Virtu(ell)nwaswirkönnen  - das verspreche ich hiermit der Welt und ihrem Mann, dem Nichts.

Freitagswahrheiten

Woran merkt man, dass der Freitag mal wieder derartig freitagt? An den Nachrichten im Feed-Reader (siehe Bild oben):
 
Millionen Katholiken denken an Kirchenaustritt. Ja. Sie denken an Kirchenaustritt, die Katholiken, aber nur bis sie die nächsten beiden Meldungen gelesen haben, denn wer sollte sie schützen, wenn nicht die größte Social-Community auf diesem Planeten, unter Leitung von CEO Benny!? Nur er hat die Power und die noch wahrere Wahrheit, um vor Leuten wie Evo Morales Schutz zu bieten, der uns mit der sozialistischen Wahrheit konfrontiert, dass Hähnchen mit Pommes schwul machen. Quasi: “Heute bleibt die Küche kalt, wir werden schwul, und das im Wienerwald.” 
 
Doch das ist bei weitem nicht der schlimmste Teil der simplen Morales-Wahrheit. Nein. Schwul werden, ist nur die halbe Wahrheit, denn Hähnchen mit Pommes verursachen auch Glatzen. Da tritt doch keiner mehr aus der katholischen Kirche aus, oder schlimmer noch, konvertiert zu den Evangelen. Nein! Das verhindert Benny über den Mixa-Bergen bei den sieben Missbrauchs-Zwergen, der noch tausendmal wahrer ist, als ein sozialistischer Pommes-Verweigerer aus Bolivien. Austritt ist leichtsinnig, aber es gibt ja auch noch schlimmeres, als von Hähnchen mit Pommes ein ausgetretener, schwuler Glatzenträger mit Weihrauchabstinenz, zu werden. Den Konvertierten kann nämlich noch wesentlich schlimmeres passieren: Sie glauben an Steuersenkungen! Ja. Siehe Hermann Otto Solms: "Wir werden Steuersenkungen realisieren" 
 
Ja ja, die FDP. Das ist die Partei, die die “politische” Wahrheit quasi erfunden hat. Das ist so ein ganz spezieller Fall von Wahrheit. Die existiert und überlebt nur in ganz speziellen geschützten Politikerhirnen und darüberhinaus konsequent parallel zur Realität, wie wir sie kennen. Wieviel Hähnchen mit Pommes diese Politiker essen, weiss ich nicht, aber deren Wahrheit funktioniert so:
 
“Kann sein, dass Hähnchen mit Pommes schwul machen. Na und!? Viel schlimmer ist, dass der Staat durch steuerliche Belastungen den nationalen Hähnchenmarkt aus dem internationalen Wettbewerb kickt. Wenn die Bolivianer schon schwul werden, dann doch bitte an deutschen Hähnchen.”
 
Na jedenfalls wollen die die Steuern senken, sagt Hermann Otto Solms. “Realisieren” nennt der das. Ja, da kann man mal sehen, was dabei rauskommt, wenn man so leichtfertig Verben benutzt. Obwohls irgendwie putzig klingt im Zusammenhang mit Politik und FDP: “Realisieren”. 
 
Der Solms ist, wie erwähnt (Achtung, liebe Katholiken), evangelisch, und glaubt wahrscheinlich sogar an das, was er da sagt. Weiter vertiefen will ich die Zusammenhänge von Hähnchen mit Pommes und dem real existierenden Liberalismus hier nicht.
 
Da seht Ihr, Ihr lieben Katholiken, wohin das Denken führen kann, wenn man mal austritt. Bleibt lieber wo Ihr seid: Der Benny, und seine Mixapoke, schützt Euch vor schwulen Bolivianern und sexuellumorientierungsagressiven Hähnchen, vor realisierenden Politikern, und vor, wie auch immer gearteten unbequemen Wahrheiten, und das lebenslang im Abo für den lächerlichen Preis Eurer Seele - abzustottern in kleinen Raten schlechten Gewissens. Ausserdem kümmern sich die Jungs rund um die Uhr aktiv um den Nachschub an Sünde zu Trainingszwecken. Da kann man echt nicht meckern, auch wenn die Kundenbetreuung etwas aus dem Ruder gelaufen ist. Weiss eigentlich jemand, ob Marcel D'avis Katholik ist, der könnte doch ...
 
Tja, Freitag, wie gesagt. Immer daran denken: Nur einer flog tatsächlich über's Kuckucksnest. Schwester Rached: Medikamentenausgabe.

abgelegt unter  //   FDP   Fun   Katholiken   Kirche   Nachrichten   Satire   Sozialisten   Steuern  
veröffentlicht am 23.April.2010

Selbstkritik nach Kirchenart

Ich habe bisher nicht viel über Kirche und ihre tagesaktuelle Omnipräsenz gesagt. Warum? Vieles ist schon gesagt worden, und viele Äußerungen von Kirchenvertretern sprechen schlicht für sich.

Ein Beispiel dafür sind die Worte von Thomas Broch, Bistumssprecher im Bistum Rottenburg-Stuttgart, im Artikel "Tausende Kirchenaustritte im Südwesten - Südwest Presse Online", der darüber klagt, dass sich allein im März 2010, 2676 Katholiken von ihrer Kirche abgewendet haben, sprich, ausgetreten sind. Er präsentiert die Zahlen, man statistiziert rum, und er klagt dann und wird sinngemäß zitiert:


[...]Aber wer aus der Kirche austrete, kehre der Gemeinschaft des Glaubens den Rücken und schwäche damit die Vielfalt und die Lebendigkeit der Kirche. Die "erschreckend vielen" Fälle von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche zwischen 1950 und 1980 seien Anlass für viele Austritte, aber kein grundlegendes Motiv, meinte der Freiburger Generalvikar. Die Hauptgründe lägen darin, "dass sich Menschen schon länger von Kirche und Gemeindeleben entfremdet haben". Der Missbrauchs-Skandal sei nun für einige aktueller Anlass zum Austritt. [...]  (aus: Tausende Kirchenaustritte im Südwesten - Südwest Presse Online)

Na, das nenne Selbstkritik nach Kirchenart: "Ihr bösen, bösen Austreter. Schämt Ihr Euch nicht. Ihr(!) schwächt die Vielfalt und Lebendigkeit der Kirche. Nicht die Missbrauchspriester tun das. Nein. Ihr! Ihr Austreter schwächt die Kirche mit blöden Rückenzukehr-Aktionen (... die wir sowieso nicht verstehen). Ausserdem habt Ihr(!) Euch von der Kirche entfremdet. So ist das. Nicht umgekehrt. Es ist nicht so, dass sich die Kirche vielleicht von den Menschen entfremdet hat. Neeeeiin. Wer könnte denn auf so etwas kommen? Wir jedenfalls nicht."
 
Selbstkritik nach Kirchenart. Anderen das schlechte Gewissen machen. Na ja, darin sind die Prediger ja einsame Spitze. Das ist seit der Erfindung des Apfelzwischenfalls im Centerpark der Evolution, dem Paradies, ja deren Paradedisziplin. Damit ließ sich bisher prima Besitzstandswahrung auf metaphysischer und materieller Ebene betreiben: Mach Deinen Schäfchen ein schlechtes Gewissen und lehre sie Angst vor dem Wolf. Wie sagte Hagen Rether gestern Abend so schön in “Neues aus der Anstalt - (ZDF-Mediathek)”:
 
"[...] Die haben Angst. Die verstecken sich im Papamobil. [...] Das Papamobil ist doch nicht echt, oder!? Das ist doch 'ne Monty-Phython-Nummer!? Da fährt einer in so 'nem Panzerglastresor durch die Gemeinde und predigt Gottvertrauen. Dem glaube ich doch alles. Ich meine, wenn der Hirte schon Angst hat vor den eigenen Schäfchen, was macht der, wenn der Wolf kommt? [...] Was ist das für ein Offenbarungseid für 'ne Religion, wenn der Vati im Tresor sitzt? Da möchte ich auch gern Mitglied werden. [...]”
 
Vielleicht stimmt aber auch unser Bild vom bösen Wolf im Schafspelz am Ende gar nicht, sondern es ist der böse Hirte im Schafspelz. Wer weiß.

abgelegt unter  //   Gesellschaft   Hirte   Katholiken   Kirche   Missbrauch   Schaf  
veröffentlicht am 14.April.2010

Und die Mücken sind Matsch

An diesem Ostersamstag, und nach dem unerträglichen gestrigen Karfreitag, an dem sich die Profipredigerszene nach allen Regeln ihrer Kunst versuchte, bei ihren Abonnenten und spirituellen Anteilseignern wieder anzubiedern, und dazu in ihren Fürbitten von ihrem Gott verlangte, den stattgefundenen Kindesmissbrauch, doch bitte wieder zu reparieren und sich um die Opfer zu kümmern, ist ein politisch unkorrekter Song wie “Mit Krücken” von der “Blockflöte des Todes” genau das richtige. Welche Assoziation ich da habe, führe ich nicht weiter aus. Jeder hat seine Phantasien:

weiter lesen …

abgelegt unter  //   Karfreitag   Kirche   Missbrauch   Musik  
veröffentlicht am 3.April.2010

Kardinalfehler

Es sei eine "Asymmetrie", wenn in Europa Religionsfreiheit für Muslime herrsche, aber gleichzeitig Gerichte verfügten, "dass wir Kreuze abnehmen" oder dass "in einer deutschen Schule ein Zimmer für muslimische Schüler zum Gebet frei gemacht werden muss".

Wieder so ein Artikel, bei dem die Buchstaben vor Augen verschwimmen, weil man kopfschüttelnd liest.

Lieber Herr Meisner, das ist keine Asymmetrie, das ist der durchaus erstrebenswerte Weg in einen säkularen Bildungsstaat. In den Klassenzimmern stehen auch keine Minarette und es hängen keine Gebetsteppiche an den Wänden. Ist Ihnen das schonmal aufgefallen? Auch das ist Religions"freiheit".

Zimmer für Gebete, damit Menschen ihren Glauben praktizieren können, auch wenn sie einer Minderheit angehören, erfordern natürlich einen Grad von Toleranz, den ein katholischer Berufsseelsorger nur schwerlich erreichen kann, wenn er das Verhältnis von Religionen nur eindimensional in "Stärke"- und "Schwäche"-Kategorien zu sehen gelernt hat.

Lieber Herr Meisner, wenn das ihre Ansichten sind, sind sie ein katastrophaler Religionslehrer, und erweisen ihrer Glaubensgemeinschaft einen Bärendienst, aber hey, sie wären ein toller Politiker.

abgelegt unter  //   Glauben   Gesellschaft   Kirche   Toleranz  
veröffentlicht am 22.December.2009