährdeten Ex-Bergwerk, in dem die Atommülllagerung erprobt wurde.[…]«

Schön, oder? So simpel ist das: Man erprobte in einem einsturzgefährdeten Bergwerk die Einlagerung der gefährlichsten Materie, die wir auf der Welt haben. Ach, … dieser Satz hat was von der schönen Schlichtheit eines berühmten Goethe-Gedichts.

Wisst Ihr jetzt, was mein Problem morgens ist? Mein Problem ist die Tatsache, dass ich nicht weiss, worüber ich mich zuerst aufregen soll …

PS: Mein Nachbar sagt gerade, ich solle doch bitte froh sein, wenn das mein einziges Problem ist.

PPS: Äh? Was, wenn er recht hat?

PPPS: Was, wenn es tatsächlich so ist, dass einen die Tatsache, dass man nicht weiss, worüber man sich aufregen soll, davor schützt, dass man sich konkret über eine Sache aufregt, und dann … Ja, was dann? Und dann möglicherweise konkret etwas dagegen tut!? Konsequenzen und Haltung zeigt?

PPPPS:

Wenn wir uns selbst nach Argumenten für verschiedene Handlungsmöglichkeiten befragen, gehen wir diese zwar eine nach der anderen durch; doch bevorzugen wir unwillkürlich stets die erste Option. Bei dem inneren Plädoyer für die erste Wahlmöglichkeit unterdrücken wir automatisch jene Gründe, die für andere Optionen sprechen, weil sie mit der ersten Option in Konflikt gerieten. Dieser Mechanismus führt dazu, dass die unterdrückten Argumente später mehr Schwierigkeiten haben, wieder an die Oberfläche zu kommen, wenn »ihre« Frage »dran ist«. …
Psychologie: Jiu-Jitsu für die Psyche | Wissen | ZEIT ONLINE

PPPPPS: So'n Quatsch.

Wir sind abgezockt und cool

Böse Beichte eines Börsianers
[...]Ein Londoner Finanzjongleur macht öffentlich klar, wie die Börsen die Welt sehen - und versetzt das Netz in Wallung.

Wir sind schon ganz schön abgezockt und cool. Wir überlassen solchen Jungs (siehe Video, unten) die Welt und hoffen, dass uns die ehemalige Tafelwisch- und Streber-Fraktion aus längst vergessenen Schultagen (heute Politiker genannt), den Tag rettet. Ja, klar. Frau Merkel hat einen Plan, aber den hatte General Custer auch.


Trader on the BBC says Eurozone Market will crash - YouTube

»The governments don't rule the world. Goldman-Sachs rules the world.«

Egal.

Wir sind schon ganz schön abgezockt und cool.
Wir sind schon ganz schön abgezockt und cool.
Wir sind schon ganz schön abgezockt und cool.
Wir sind schon ganz schön abgezockt und cool.*

Wenn ich das Spiel richtig kapiert habe, sollten wir jetzt darauf wetten, ob Rettungsschirme den Insassen helfen, wenn das Flugzeug von Terroristen entführt wird.

* = Trancezustand durch ständige Wiederholungen; stärkt den Glauben an Wunder

 

PS: Wollte zunächst schreiben »Wir werden abgezockt, ganz cool.« Pffffh, so'n Quatsch.

Die Deutschen mal wieder

Es ist schon schlimm genug, sich dauernd für die Achtziger Jahre entschuldigen zu müssen. Wie ich aber nachfolgenden Generationen erklären soll, dass ich dabei war, als das hier passierte:

Angela Merkel ist wieder die mächtigste Frau der Welt

weiß ich beim besten Willen nicht.

PS: Um das ganze Ausmaß dieser Tragödie deutlich zu machen, erwähne ich jetzt noch kurz den Namen »Westerwelle«.

Keep it simple, stupid

Ich muss mit dem Fehler leben, gestern Abend im TV bei der Diskussionsrunde Will hängen geblieben zu sein. Ich rede von einem Fehler, denn ich stelle bei mir einfach zunehmend die Tendenz fest, manche Äußerungen eigentlich renommierter Persönlichkeiten, und sehr viele Äußerungen aktiver Politiker, lieber nicht mehr in freier Wildbahn hören zu wollen. Sei's drum.

Thema der Runde war die geplante Lieferung von 200 Leopard-Panzern aus deutscher Fertigung an Saudi-Arabien. Ich sage nur: Brot und Spiele. Ich fühlte mich in einen römischen Circus versetzt. Nicht nur der geifernde, argumentationslose Arnulf »Mr. Ihr-seid-simpel« Baring, sondern auch der ebenfalls weithin argumentationsbefreite, innenpolitische Sprecher der Union, Hans-Peter »Minigolfstaaten« Uhl, zeigten, dass es einer Diskussion über dieses Thema im Grunde gar nicht bedarf, denn: 

  • Das war schon immer so. 
  • Das machen alle so. 
  • Das ist kompliziert!
  • Das nennt man »Stabilität«! 
  • The one and only - Stabilität!
  • Demokratie!
  • The one ring to rule them all!
  • Andersdenkende sind naiv!
  • Basta! 

(Hinweis: Die Ausrufezeichen bitte mit Gesprächslautstärke gleich setzen.) 

Man darf hier auch gerne den Begriff Totschlagargument einbauen, wenn man kein Konservativer ist, oder eben doch ... Wie auch immer.

Um die Diskussionstragödie komplett zu erfassen, lese man bitte den nachfolgend verlinkten Artikel über die Sendung. Dort ist die Katastrophe detailliert beschrieben. Mir sind als UnWörter des Abends »lupenreine Demokratie«, »simpel« und »Minigolfstaaten« hängen geblieben. Soviel dazu - es war grausam. Egal.

Fernsehen: Bei Anne Will scheitert argumentatives Wettrüsten - Nachrichten - DerWesten

Warum nun aber der Baring und der Uhl und die Frau Merkel doch recht haben mit ihrem Panzerdeal, und warum das in Wahrheit den Demokratiebewegungen dort unten, und dem deutschen Steuerzahler der deutschen Wirtschaft nutzt, das steht hier zu lesen:

Warum die Panzer an Saudi-Arabien der Demokratiebewegung nutzen und warum SPD-Gabriel geistig genügsam ist - Das Heerlager der Heiligen

Im Grunde ist es simpel.

Vorratsdatenspeicherung? Sag Nein!

Es gibt meiner Erfahrung nach Schlüsselworte, bei denen der surfende und fernsehschauende Bürger hirntechnisch ein PAL-Feld (Problem-Anderer-Leute, siehe Wikipedia) einschaltet und sofort wegschaut, übersieht und ignoriert. Eins dieser Schlüsselworte ist das Wort "Vorratsdatenspeicherung".  

Noch da!? Sehr gut. Ich weiß, das Thema ist so sexy, wie die Feinrippunterhose vom Opa. Trotzdem geht es in diesem Artikel aber um die Vorratsdatenspeicherung. Glaubt mir, ich kann das Gestöhne verstehen. Ich kann's auch nicht mehr hören. Das ewige Hin und Her um die Ausspähung des kommunizierenden Teils der Bevölkerung ermüdet und verwirrt. Der verschwörungsaffine Mensch argwöhnt an dieser Stelle natürlich eine Taktik der herrschenden Klasse. Kann sein - wenigstens zum Teil.

Im Prinzip ist es auch egal, denn es hilft ja nichts: Das ist kein Problem anderer Leute - das ist unser Problem! Noch dazu ist es, wie die Atomkraft, ein Problem mit zunächst verführerisch einfachen Lösungen, aber unglaublichen Spätfolgen. Sich zurücklehnen und Politik machen lassen, wäre, wie in Sachen Atomkraft, fatal.

Es ist im Informationszeitalter wie in allen anderen Zeitaltern vorher, wenn die Administration sich bürgerliche Freiheiten unter den Nagel gerissen hat, dann gibt sie sie nicht wieder her. Freiheiten sind schwer kontrollierbar und teuer. Freiheiten sind unbequem. Sie sind sogar unbequem für die Bürger, die sie besitzen, denn sie wollen gepflegt werden, und sie verpflichten dazu sie zu nutzen. Der Bürger muss "wollen sollen". Das schrieb schon Montesquieu (1689 - 1745). Das bedeutet heute für uns, dass es nicht nur um die Freiheit geht, in der Mensch einfach tut, was ihm gerade beliebt, sondern, dass er aus Verantwortungsbewusstsein seiner Gesellschaft gegenüber seine demokratischen Freiheiten nutzt, um dem Erhalt dieser Werte für alle, auch den Andersdenkenden, zu dienen. Das schafft eigentlich erst Sicherheit. Die einzig wahre Sicherheit, in einer Gesellschaft zu leben, die die Würde jedes Menschen achtet, und darum allgemein Akzeptanz finden wird. Natürlich kommen an dieser Stelle die Religion, der Kapitalismus und die Tatsache, dass unser Globus in diesen Fragen quietscht und eiert, ins Spiel. Doch sollten wir, aus gegebenem Anlass, jetzt erst vor unserer eigenen Tür fegen.

Einschränkungen von bürgerlichen Freiheiten hingegen ermöglichen lediglich einfache und effiziente Kontrollen über die Gesellschaft. Das sind für Administrationen aber die wahrhaft verführerischen Aussichten, denn sie erweitern das Handlungsspektrum, schaffen simple Kontrollmöglichkeiten und schaffen so vermeintliche Sicherheiten, die als hohes Gut in einer Gesellschaft gelten, die Besitz als Wert an sich akzeptiert. Besitz aber erzeugt Ängste, Verlustängste, und genau damit spielen die vermeintlichen Sicherheitsangebote. Diesen einfachen Mechanismus muss sich Bürger klarmachen, wenn er sich mit diesen Fragen auseinandersetzt, und die Freiheit einer anderen Perspektive einnehmen will.

Freiheiten, die uns genommen werden, gibt uns keiner mehr zurück. Das dumme an der Sache ist nämlich, dass es mit jeder Einschränkung von Freiheit für den Bürger schwerer wird, mit legalen Mitteln für diese Freiheiten zu streiten. Folgt man der inneren Logik dieses Sicherheitsdenkens, dann ist es sogar geboten sukzessive immer mehr Freiheiten an den Staat abzutreten, denn die Ängste werden immer größer. Man muss nur in der Geschichte zurücḱschauen, um festzustellen, dass das administrative Streben nach Sicherheit jedesmal im Staatsterrorismus endete. Darum gilt: Wehret den Anfängen.

Die Vorratsdatenspeicherung ist so ein Anfang. Sie umfasst das Speichern von Telekommunikationsdaten, die wir Bundesbürger produzieren. Warum? Die Regierung will damit Verbrechen bekämpfen und Terror abwehren. Sie will Sicherheit durch Kontrolle erzeugen. Ein fatales Fehlurteil und ein Trugschluss mit Spätfolgen. Genau das hat das Bundesverfassungsgericht auch festgestellt, und hat am 02.März 2010 die Vorschriften der Regierung zur Vorratsdatenspeicherung außer Kraft gesetzt.

Jetzt will diese Regierung in Sachen Vorratsdatenspeicherung wieder Nägel mit Köpfen machen. Der Bürger ist darum aufgerufen, jetzt zu handeln. Genau wie mit dem Fukushima-Ereignis treten jetzt Ereignisse ein, die ein Handeln der Bürger dieses Landes notwendig machen. Information ist wieder mal erste Bürgerpflicht. Die entscheidende Frage: Warum ist die Vorratsdatenspeicherung Mist?

In aller Kürze: 
  1. Der kommunizierende Bundesbürger wird gläsern. 
  2. Die anfallenden Daten laden zu Missbrauch ein und die andauernden Datendiebstahls-Vorkommnisse zeigen, dass es keinen sicheren Datenschutz gibt. 
  3. Die bösen Jungs dieser Welt nutzen in jedem Fall anonymisierte Zugänge zum Netz und umgehen diese Vorratsdatenspeicherung.
Es gibt natürlich noch wesentlich differenziertere Argumente für und gegen die Vorratsdatenspeicherung. Die kann sich der interessierte Mensch aber ganz schnell hier im Netz zusammenklicken und erlesen. Ich erspare mir das jetzt und hier. Der entscheidende Punkt ist, dass die Regierung, genau wie im Fall Fukushima, erkennen muss, dass ihre Bürger ein aktives Interesse an diesem Problem zeigen, und vorschnellen und überstürzten Lösungen Einhalt gebieten wollen. Ein Weg, das zu tun, ist die Teilnahme an dieser Unterschriftenaktion:

Campact | Vorratsdatenspeicherung? Sag Nein!
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Hallo, die Bundesregierung plant erneut die Vorratsspeicherung von Telefon-, Email- und Internetdaten. Von allen Menschen sollen die Daten anlass- und verdachtsunabhaengig gespeichert werden. Damit wuerden wir Buerger/innen unter Generalverdacht gestellt und massiv in unsere Persoenlichkeitsrechte eingegriffen! Unterzeichne auch Du den gemeinsamen Appell von Campact und dem AK Vorratsdatenspeicherung an Innenminister Friedrich und Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger! http://tiny.cc/vorrat
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In Europa haben Menschen in früheren Jahrhunderten einen unglaublich schweren und verlustreichen Weg zurückgelegt, um die freiheitliche Gesellschaft zu ermöglichen, in der wir heute leben. Wir sollten das nicht aus Gründen kapitalistisch-paranoider Besitzstandswahrung wieder opfern. Freiheit ist unbequem, aber sie ist der Wert, den es zu verteidigen gilt, um sicher in Freiheit zu leben.