Meine Damen und Herren, liebe Kinder,
ich möchte vor diesem Blog ausdrücklich warnen!

 

Es sendet auch außerhalb der internetüblichen Sendezeiten - zwischen 22 und 6 Uhr - Beiträge zu Intelligenz-Dilettantismus und Missverständlosigkeiten.

 

An alle privatwirtschaftlichen Jugendschützer mit monetärem Eigeninteresse: Ich kam schon abgemahnt auf die Welt, aber auch mir ist klar: Platz für Gier ist im kleinsten Hirn!

 

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Abgelegt unter: Kinder

Halloween reformieren

Heute Abend ist es wieder soweit: Wir dürfen süßen Kindern Saures geben, aber so richtig. Wir dürfen sie hemmungslos erschrecken und »trick-or-treat«-en. Das heißt auf Deutsch, wir dürfen ihnen angelutschte Bonbons an die Kostüme kleben, wenn sie ihre drögen Lieder singen. Und das Allerbeste ist, die kommen dafür sogar freiwillig zu uns. Man muss sie nicht mal jagen.

Ach, wunderbare Bräuche haben diese Amerikaner. Danke. 

Ach ja, falls Ihr heute Abend irgendwelche Verrückten seht, die Blätter an Türen nageln -  vorzugsweise an Glastüren von Gemeindehäusern - nicht erschrecken: Die Typen gehören zu einer anderen Brauchtumsgruppe. Das sind Lutheraner. Die feiern heute ihr »Blätter-an-die-Tür-nageln-und-den-Papst-ärgern«-Fest. Die haben aber langweilige Kostüme, sagen dämliche Kinderreime auf und reagieren komisch, wenn man ihnen Süßigkeiten in die Bärte klebt.

PS: Mein Kumpel sagt gerade, ich hätte da was falsch verstanden, und er hat recht. Ich hab' das was verdreht: Die Kinder sagen dämliche Kinderreime auf und die Lutheraner singen dröge Lieder. So rum stimmt das.

Sorry, ich muss mich entschuldigen. Bei der Weitergabe von Wissen im Netz sollte man schon darauf achten, dass man bei den Fakten bleibt.

Rattenfänger ohne Flöten

Seit kurzem erlaubt man den Nutzern, ungeborene Kinder nebst Opa, Tante und Neffe als Familienmitglied einzutragen (die futurezone berichtete).

Facebook perfektioniert die Kunden-Akquise der christlichen Kirche. Bei den Christen heisst das Kindstaufe und funktioniert so: Mache sie zu Mitgliedern, so lange sie sich noch nicht wehren können. Dann hast du auch lange genug Zeit um ganz offiziell -  denn es war ja der Wille der Eltern, und wer die AGB nicht liest, ist selbst dran schuld -  deine Ideologie in ihre Köpfe zu pflanzen.

Facebook, wie gesagt, perfektioniert dieses System jetzt und lässt die Eltern schon die ungeborenen Kinder in die Facebookgemeinde eintreten. 

Irgendwie sind sie sich doch auch ein wenig ähnlich die institutionalisierte Christenheit und Facebook, denn was schätzen beider Vereine User? Den gut durchorganisierten sozialen Service von der Wiege bis zur Bahre. Nur, dass Facebook auch hier wiederum noch etwas weiter geht, denn für das virtuelle Ableben braucht's keinen Schöpfr mehr - eine Verwaltung genügt: Facebook-Tod: Ich war ein anderer, und ein anderer war ich - Hintergründe - Feuilleton - FAZ.NET

Shakespeare für Anfänger

BrianCoxand Theo

Grosser Niedlichkeitsfaktor im Video mit dem großartigen Brian Cox und dem ebenfalls beeindruckenden jungen Theo. Das hat auf der Niedlichkeitsskala von 1 bis 10 aber mal 'ne glatte 8, würde ich sagen. Hach, Shakespeare klingt aber auch einfach gut.

Haltet inne, folgt dem Link zum Video (oben oder unten) und schaut, denn “Must give us pause: there’s the respect”:

via der Englisch Blog von Markus Brendel am 10.02.10

 

Buch? Krass!

Liebes Tagebuch, ich muss es niederschreiben. Ich muss einfach. Die folgende Begebenheit ist nicht(!) erfunden - und ich wollte, sie wär's. Es war so: Ich sitze (gegen meinen Willen, aber höchstergeben) in einem McDonalds-Fresstempel. Neben mir zwei U14-Piefkes - Cheeseburger mampfend und Hühnchenersatzteile vernichtend. Dabei entwickelt sich folgendes Gespräch:

 

Steppke 1: Was hast'n Du so zu Weihnachten gekriegt?

Steppke 2: Einen Controller für die ... 

Es folgt eine "Who-is-Who"-Aufzählung der modernen elektronischen Kinderzimmer-Grundausstattung.

Steppke 2: Und Du?

Steppke 1: Ein Spiel für die ...

Es folgt eine "Who-is-Who"-Aufzählung der aktuellen Game-Charts.

Steppke 1: ... außerdem ein Buch, ein T-Shirt mit so 'nem coolen ...

Steppke 2: (unterbricht seinen Kumpel mit weit aufgerissenen Augen) Ein BUCH? Du hast ein Buch gekriegt?

Steppke 1: Ja.

Steppke 2: Krass. Hast Du schon darin gelesen?

Steppke 1: Neiin, bist Du krank? Aber das neue Spiel für die ...

Es folgt eine detaillierte Aufzählung von Moves, Cheats und so ...

Den Titel des Buches kann ich hier leider nicht nennen, denn der wurde natürlich nie genannt. Dafür bin ich jetzt in der aktuellen Konsolenwelt auf dem allerneuesten Stand. 

Dieses Gespräch, in der Holzimitat-Deko von McDonalds, inmitten mampfender Familien, die wie wie das Jahrestreffen der anonymen Übergewichtlervereingung wirkten, die ihre Pommes auf bedruckte Papierbögen kippten, gleich neben die vorher dort aufgebrachten Ketchupberge,  die im Fünf-Minuten-Rhythmus aufsprangen und zum Colabrunnen rannten, um einen gleichmäßigen Zuckerspiegel sicherzustellen, dieses Gespräch also, in dieser Szenerie, ... mutete einfach nur kafkaesk an. 

Nachtrag: Ich hoffe an dieser Stelle inständig, dass es da draussen noch genügend Menschen gibt, die mit dem Adjektiv "kafkaesk" etwas anfangen können.

Das ist doch was ganz anderes

Typen, die mit Millionen jonglieren, um Balltreter aus Übersee zu kriegen, die sie im deutschen TV für nochmal sauviel Kohle in Neunzigminuten-Clips präsentieren, sagen nach dem Freitod eines ihrer Protagonisten: Fussball ist nicht alles. Anschliessend diktieren sie in die Kameras ihre Absicht für mehr psychologische Betreuung sorgen zu wollen ... für ihre millionenteuer eingekaufte Ware.

In Hamburg gibt es jetzt auch Obst für Schulkinder. Wahnsinnige 100000 Euro wurden dafür in die Hand genommen, und in Rheinland-Pfalz gibt es 14040 Kinder für einen Schulpsychologen.

Ich weiss: Das sind zwei Dinge, die man irgendwie nicht miteinander vergleichen kann.