Virtu(ell)nwaswirkönnen  - das verspreche ich hiermit der Welt und ihrem Mann, dem Nichts.

Kapitalismus - Wie geht das?

Damen und Herren, lesen sie jetzt eine neue Folge aus der Reihe: “Wie zur Hölle funktioniert Kapitalismus?”

Vorweg noch die Stichworte dieser kurzen Abhandlung zum Mitschreiben: Elektronikschrott, Knete, Gesundheit, Moral. In dieser - durchaus wertenden - Reihenfolge

Also! Wir transportieren unseren Elektonikschrott nach Indien. Schon lange. Das ist für uns billiger und(!) gleichzeitig auch gesünder, als hier unseren Dreck zu beseitigen. Außerdem ist Indien saumäßig gross, und der ein oder andere Giftmüllsee, fällt bei denen gar nicht so schlimm auf. Bei uns geht das ja nicht. Da sind unsere Umweltschutzgesetze viel zu streng, und die ganzen Ökos passen ja da auch auf.

Außerdem liegen immer noch weit über eine halbe Millionen Tonnen teils inzwischen verbotener Altpestizide schlecht oder gar nicht gesichert in Mittel-Osteuropa, Zentralasien und Entwicklungsländern. Und um das Jahr 2000 haben vor allem die USA begonnen, Elektronikschrott nach China und Indien zu liefern, wo die Abfälle in Handarbeit unter haarsträubenden Bedingungen recycelt und entsorgt werden.

Giftmüll - Greenpeace

Wie das “Recycling” und die “Entsorgung” funktionieren kann man hier nachlesen: Illegales Recycling von Elektronik-Schrott in Indien

Oben auf dem Flachdach türmt sich ein Stapel dunkelgrüner Leiterplatten. Ein Junge schraubt einen Monitor auseinander. Ihm gegenüber hockt ein Mann vor einem Kerosin-Kocher und hält mit einer Zange eine Leiterplatte in die Flamme. Die Flamme färbt sich grün; Rauch steigt auf, erst weiß, dann grau. Die Augen des Mannes tränen, er fängt an zu husten. Als ihm die dünne Plastikplatte weich genug erscheint, greift er mit der anderen Hand einen schweren Schraubenzieher und schlägt Kleinteile aus Metall ab. (aus: Illegales Recycling von Elektronik-Schrott in Indien)

Erstaunlicherweise funktioniert der Kapitalismus ja ganz ähnlich wie die Natur, in dem er sich immer einen Weg sucht, um zu überleben und auch seine Existenz zu perfektionieren. Spätestens seit “Jurassic Park” weiss das auch der letzte unter uns 80 Millionen Weisen:

Der Zoll kassiere die Gebühren, ohne einen Blick auf die Rechner zu werfen.

Toxics Link hat versucht, die verschlungenen Importrouten nachzuzeichnen. Im Internet fand die Organisation Händler, die alte Computer ins Ausland verkaufen. Sie entdeckten auch indische Internetseiten mit genauen Anweisungen, wie die Ware zu deklarieren sei, damit sie den Zoll problemlos passieren kann. Agarwal vermutet, dass die Fracht mittels Briefkastenfirmen mehrmals den Absender wechselt, bevor sie über den Mittleren Osten schließlich nach Indien gelangt. In den frühen neunziger Jahren seien riesige Mengen alter Autobatterien mit ihren Säuren und ihrem Blei ins Land gekommen. Agarwal glaubt, dass die damals aufgebauten Handelsrouten noch immer existieren und nun für Elektronikschrott genutzt werden. (aus: Illegales Recycling von Elektronik-Schrott in Indien)

Demnächst allerdings, ist Schluss mit lustig. Diese Elektronikschrott-Transporte werden aufhören! Warum? Weil wir einsehen, dass es Kacke ist, andere für unseren Wohlstand erstens mit Trinkgeldern abzuspeisen, zweitens deren Land auf Generationen hinaus zu verhunzen und drittens, weil wir einsehen, dass uns unser Kapitalismus, in der derzeitigen Form, zu Hanswürsten degradiert, die am Ende ihre eigene Scheisse fressen müssen?
 
Ne. Nein. Pffff ... Kleiner Scherz. Sorry.
 
Die Exporte werden aufhören, weil:
Wenn das nächste Mal aus Versehen eine Wiimote in den nagelneuen LCD-Fernseher fliegt, ärger dich nicht zu sehr – Chemikalien die sich im Inneren des kaputten Fernsehers befinden, können im Kampf gegen Infektionen im menschlichen Körper verwendet werden.

Die kuriose Nachricht entstammt Untersuchungen der Universität von York, die das Ergebnis brachten, das Polyvinyl-Alkohol, kurz PVA, tatsächlich Viren und Infektionen bekämpfen kann – entweder als Medizin oder aber als Reinigungsmittel. (via Chemikalien aus kaputten LCD-Fernsehern könnten Leben retten)

Jawohl, richtig verstanden. Euere LCD-Glotzen sind gesund! Medizin. Ja, das sind ja mal richtig gute Nachrichten für das gemeine TV-Gerät, unsere angekratzte Moral und für die Inder. Na ja, fast: Eben warst Du noch Giftmüll, jetzt bist Du Heilmittel. Das heisst aber für Dich, liebe Glotze, Du bleibst in Zukunft mal schön hier, denn Du wirst als Gesundbrunnen ausgebeutet. Und Ihr, Ihr lieben Inder, Ihr müsst jetzt echt mal schauen, wo Ihr in Zukunft Euren Giftmüll herkriegt. Ihr seht doch ein, dass wir jetzt unsere neu entdeckte Medizin nicht einfach kostenlos zu Euch schicken. Es sei denn, Ihr macht mal ein gutes Angebot. Was wär' Euch denn Eure Gesundheit wert?

Ach, ... der Kapitalismus, ... einfach umwerfend, und umwerfend einfach. Man muss ihn einfach gern haben.

Ich trau' mich ja kaum, es zu sagen, aber: Stop destroying our brains, it's where we keep all our stuff. 

PS: Ich würd' diesen Text so gern von Christoph Waltz vorlesen lassen ...

abgelegt unter  //   Gesellschaft   Gesundheit   Giftmüll   Moral   Umweltschutz  
veröffentlicht am 25.June.2010

Das Patent an Pfingsten

Ein Gedanke zu Pfingsten? Warum nicht. Mein Gedanke zu Pfingsten lautet:

Pfingsten ist ja bekanntermaßen ein griechisch-jüdisches Mash-Up. Sprich, weil's keine Patente gab, haben die Christen damals sich mal umgeschaut, was es denn an tauglichen Feierformvorlagen und Namen für so 'ne “Geist-haut-voll-rein”-Situation schon gibt, und haben daraus ihr Pfingsten gestrickt.

Damals hat man noch nicht erkannt, was für ein Marketingpotential in der Christenheit-Idee steckte, denn ansonsten hätten die jüdischen Advokaten garantiert Copyright-Ansprüche für Schawout angemeldet. Aber ... da steckte der Kapitalismus wohl noch in den Kinderschuhen.

Etliche Jahrhunderte später ist die christliche Kirche ein Big-Player im Religionsmarkt und sämtliche Patentansprüche sind abgelaufen. Da ist kein Geld mehr zu machen. “Patentanspruch” ist aber trotzdem ein gutes Stichwort in diesem Zusammenhang, denn auch der Kapitalismus ist derweil ausgewachsen. Damals konnte man noch mit 30 Silberlingen absolute “Big-Deals” landen, die die Welt veränderten, heute müssen da schon andere Summen und Gewinnerwartungen raus springen.

Darum kann auch eine Geschichte wie die folgende passieren; ich empfehle die komplette Lektüre dieses Artikels:

 

Stell dir vor, Krebs ist heilbar – und keiner zahlt

Ein bekanntes Mittel kann bösartige Tumore offenbar wirksam bekämpfen. Die nötigen Studien will aber niemand finanzieren

So ist das. Da ist ohne Patente eben kein börsenrelevantes Geld mehr an der potentiellen Gesundung von Menschen zu verdienen. Na ja, dann verdienen wir doch lieber weiter mit Patenten Geld an der Krankheit, denkt sich die Pharma-Industrie. Hat ja bisher auch funktioniert.

Was hat das mit Pfingsten zu tun? Zu Pfingsten lesen die Priester in ihren Kirchen gerne  aus Joel (Apg 2, 15-18) vor:… Und es soll geschehen: wer den Namen des Herrn anrufen wird, der soll gerettet werden.”

Ja, aber nicht vom Krebs, denn der bringt mehr Geld, wenn er da ist, als wenn er weg ist. So, wie Hunger und Krieg. Die bringen auch wesentlich mehr Geld durch ihre Existenz ein, als durch ihre plötzliche Absenz. Dem Herrn muss der Kapitalismus, so wie er jetzt ist, wohl gefallen.

Ja, da kann schon mal der Geist der Erkenntnis durch einen hindurchfahren, während man den Geburtstag der christlichen Kirche feiert, und am Pfingstsonntagabend darauf einen hebt.

Vielleicht sollten wir aber einfach praktisch denken und zusammen mit dem Geburtstag der Kirche einfach auch den Geburtstag des Kapitalismus feiern. Das würde doch gut zusammen passen: Unser Kapitalismus fuhr uns als Geist in die Knochen und schenkte uns den Gedanken der Gewinnmaximierung, der über allem schwebt, und der Pfingstsgeist sorgte dafür, dass es eine Institution gibt, die uns erklärt, wie man die lächerlichen Nebenwirkungen des Kapitalismus erträgt. Na, das passt doch, wie das Börsenparkett vor'n Altar.

Da gehen wir halt einfach hin und schmücken zukünftig nicht nur den Pfingstochsen, sondern werfen auch noch Bulle und Bär einen Kranz auf die Schädel. Eventuell könnte man auch noch einen Tanz vor der Frankfurter Börse um Bulle und Bär landesweit übertragen. Die Tänzer tragen dann kleine Hüte aus wertlosen Aktienpapieren und sind mit Luftballons geschmückt, als Symbol für Spekulationsblasen. Daneben könnte ein Christenpriester aus der Bibel vorlesen, denn da ergibt sich ja eine nahezu perfekte “Goldenes-Kalb”-Allegorie.

Das würde dann auch die Bestrebungen der Wirtschaftsverbände, den Pfingstmontag als Feiertag abzuschaffen wohl einschlafen lassen. Wäre ja auch zu blöd, wenn uns ein Tag zum Feiern und zum Reflektieren über all diese tollen Ereignisse und Möglichkeiten entgehen würde, oder!?

abgelegt unter  //   Gesundheit   Kapitalismus   Krebs   Pfingsten   Religion  
veröffentlicht am 24.May.2010

Beweg Dich, Sapiens

Hätten wir mal 1984 schon auf die Stiftung Warentest gehört, und die Finger von den Dingern gelassen. Jetzt ist es zu spät. Denn die Wissenschaft hat festgestellt:

Es ist tödlich, zu lange vor dem Fernseh- oder Computerbildschirm zu sitzen

von Florian Rötzer 12.01.2010

Eine australische Langzeitstudie macht auf die offenbar erheblichen Risiken der sesshaften Lebensweise aufmerksam

via heise.de

Na, da haben wir den Salat: Wir werden dick, fett, faul und träge vor den TV- und Internet-Glotzen, und infarkten uns am Ende aus der Nahrungskette. Da war also 1984 nicht nur die Enttäuschung vorprogrammiert (dabei hatten die ja noch nicht mal Windows!), sondern auch die evolutionäre Sackgasse in der der Homo SaPeCensies jetzt fettleibig und infarktgefährdet sitzt.

Wobei ich nicht sicher bin, ob die Forscher da wirklich alles durchdacht haben, denn wenn der Bauch vom PeCe-Heini wächst, wächst ja auch zwangsläufig die Entfernung der Augen vom Monitor, was ja dann wiederum gut für dieses Sinnesorgan und die Gesundheit ist:

Na ja, ist vielleicht auch noch nicht ganz rund, diese These. Nun ja, wie dem auch sei. Er ist aber auch selber schuld, der internetsurfende Sesselfurzer dieser Tage, denn es ist doch alles eine:

Frage der Filterung…

Gleichzeitig wissen wir aber auch, dass das Leiden an der "Informationsflut" auch und vor allem eine Frage der Filterung und ihrer Qualität ist. Niemand wird gezwungen, bei Twitter.com einen Account zu haben, bei Flickr.com Bilder hochzuladen oder sich bei Facebook.com zusätzliche Freundschaften neben seinen anderen zu suchen.

Niemand fordert, dass man alle fünf Minuten seinen Mailbox checken oder eine nichtssagende SMS versenden oder sofort lesen muss. Und niemand verlangt, dass man Aberhunderte von Graswurzelblogs abonnieren oder sich mit Videos, Spielen oder Onlinechats allabend- oder allmorgendlich die Zeit stehlen lassen muss.

So ist es. Nix ist in Stein gemeißelt, auch nicht die digitale Bewegungslosikeit:

Drum gilt: Weg vom PeCe und der Glotze, und bewege Dich, Du Krone der Schöpfung:

Ok, "Krone der Schöpfung" will ich dann als Begriff doch erst nochmal überdenken, und wenn ich's mir recht überlege, ist der Ratschlag sich zu bewegen, vielleicht auch doch nicht für jeden richtig gut:

See more funny videos and funny pictures at CollegeHumor.
(via Kreuznacher)
Nein, die Darwin Awards verlinke ich hier jetzt nicht. Ansonsten sitzt Ihr nämlich noch länger vor Eurer Internet-Maschine und sterbt aus. Geht raus in den Schnee. Bewegt Euch und habt Spass:

Nachtrag:

Toll wär's natürlich, wenn man Bewegung und Computerarbeitsplatz verbinden könnte:

abgelegt unter  //   Fun   Gesundheit   PC   social media  
veröffentlicht am 12.January.2010