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Alle rufen jetzt mal Datenschutz

Datenschutzmängel: Empörte Facebook-User wechseln zu Google+ und umgekehrt

Na, da sage ich doch in diesem Falle dem Postillion einfach mal schlicht: »Danke.« Er hat das Datenschutzgeschreie der letzten paar Tage im sozialen Netzgedöhnse mit seinem kleinen Artikel schön auf den Punkt gebracht. Wer wissen will, was ich meine, muss sich schon rüber bemühen und selber lesen. Das hat er verdient, der Postillion.

Warum die Leute sich jetzt über die neue Timeline bei Facebook aufregen, ist mir komplett schleierhaft. Da sind nur die Daten jetzt hübscher aufbereitet, die der Konzern sowieso von seinem Nutzer hat. Mir hat das Facebook-Design noch nie gefallen, aber die Timelinegestaltung find' ich gut.

Böse Zungen behaupten ja, die Leute regen sich nur deshalb über die neue Timeline auf, weil jetzt noch einfacher zu ersehen ist, dass sie im Grunde nur immer wieder den gleichen belanglosen Kack Kram  posten, den jeder eh schon kennt, oder, noch schlimmer, das ihr Online-Leben nur aus Online-Spielen besteht. Das ist böse - hat aber wahrscheinlich einen wahren Kern.

Apropos Kern. Die »Superprofile« sollen das Problem sein. Die Anhäufung der persönlich produzierten persönlichen Daten bei einer oder mehreren amerikanischen Firmen sollen das Grundproblem sein. Echt? Versteh' ich nicht. Dieses Problem ist doch total einfach zu lösen: Liebe Leute, wenn Ihr das nicht wollt, dann wechselt schlicht in eins der dezentralen Netzwerke. Benutzt  doch z. B. das europäische Ipernity für Eure Bilder, statt Facebook oder Google. Benutzt einen der vielen anderen Anbieter für Eure Videos, statt Youtube. Streut Eure Daten. Nutzt verschiedene Netzwerke. Zum Beispiel das schon erwähnte Diaspora*. Da gehören Eure Daten Euch und die Werbekraken sind weit weg, wenn die Euch stören. Und so weiter. Streut Eure Daten. Oder, besser noch: Vergesst einfach, dass es um Daten geht. Unterstützt schlicht die freiheitlichen und demokratischen Gedanken, die hinter diesen kleineren Netzwerken stehen, schlicht, in dem Ihr an ihnen teilhabt. Das ist auch eine eindeutige politische Aussage. Reduziert Eure Käuflichkeit.

Diese dezentralen Netzwerke finanzieren sich zum großen Teil nicht über Werbung, sondern über Spenden. Man spendet einen Betrag und ist dafür auch kein beworbenes Produkt mehr, sondern aktiver Unterstützer. Das ist fair. Das macht ein gutes Gefühl.

Die Lösung für dieses Problem ist also simpel. Trotzdem tut's keiner. Warum? Weil, wie der Postillion es so schön auf den Punkt bringt, keiner seine Freunde, oder seine Followerbasis im entsprechenden Netzwerk verlassen will. Ok. Das leuchtet auch zunächst ein. Obwohl ich sagen muss, dass ich nach dem Wechsel zu Diaspora* keine Kontakte verloren habe, sondern neue dazu gewonnen habe.

Dazu fällt mir auch folgendes ein: Für jeden Mist werden in Facebook tonnenweise Posts und Freunde bewegt. Man kann dauernd Dinge lesen, wie: »Klickt hier, um Eure Stimme abzugeben.«, »Kopiert diesen Text, um ihn zu verbreiten, wenn Ihr ihn gut findet.«, und so weiter. Da stellt sich mir die Frage, warum das die Unzufriedenen nicht auch für ihr Wechselanliegen tun. Begeistert Eure Freunde einfach für einen gemeinsamen Umstieg. Für die ukrainischen Hunde und die nächste Superstarwahl klappt die Mobilisierung doch auch - warum nicht für das Netzwerkseelenheil und gegen die Reduzierung des eigenen Online-Ich auf Produktniveau?

Ist ok. Braucht keiner beantworten. Ist eine rhetorische Frage. Ich weiß, das ist undenkbar. Ja ja, die undenkbaren Dinge ...

Ich weiß, was das Grundproblem ist. Das Grundproblem ist die Bequemlichkeit und der Konservativismus der im Netz angekommenen Masse. Die Nutzermassen sind in den sozialen Hängematten von Facebook  - und von mir aus auch G+ - angekommen und dort haben sie es sich bequem gemacht. Die virtuellen Couchmöbel und Wohnzimmer stehen und keiner will sich in Wahrheit bewegen oder verändern. Das Netzwerk soll sich gefälligst um sie herum verändern, und zwar bitteschön so, dass man sich nicht mit unbequemen Sach-, Werte- und Politfragen auseinandersetzen muss, denn man will ja nur etwas entspannen. Ist das so, ist alles gut.

Der Wunsch ist legitim. Die Realität ist aber eine andere. Na ja, egal. Man kann das alles auch einfach ignorieren, und ab und an mal mitschreien, wenn einer »Datenschutz!« ruft. Geht auch.

Google+ - Bullshitbingo

Sechs Monate nach dem Start von Google dürfen sich Google-Nutzer mit einem Pseudonym im sozialen Netzwerk registrieren. Am Montag schrieb Google-Manager Bradley Horowitz in einem Blogeintrag, dass in den nächsten Wochen nach und nach Zweitnamen akzeptiert werden: Spitznamen oder andere Pseudonyme, die zusätzlich zum Klarnamen angegeben werden können.

Bullshit! Ich hab' das vorhin probiert und habe zum wiederholten Male mein Profil zur erneuten Prüfung vorgelegt, und habe etliche Links zu Zeitungsberichten und öffentlichen Erwähnungen meines Pseudonyms »jo jmatic« mit eingeschickt. Auf der entsprechenden Google-Seite versprach man eingehende Prüfung und dass man sich in ein paar Tagen melden werde.

Knapp 10 Minuten später kam die Bestätigung der Ablehnung in einer Automatenmail mit vorgefertigtem Text.

Die Wahrheit: Meine Links hat sich überhaupt niemand angeschaut, und irgendwelche Zeitungsberichte hat sich gleich gar niemand durchgelesen - nicht in 10 Minuten. Sowieso gibt es keine Möglichkeit mal direkt und in klaren Worten mit einem Google-Verantwortlichen zu reden. Das ist schwach, sehr schwach.

Keine Ahnung für welche Promipseudonyme die Ankündigungen im oben verlinkten Artikel gelten. Für kleine Lichter wie mich jedenfalls nicht. Lame Google.

Ein Nachruf

Soziale Netzwerke: Google+ hat 40 Millionen Mitglieder | Digital | ZEIT ONLINE

Ich korrigiere: 40000000 - 1

Mein Googleplus-Account wurde heute Morgen gesperrt.

Meine Exit-Strategie zur Namensänderung - unter dem Titel »Bleib stur, egal, was kommt. Das hast du eine ganze Pubertät lang geübt. Das kannst du.« - ging damit voll auf ... oder in die Hose, je nachdem, wie ich es betrachten möchte.

Befinde mich nun also in der außergoogelischen Opposition, und sinniere über mein weiteres Vorgehen nach. Habe bisher nur subversive Ideen und Gedankengänge generiert. Der böse Teil meines virtuellen Ichs würde Google gerne gerade ans Bein pinkeln, weiß aber nicht wo der Konzern steht. Kein Wunder, der Riese weiß es ja selber nicht.

Was ist nun zu tun?

Könnte mich umbenennen und mich als »Wil.i.am II.« in G+ neu anmelden und dann Wolfgang-Petry-Texte, die ich vorher in mein Schulenglisch übersetze, in Hangouts vortragen. Ich nenne diesen Plan die »Facebookisierung von G+«, oder auch: »Gehirne essen auf deutsche Art«.

Könnte mich aber auch als Guido Westerwelle anmelden und in meinem ersten Post betonen, dass ich mir diese Facebook-Anmeldung reiflich überlegt habe. Danach veröffentliche ich dann meine Thesen zu den sozialen Netzen:

  1. Öffnung der Grenzen zwischen den Netzwerken. Freier und ungeschützter Postingverkehr muss möglich sein. Der Markt räkelt sich selber.
  2. Deregulierung der Identitätsfrage. Namen werden überwertet. Unterschrift: Jido Fister Filly
  3. Ich schlage Philip Rösler als Nachfolger von Mark Zuckerberg vor, und Rainer Brüderle übernimmt Google.

Ich nenne diesen Plan »Die Splitterpartei im Auge Googles«.

Am realistischsten erscheint mir momentan aber meine Idee Googleplus mit Flaschenposts zu überschwemmen. Erste Versuche sind allerdings gescheitert. Mein Netbook hat den ersten Flaschenwurf auf das geöffnete Googleplus-Tab nicht sauber absorbiert. Der Nachbar meinte, ich müsse unbedingt an der Analog-Digital-Wandlung arbeiten.

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Der Nachbar meinte auch, in der Zwischenzeit könnte ich ja willige D*-User, die noch einen Googleplus-Account besitzen, rekrutieren, damit sie dann meine revolutionären Posts nach G+ verlinken.

Ach Gottchen, ja, das ist ja simpel. Die Idee könnte von mir sein. Ok. Könntet Ihr das wohl tun?

Grüße
der in G+ nichtexistierende jo

PS: Ich hab' Chrome in Sippenhaft genommen und ihn heute schon dreimal verräterische Browsersau genannt, wenn ich versucht habe G+ vollzuschreiben.

PPS: Ich hab' mir meinen Nachruf der Einfachheit halber mal selbst geschrieben.

Ein Nachruf

Er war ein anständiger Googlebürger. Er schrieb regelmäßig seine Loblieder auf Google und leerte ebenso regelmäßig sein GMail-Fach.

Er fiel in der großen Schlacht am Little Klick Porn gegen eine Übermacht der Korinthenkacker. Er verteidigte die Fahne der Pseudonymen bis zum letzten Klick. Er hatte einen Plan, doch den hatte General Custer auch.

Möge sein Profil in Frieden ruhen und seine G+-Texte dorthin aufsteigen, wo die Pixel nicht schimmeln.

Amen.

PPPS: Aus dem googlchen Off schreie ich auch noch folgenden Satz:

»Der schlimmste Lump im ganzen Land, das ist der Denunziant«

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Victoria Sozimedia

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Mit Dschingderassabum zieht der Spielmannszug »Victoria Sozimedia« durch die Diaspora nach Googleplushausen, um auf dem Marktplatz der Eitelkeiten in diverse Hörner zu stoßen. »Schau, die feschen Burschen«, sagen die Damen aus der Ferne, »spielen immer das gleiche Lied, und marschier'n in Reih' und Glied«.

Ich bin jo jmatic

Seit ein paar Tagen dröhnt durch Google+ und das übrige informierte Netz die Diskussion um Klarnamen und Pseudonyme. Google+ hat damit begonnen, in nicht nachvollziehbarer akzeptabler Willkürlichkeit, Menschen, die nach Einschätzung von Google, nicht mit ihrem Behörden- oder Rufnamen bei G+ registriert sind, zu sperren.

Ich brauche keine langen Worte zu machen um meine Meinung hierzu kund zu tun, denn diesmal haben plomlompom und Sascha Lobo wirklich fundiert und deutlich die richtigen Worte zu diesem Thema gefunden: Zur Realnamendiskussion auf Google+. Ich stimme zu, und empfehle ihre Worte weiter.

Nur eine Sache will ich hier mal klarstellen:

Ich bin jo jmatic (spricht sich: [d͡ʒd͡ʒɛ̃imætik], oder auch [Dscho Dschäimätik]).

Mein Behördenname lautet anders und er wurde mir verpasst. Ich »habe« diesen Behördennamen, weil er mir per Einwohnermeldeamtseintragung verliehen wurde. Keiner hat mich vorher gefragt, ob ich ihn will. Aber, ganz deutlich: Ich habe kein Problem mit diesem Namen. Er hat nur eine andere Funktion in meinem Leben. Er gehört nicht zu meinem kreativen und öffentlichen Schaffen.

Mein Behördenname steht seit langer Zeit überall auf meinen Präsenzen im Netz zu lesen, direkt über meiner Adresse. Ich verheimliche nichts. Ich anonymisiere nichts. Auch in meinem Google-Profil steht von Anfang an mein Behördenname im entsprechenden Feld zu lesen.

Ich »bin« aber »jo jmatic«. Ich selber veröffentliche mich schon seit langem unter dem Pseudonym »jo jmatic«. Ich schreibe unter diesem Namen seit langer Zeit Texte, gebe Meinung im Netz ab, gestalte Bilder, schreibe Lieder, stehe auf Bühnen, spiele in Bands, kurzum: bin ich öffentlich und/oder kreativ, dann bin ich »jo jmatic«. Das ist mein öffentliches Ich. Für Freunde und Bekannte bin ich »der Dscho«. Das hat sich so etabliert. Was ist daran so schwer zu akzeptieren?

Menschen, die mich kennen und schätzen - so es solche gibt - respektieren das und verhalten sich entsprechend. Ich schätze und respektiere diese Menschen wiederum genau für diese liberale Einstellung und die Toleranz gegenüber dieser Freiheit. Ignoranten, die diesen Respekt nicht aufbringen, gibt es natürlich überall, aber die sind hier nicht das Thema. Die registriert man und richtet sein Verhalten danach aus. Fertig.

Mein Punkt, und der Grund für dieses durchaus unerträgliche und weit ausholdende Ego-Geschreibe ist aber nun, dass ich die Vorgehensweise von Google, sollte der Konzern bei seiner Haltung bleiben, nicht akzeptieren werde. Ich find Google+, aus verschiedenen Gründen, sehr gelungen und würde diesen Dienst sehr gerne in Zukunft nutzen. Ich werde dies aber nicht tun, wenn ich dafür gezwungen werden soll, die angesprochenen Freiheiten aufzugeben.

Ich bin jo jmatic. Wer das nicht akzeptieren kann, kann nicht mein Freund sein - Konzern oder Person. So simpel ist das.

 

Nichts ist so sicher wie die Veränderung

Im Juli öffnet Google+ seine Pforten für die Öffentlichkeit. Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen, wie die Netz- und Facebook-Gemeinde dann reagieren wird. Google+ ist anders. Google+ kann das durch Facebook und Konsorten erlernte Kommunikatons- und Rezeptionsverhalten der Community-Nutzer ändern. Aber! Brauchen die Leute das überhaupt? Wollen die Leute das überhaupt?

Auweia, hätt' ich doch mal besser die Klappe gehalten. Seit ich in Google+ drin bin und meiner Begeisterung über diese Neuschöpfung von Google Ausdruck verliehen habe, in dem ich einige Artikel in jo$ kaos-i-lator dazu schrieb und mengenweise Einladungen verschickt habe, hab' ich echt Stress gekriegt, weil Google die Pforten immer wieder dichtmacht und keinen mehr rein lässt. Nur wenige Stunden am Tag, wenn überhaupt, ist es möglich, sich zu registrieren. Natürlich kriegt das dann kaum jemand mit, und der Frustfaktor steigt bei denen, die wieder vor verschlossener Tür stehen. Was sich dann in endlosen Mails äußert, die von mir Abhilfe in Form eines funktionierenden Invites verlangen. Tut mir leid, ich kann da nix machen.

Nun kam ja gestern Abend die Meldung, dass Google+ noch im Juli für alle geöffnet werden soll. Das ist, denke ich mir, ein Zeitraum, den man gut abwarten kann. Insofern bitte ich alle, die von mir eine Einladung erhalten haben und es trotzdem nicht vorher schaffen sich anzumelden, so viel Geduld aufzubringen. Im Moment treiben sich eh nur knapp 'ne halbe Million Nerds aus der ganzen Welt da drin rum, die das Ding auf den Kopf stellen und jede Schraube testen. Das sind dann zwar Jungs und Mädels, die technisch sehr beschlagen sind und SocialMedia als Tattoo unter der Großhirnrinde tragen, die ansonsten aber doch thematisch gerade deshalb sehr limitiert sind. Otto Normaluser kriegt da bei einigen Beiträgen schon ab und an das Gähnen. Glaubt mir. Richtig interessant wird's tatsächlich erst, wenn die Masse der (frustrierten?) Facebook-User einen Blick in Google+ werfen will. Da wird dann das echte Leben, und es werden die interessanten und bunten Inhalte des Netzlebens (hoffentlich) in Google+ einströmen.

Vergleiche von Facebook und Google+ drängen sich natürlich auf, hinken aber eigentlich, denn Google+ hat eine wesentlich andere Struktur, die sehr viel moderner und deshalb auch nicht so aufdringlich und starr ist, wie das Facebook-Freunde-Konzept. Jedenfalls erlebe ich das so. Ich wollte nie "Fan" werden, und ich will den Menschen aus Irgendwo, den ich eigentlich überhaupt nicht kenne, nicht als Freund anklicken, nur damit ich an seine durchaus interessanten Inhalte komme. Das hat mir in Facebook von Anfang an widerstrebt. Facebook will dein Privatleben haben. Das ist sein Sinn. Das will ich aber nicht.

In Google+ kann ich als Empfänger und als Sender meine Kontakte wesentlich flexibler und feiner auswählen und filtern, ohne es zwanghaft zu einem beiderseitigen Kontaktkanal machen zu müssen. Natürlich hat das viel vom Follower-Prinzip von Twitter. Gut so! Doch dazu später mehr.

Google+ wird auch die wesentlich moderneren Techniken zur Verbreitung von Inhalten bieten, weil es nach aussen hin viel offener ist, als Facebook. Es wird so manchen Blogger, Podcaster, Künstler, etc. geben, der in Zukunft nur noch Google+ nutzt, und das nicht nur, weil die Leute dort sind (so wie das das Argument für Facebook war/ist), sondern weil Google+ die Kommunikation zwischen Content-Ersteller und Publikum auf die verschiedenste Art und Weise unterstützt. Ich sehe da großes Potenzial, wenn die Menschen diese Idee annehmen. Alleine Hangout (Gruppen-Video-Chat) kann zu einer echten Live-Performance-Plattform (Musik, Radio, Show) werden. Die Möglichkeiten sind da schier endlos - wohlgemerkt, für Leute die sich veröffentlichen wollen.

In diesem Zusammenhang ein noch paar unsortierte Gedanken Richtung Facebook: Die Wechselbereitschaft vieler Facebooknutzer wird sowieso auch davon abhängen, wie sehr Google sich dem Zeittotschlaggedöhns wie Glücksnuss- und Sprüche-Apps, Spielekram, und so weiter, öffnen will. Bisher gibt es das alles in Google+ nicht. Man muss da schon eigene Gedanken formulieren, wenn man sich seiner Umwelt mitteilen will. Was ich nun wieder bis jetzt sehr sympathisch finde, weil ich in Facebook erlebe, wie erwachsene Menschen wieder anfangen in App-Sprechblasen zu denken, weil sie halt gerade in Facebook sind und dort Zeit verbringen müssen, es ihnen aber eigentlich an Inhalten fehlt.

Das ist nun eigentlich auch nichts Neues, denn in jeder Kneipe spielt man deshalb seit Urzeiten Würfel- und Kartenspiele, schmeißt Geld in Automaten und erzählt sich übertriebene Jugendsünden an Stammtischen, oder den neuesten Klatsch an der Theke. Diese erlernten Verhaltensweisen und Bedürfnisse bedienen in Facebook eben diese genannten Angebote, mit denen sich mittlerweile außerdem eine komplette Werbeindustrie finanziert. Facebook ist eben durch seine technische Struktur und seine ursprüngliche Idee wie die riesengroße Superkneipe: Du gehst da rein, die Tür fällt zu, du hängst deine Jacke an die Garderobe und dann bleibst du erstmal da. Nach zwei Bieren fängst du dann an dein Leben zu erzählen. Das ist Facebook.

Google+ wird nicht die Superkneipe werden, Google+ kann(!) eine Stadt werden, in der es viele verschiedene Angebote und Kneipen gibt. Ja, das ist weit in die Zukunft geblickt und orakelt, aber ich kann mir das, aus dem, was ich bisher sehe, vorstellen. Wobei man auch hier nie vergessen darf: Google ist eine amerikanische Firma, ebenso wie Facebook - nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Google+ wird garantiert bessere Schnittstellen zur Außenwelt erhalten, als andere Dienste. Das dauert wohl noch etwas, aber die Fachwelt munkelt solches. Google hat sich auch da, so unterstelle ich einfach mal, ein wenig auch am Twitter-Konzept orientiert. Außerdem wird es seine anderen Angebote, wie Picasa, Blogger, GReader, GMail, und so weiter, integrieren. Darum wird Google+ auch für Twitter ein größeres Problem werden, als für Facebook, denn die Bedürfnisse der Nutzer von Twitter und Google+ überschneiden sich bis jetzt sehr viel mehr.

Der "Google+"-Rush wird aber nur dann eintreten, wenn die Leute die Veränderung wollen und annehmen. Oder auch, wenn sie erkennen, wie wichtig Datenschutz und Transparenz sind, denn da hat Google wesentlich mehr zu bieten als zum Beispiel Facebook.

Ich bin gespannt. Google hat schon einige Versuche in dieser Richtung unternommen und ist mehr oder minder immer damit gescheitert. Bei Buzz hatte ich auch hohe Erwartungen, musste aber sehen, dass durch die Unterordnung unter GMail diese Plattform einen derartigen Hinterzimmercharakter gekriegt hat, dass schlussendlich nur noch die Nerds und Technikfreaks dort öffentlich tätig waren, und damit auch noch den Rest des bunten Lebens dort vertrieben haben. Ich kann nur hoffen, dass das diesmal nicht wieder geschieht.

Für mich steht definitiv fest, dass der Schwerpunkt meiner Webpräsenz Google+ werden wird. Für Menschen, die Content liefern, wird daran kein Weg vorbei führen. Facebook werde ich natürlich auch als Content-Plakatwand weiter nutzen und einige private Kontakte dort halten. Ich denke nämlich nicht, dass alle Leute einen Sinn im Wechsel erkennen werden, was ja auch, aus oben genannten Gründen, legitim ist. 

Google+ ist die Zukunft im Web, sagen die Fachleute. Doch bei IBM glaubte man auch lange Zeit, dass die Zukunft den Supercomputern gehören würde und der PC vom Privatmann nicht gewollt werden würde. Was Facebook betrifft, empfehle ich, wo wir wieder beim Orakeln sind, einen Blick in die Geschichtsbücher, an die Stellen, die sich mit dem Ende des römischen Reichs befassen. Da passierte auch nichts über Nacht.

Oh, bevor ich es vergesse: Wer jetzt immer noch scharf darauf ist, vor allen anderen nach Google+ rein zu kommen, der sollte mal hier rein schauen:

Keinen Google Plus-Account? Der Google+ RegHelper schafft Abhilfe
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Google schaltet bis zum öffentlichen Start von Google Plus immer nur sehr kurz und in der Anzahl begrenzt die Möglichkeit frei, sich bei Google Plus anzumelden.
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Source: http://gpluseins.de/498/keinen-google-plus-account-der-google-reghelper-schafft-abhilfe/

Nackt auf dem Daten-Jahrmarkt

Passend zu den Themen Vorratsdatenspeicherung und Facebook, die gestern in Virtu(ell)nwaswirkönnen in den letzten beiden Artikeln Thema waren, kommt dieser Filmbericht von ZDFzoom "Hilfe, ich bin nackt". Die ZDFzoom-Redaktion hat mal genauer hingeschaut, welche Daten die Menschen ins Internet über sich entlassen. Es geht dabei um die großen Communities, die Bilderdienste, die Smartphones und die Programme, die sogenannten Apps, die wir nutzen.

Richtig interessant wird der Filmbeitrag beim Thema Smartphones und Apps. Da dürften viele Zuschauer mal die Luft anhalten. Doch auch die Geschäftsbedingungen der großen Communities sind ein Knaller. 

ZDFzoom: Hilfe, ich bin nackt!
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15.06.2011 22:45
ZDFzoom: Hilfe, ich bin nackt! 
Facebook, Google und Apple haben zusammen mehr Daten als jedes Einwohnermeldeamt. Wie nackt sind wir im Netz? Wir geben die Antwort in ZDFzoom.
VIDEO,Dauer: 29 Minuten
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Source: http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1359994/ZDFzoom-Hilfe,-ich-bin-nackt?flash=off

Es gibt über dieses Thema viel zu sagen, denn die Materie ist komplex. Natürlich geht es nicht nur um dämliche User, die naiv ihre Daten ins Netz blasen. Es geht natürlich auch um nicht aktuelle Gesetzgebungen, die es zum Beispiel Versicherungen noch erlauben solche Daten überhaupt zu verwerten und quasi völlig sinnverdrehend gegen diejenigen zu richten, für die sie da sein sollen. Hier ist der Staat gefragt, und damit natürlich der Bürger, denn wie man sieht, kann man sich nicht auf den Staat verlassen, wenn einer seiner Beamten öffentlich, wie im Filmbeitrag zu sehen, das Internet als rechtsfreien Raum bezeichnet. Ich würde hier als Innenminister im Boden versinken wollen, wenn einer meiner Beamten so einen Schwachsinn von sich gibt.

Genau das zeigt aber das Problem: Unsere Administration ist hoffnungslos mit der modernen Informationsgesellschaft und ihren Problemen überfordert. Darum ist es so wichtig, dass Bürger sich informiert und Meinung zeigt. Ich verweise an dieser Stelle noch einmal auf den Artikel "Vorratsdatenspeicherung - Sag Nein!" und die darin vorgestellte Unterschriftenaktion von Campact. Nehmt daran teil und verbreitet die Information. Wir müssen unser Datenproblem unter Kontrolle kriegen und die Politik alleine wird es nicht richten.

Was macht Meinung?

„Kreuznacher Neuigkeiten“ (1) (Links, siehe unten) hat mich auf einen sehr interessanten Artikel bei Spiegel ONLINE (2) aufmerksam gemacht, der irgendwie auch so ein wenig mit meinem Artikel „Facebook-Fast-Food-Sodbrennen“ (3) zusammenhängt. Es geht darum, dass durch die in Facebook verwendeten Filter-Techniken, Inhalte für den Nutzer mittlerweile so stark gefiltert, oder auch „nach seinen Interessen ausgerichtet“ werden, dass er quasi fast nur noch zu sehen bekommt, was sowieso auf seiner Wellenlänge liegt, oder seinen Neigungen entspricht.

Inhalte und Meinungen von Kontakten, die nicht in dieses Muster fallen, werden von den FB-Filter-Techniken nach und nach aussortiert. Im Artikel steht zu lesen:

Es stimmt: Facebook zeigt standardmäßig jedem Nutzer eine andere, von Algorithmen berechnete Auswahl der Ereignisse in ihrem sozialen Umfeld an. Meldungen von jenen Menschen und Quellen nämlich, mit denen die Nutzer "am häufigsten interagieren" - so die vage Facebook-Formulierung. Das ist schon seit 2009 so. Erstaunlich an den immer wiederkehrenden Unmutsäußerungen von Mitgliedern ist vor allem das: Die Menschen merken monatelang nicht, dass Software für sie entscheidet, was relevant ist. Erst in dem Augenblick, in dem ihnen dieser Filter bewusst wird, fühlen sich einige bevormundet, getäuscht, entmündigt.
- aus: (2)

Ich habe dies selber schon in jo$ kaos-i-lator (4) bemerkt, denn für den kleinen kaos-i-lator gibt es eine sogenannte Fan-Page in Facebook. Das ist mittlerweile unumgänglich, denn eine Menge Leser bewegen sich fast ausschließlich noch innerhalb von Facebook. Will man solche Leser erreichen, muss man dorthin.

Jetzt war es aber so, dass ich bei einer Unterhaltung mit entfernten Bekannten, einen Artikel im kaos-i-lator erwähnte, der eine Lösung für eins ihrer Computer-Probleme bereithielt. Woraufhin klar wurde, dass der Bekannte sich vor geraumer Zeit kaos-i-lator-Artikel angesehen hat, nun aber länger schon keinen Artikel mehr angeklickt hatte. Daraufhin sind wohl heimlich still und leise die Benachrichtigungen aus meiner Timeline zu neuen kaos-i-lator-Artikeln aus seiner Timeline verschwunden, und er wusste überhaupt nicht, dass dort fast täglich neue Artikel erscheinen. Soweit zu meiner Erfahrung mit diesen Filtermechanismen.

Würde dieser Artikel also jetzt in jo$ kaos-i-lator erscheinen, hätte ich die kuriose Situation, dass vermutlich genau die Menschen, für die dieser Artikel ja gerade interessant wäre, ihn nie zu Gesicht kriegen. Im Spiegel-Artikel steht dazu ein guter Satz: „Wer Katzen mag, sieht eben keine Hundefotos.“ Diesen Umstand mag man jetzt mit Recht für eine kleine unbedeutende Seite wie den kaos-i-lator mit einem Schulterzucken abtun, aber in einem anderen Zusammenhang, wird dieses Phänomen doch interessant.

Der Spiegel-Artikel führt jetzt nämlich noch weiter, in dem er auf die gesellschaftliche und politische Dimension dieses Effekts eingeht, der mitnichten nur auf Facebook begrenzt ist. Das muss auch gesagt werden. Alle großen Netz-Firmen bedienen sich ähnlicher Techniken. Doch dazu muss ich kurz ausholen: Gestern schrieb ich etwas zum Phänomen der „Guttenberg“-Diskussion innerhalb von Facebook (5), denn die altvorderen Netzaktivisten machen sich derzeit Gedanken, inwieweit innerhalb von Facebook politischer Diskurs, politische Beteiligung und politische Willensbildung betrieben werden, oder eben nicht. Fakt ist ja, dass mittlerweile quer durch alle politische Überzeugungen Menschen in Facebook angekommen sind, und dort Meinung und Stimmung kundgeben. Diese Diskussion ist sicherlich richtig und wichtig. Sie kriegt aber durch die angesprochenen Filtermechanismen eine ganz neue Dimension, weil der langfristige Effekt offensichtlich der ist, dass man durch das fremdbestimmte Filtern aus dem Empfangsspektrum Andersdenkender ganz langsam und sachte ausgeblendet wird. Es sei denn, man sucht wiederum aktiv nach dem vermeintlich Uninteressanten. So entsteht möglicherweise unbewusst eine verzerrte Wahrnehmung, zumindest der digitalen Wirklichkeit.

Letztlich verstärkt der Facebook-Filter die Weltsicht des jeweiligen Nutzers. Wer sich diesen Mechanismus nicht bewusst macht, könnte den Eindruck gewinnen, die ganze Facebook-Welt sei fast einer Meinung - seiner. Eli Pariser schreibt gerade ein Buch über die "Filter Bubble", wie er die Auswirkungen der Filter-Algorithmen nennt. Bei seinem Vortrag sprach er von einer "unsichtbaren algorithmischen Redaktion" des Webs. Seine Befürchtung: "Wir bewegen uns in eine Welt, in der das Internet uns nur Dinge zeigt, von denen es denkt, dass wir sie sehen müssen, nicht aber, was wir sehen sollten." 
- aus: (2)

Man darf das jetzt sicherlich nicht überbewerten, denn im realen Leben filtern wir doch auch alle selbst: Ich  kaufe keine BILD und ich lese keine BILD - fertig. Ich gehe nicht zu McDonalds und drum esse ich auch nichts von dort - fertig. Sprich, ich kriege in der Regel nicht mit was bei BILD geschrieben und bei McDonalds verkauft wird. Der Unterschied ist aber, dass hier selber filtere, und so, zumindest ein bewusster Entscheidungs-Prozess vorangegangen ist.

Ich sag's mal zur Sicherheit: Ich gebe hier nur meine bisherigen Gedanken zu diesem Thema weiter. Das ist bei weitem nicht alles zu Ende gedacht. Interessant ist das Thema aber allemal und so darf ein Denkanstoss schon mal sein. Es führt mich auch auf meine Gedanken im „Facebook-Fast-Food-Sodbrennen“-Artikel (3) zurück: Man kann hier nicht nur der Technik die Schuld geben und erwarten, dass die Technik-Abteilungen bei Facebook und Konsorten unsere Wahrnehmung besser regulieren. Man sollte sich, wenn man schon diese Medien und Firmen nutzt, deren Arbeitsweisen und Bedingungen klar machen, und dann entsprechend seine Aktivitäten gestalten. Das Internet bewusster und dosierter nutzen ist, glaube ich, mittelfristig eine der wichtigsten Übungen für uns alle.

Links zu diesem Artikel:

Heute hier, morgen in Facebook

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via sorryimissedyourparty.com

Manchmal schiesst einem der Unvuuck derart durch die Birne, dass man ihn direkt niederschreiben muss, sonst isser verjessen:

Heute hier, morgen dort

(in der “jo jmatic”-Version; Originaltext: Hannes Wader)

Heute hier, morgen dort,
sind sie drin, gehn sie niemals fort,
Party-Bilder in 'ner Facebook-Galerie. 
Hab' sie selbst ins Netz gestellt,
hab' es selber so gewählt,
nie nach Rechten und Folgen gefragt.

Jetzt bereue ich's schwer,
denn jetzt denk' ich, ich wär',
so viel besser dran,
hätt's ich's nie getan,
denn mein Chef hat sie gesehn,
und er kann nicht verstehn,
wie man nackt auf' ner Party singen kann.

Dass er mich nicht vermisst,
zeigt die Kündigungsfrist,
die quasi nicht vorhanden ist.
Das stört und kümmert mich extrem,
denn auch das Pinkeln auf's Firmenemblem
bleibt dem guten Manne wohl ewig im Sinn.

Jetzt bereue ich's schwer,
denn jetzt denk' ich,
ich wär', so viel besser dran,
hätt' ich's nie getan,
denn jeder klickt die Bilder an,
kopiert und verschickt sie dann,
so dass mich jeder voll und naggisch sehen kann.

Fragt mich einer warum
ich das tat, bleib ich stumm,
denn die Antwort darauf fällt mir schwer.
Denn “Online” sein, das bringt Fun,  
weil man alles verteilen kann,
doch das Netz gibt deine Daten nie mehr her.

Jetzt bereue ich's schwer,
denn jetzt denk' ich,
ich wär', so viel besser dran,
hätt' ich's nie getan,
denn mein Ruf ist ruiniert,
und doch leb' ich nicht ungeniert,
weil alle Welt mein' nackten Arsch anklicken kann.

 

PS: Streetview. Google. Streetview.

PPS: Ich wollt das S- und das G-Wort nur auch mal geschrieben haben, weil doch alle Welt drüber schreibt.