Meine Damen und Herren, liebe Kinder,
ich möchte vor diesem Blog ausdrücklich warnen!

 

Es sendet auch außerhalb der internetüblichen Sendezeiten - zwischen 22 und 6 Uhr - Beiträge zu Intelligenz-Dilettantismus und Missverständlosigkeiten.

 

An alle privatwirtschaftlichen Jugendschützer mit monetärem Eigeninteresse: Ich kam schon abgemahnt auf die Welt, aber auch mir ist klar: Platz für Gier ist im kleinsten Hirn!

 

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Abgelegt unter: Fussball

Sprechblasenalarm

Gestern Abend. Deutschland - Niederlande. Fussball. Sprechblasenalarm. Prestigeduell. Historischer Sieg. Nach dem Spiel hauen die Jungprofis ihre Sprechblasen genauso souverän heraus, wie die Flanken in den 90 Minuten zuvor. Das Millionenpublikum vor den TV-Geräten ist zufrieden. Identitätsstiftendes Spielerlebnis. Jogi und die Jungs - die richten das schon mit der EM. Die wissen wie's läuft.

Danach, Bericht vom CDU-Parteitag. Sprechblasenalarm. Polit-Promis hämmern Sätze raus, wie: »Scheitert der Euro, dann scheitert Europa.«. Das sitzt bei den Delegierten. Das sind aber keine Özil-Flanken, sondern eher Schwarzenbeck-Befreiungsschläge. Ist eben Abstiegskampf, das muss man wissen. Details werden da überflüssig. Da gelten andere Gesetze. Schön spielen bringt da nix. Da müssen rustikale Methoden her. Eine davon trägt den Namen »Alternativlos«. Das heisst übersetzt: »Hört auf zu denken. Das Problem ist kompliziert. Tut einfach, was wir Euch sagen. Wir wissen, wie's geht. Fresst Gras.« So spricht Trainerin Merkel, die Mannschaft schweigt, und die Fans müssen's glauben. Was sollen sie auch machen? Ist ja alternativlos.

Ist im Grunde, wie bei einem Länderspiel. Da sitzen auch viele Zuschauer vor'm TV-Gerät, die wenig Ahnung von der Materie haben, die aber gerne die identitätsstiftenden 90 Minuten genießen, wenn's denn läuft. Dass es läuft, dafür sorgen ja Jogi und die Jungs. Der Jogi sagt, wie's läuft, und die Jungs machen das schon. Da braucht der Zuschauer keine Ahnung haben - eine Meinung genügt.

Nur, wie gesagt, Abstiegskampf ist anders. Da wird man schnell zur »Schicksalsgemeinschaft« und sucht die »Wende". Achtung, Sprechblasenalarm:

Nun sei - angesichts der Gefahren für den Euro - zu beweisen, den Augenblick der Krise zu einer „Wende zum Guten“ nutzen zu können. [...] Die Kanzlerin suchte zu dramatisieren: „Europa ist unsere Schicksalsgemeinschaft.“
- via CDU-Parteitag: Das Zucken der Kompassnadel - Politik - FAZ

Ja, nun, es gibt immer Gründe dafür, dass man im Abstiegskampf steckt. Es rumort im Fanblock: Vielleicht stecken wir ja gerade wegen der Alternativlos-Taktik des Trainers in dem Schlamassel. Das Spiel leidet an Alternativlosigkeit:

Die Demokratie leidet an akuter Alternativlosigkeit. Diesen Eindruck bekommt man auf dem CDU Parteitag in Leipzig. Die Schuldenkrise scheint für die Delegierten zu kompliziert zu sein.
- via Schuldenszene beim CDU-Parteitag: Es ist, wie es ist - Feuilleton - FAZ

Jogi Löw könnte das erklären: Wenn Du im Fussball alternativlos spielst, wirst Du berechenbar, und wirst ausgespielt. Alternativlose Taktiken sind schlecht. Sobald die Truppe vor unerwarteten Problemen steht, weiß sie nicht mehr was zu tun ist:

Auf die Schuldenkrise reagieren Leute, die keine Experten sind, als seien sie plötzlich in die Steuerzentrale eines laufenden Atomkraftwerks versetzt worden. Da würde auch jeder erst einmal die Finger von den Knöpfen lassen und hoffen, dass die Dinge schon irgendwie weiterlaufen, bis jemand kommt, der sich auskennt.*

Achtung, Sprechblasenalarm: Im Fussball tauschen sie dann den Trainerstab aus.

Ja, ich weiß, Fussball und Politik kann man auch nicht vergleichen.

* = Schau an, die gleiche Assoziation hatte ich vor ein paar Tagen hier auch: Zum Verwechseln ähnlich.

Tagebuch eines Missverständnislosen - #2

Tagebuchtitelbild

Jetzt gibt es tatsächlich also eine Ausgabe #2 des “Tagebuch eines Missverständnislosen” (siehe Podcast-Player; unten).

Doch seid gewarnt: Nur die Allermutigsten unter Euch sollten sich diese Podcast-Folge antun, denn der Autor fordert Gewalt gegen Tiere, praktiziert Gewalt gegen Worte, vergeht sich an harmlosen Sprichworten, und macht sich über Bäume, Frankreich und Italien lustig. Das ist nicht nett. 

Wie es überhaupt soweit kommen konnte, dass solche Machwerke wie die Tagebücher eines Missverständnislosen das Licht der Welt erbrechen, könnt Ihr hier nachlesen

Empfohlen sei an dieser Stelle aber die August-Ausgabe des Radio-Bingen-Podcast, worin auch Tagebuchschnipsel zu finden sind, und die dort, eingebettet in wohlfeile Moderationen und gute Musik, in erträglicher Dosierung präsentiert werden.

Der Worte genug und nun seht zu wie Ihr damit fertig werdet.

(download)

Müller schiesst - Tor!

 

Hatte heute Nacht einen Traum:

Wir haben den FC Primaradonna und Borussia Villabacho geschlagen und stehen im Endspiel gegen Holland. Wir liegen aber schnell 1:0 durch einen Elfmeter-Treffer zurück, weil Mertesacker Robben von den Beinen geholt hat. Mist. Egal. Weiter. 

Deutschland drückt, und will den Ausgleich. Podolski wird an der Strafraumgrenze gefoult und Schweinsteiger verwandelt um die 25. Minute herum den Elfmeter. Ausgleich. Weiter.

Dann die 43. Minute: Lahm dribbelt und tankt sich an der Aussenlinie durch, flankt unwiderstehlich nach innen, hinter die Abwehr. Dort steht wer bereit? Wer? Na, wer? Jawoll! 

Müller! Müller verwandelt per Drehschuss zum 2:1!

Danach spielen die Niederländer wie entfesselt, aber Neuer hält, was es zu halten gibt, und der Schiedsrichter nimmt in der 93. Minute die Pfeife in den Mund und Deutschland ...

Hier bin ich aufgewacht. Schweissgebadet. Bin sofort ins Wohnzimmer, hab' mir die Vuvuzela geschnappt und die Lunge schockentleert. Danach ein kühles Bier. 

Fühle mich vorbereitet für heute Nachmittag. PriMaradonna wir kommen.

PS: Der Traum erinnert mich an irgendwas. Aber, was? ;)

Kopf hoch

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Die Engländer haben, neben den Finnen (klar!) den subversivsten Humor auf dieser Welt, und so kann John Cleese natürlich am besten erklären, was die grundlegenden Unterschiede zwischen “Soccer” und “American Football” sind:

Allerdings darf man heute Morgen konstatieren, dass wahrscheinlich lediglich “American-Football”-artige Sequenzen von “four seconds of extremely violent actions” den Engländern gestern Abend vielleicht ermöglicht hätten, besser auszusehen, als im “Soccer is played like Jazz”-Konzert des deutschen Teams, in dem es für die Engländer nur zu gelegentlichen inspirationslosen Soli reichte.

... to something completely different: Ok, das englische Football-Team blieb blass und farblos, aber die Autochrome-Bilder von 1928, die von Clifford R. Adams für National Geographic gemacht wurden, sind dafür umso bunter und stimmungsvoller.

Erfreuen wir uns also an ihnen, und unterstellen dem englischen Team, dass es zumindest versucht hat, die “Fabio-Capello-version-of-creativity-soccer” umzusetzen. 

Dem englischen Team wünschen wir nun also trotzdem eine gute Rückreise auf die Insel, und geben Ihnen dazu folgende finnische Weisheit mit auf den Weg:

 

“Happy Being Miserable”

PS: Dass allerdings unser geliebter Fussball übertragungstechnisch gar nicht so weit weg ist, von dem amerikanischen Werbeunterbrechungs-Football, könnte man nach dem Lesen dieses Artikels argwöhnen: Die Hand Gottes: Argentinien - Brüste | FTD.de  

Der alternative WeeM-Singalongsong

“Der alternative WeeM-Singalongsong”, hier im Konzertina-Mix, ist mir gestern so aus Feder und Hirn geflossen, nachdem ich einige WM-Songse auf YouTube konsumiert hatte.

Ich entdeckte eine Markt- und Sinnlücke im WeeM-Song-Segment, und machte mich also daran eine Hymne zu schreiben.

Eine Fussballhymne? Nein. Eine Anti-Fussball-Hymne? Nein. Ja, du großer Herberger, was denn dann?

Es ist simplerdings der alternative, vielseitig verwendbare WeeM-Singalongsong für wirklich jede Gelegenheit, und jedwede Aussage. Quasi der Politiker unter den WM-Songs.

Fragt mich nicht ... ich kann doch auch nix dafür. Kicke-Kacke.

PS: Sollte dies hier jemand lesen und heute Abend beim DIEOHR-Konzert sein, könnte er mich in Versuchung führen, ihn live vorzutragen, wenn er/sie/es dies lautstark verlangt. Ich nehme zwar an, dass dann damit meine Mitgliedschaft in dieser Kombo von meinem Mitmusikisten abrupt beendet wird, aber als aufrechter Fussballfan und Amateurmusitöse muss ich dann sagen: Ich sitze hier und kann nicht anders. Kicke-Kacke-Eigentor. ;)

Sterbende Schwäne in der Strudelwelt

Zum Arbeitswochenende muss ich hier auch mal ein wenig Sinnbefreites zur Verfügung stellen. Wobei dieses Sinnbefreite nur deshalb jetzt von mir hier als sinnbefreit erklärt wird, um es sofort wieder mit einem neuen Sinn zu versehen, nämlich dem der zunächst zweckfreien Unterhaltung im Verbund mit einer unbewusst rezipierten Wissensvermittlung im bildenden Sinne. Alles klar?

Ich hätte zum folgenden Video mal eine eher technisch-philosphische Frage, die ich mal in den freien Raum passe: Fallen die Jungs eigentlich unter die Kategorie Laienschauspieler, oder muss man da doch eher schon von Profis im darstellenden Fach und im shakespearschen Sinne reden? Ihr wisst schon: 

“Ein guter Kopf weiß alles zu benutzen, ich will Krankheiten zum Vorteil kehren.” (William Shakespeare, Heinrich IV.) 

“Doch niemand heilt durch Jammern seinen Harm!” (William Shakespeare, Othello) 

[Video: “Football Idiots”, via haha.nu]

Und um den Schiedsrichtern mal ein gelbes und rotes Hohelied auf ihren echt schweren Job in dieser darstellenden Krabbelgruppe zu singen, nochmal Shakespeare: 

“Es ist ein Geist des Guten in dem Übel, zög ihn der Mensch nur achtsam da heraus!” (William Shakespeare, Heinrich V.)

In diesem Sinne: Carpe charta - Nutze die Karte. ;)

Kommen wir zu etwas ganz anderem: Was ein Strudel ist, wissen wohl viele.

Randbemerkung: Wer jetzt nicht sofort an leckeres Kuchen-Happahappa dachte, sondern an allesverschlingende Wasser- oder sonstige Strudel, der sollte sofort den Couchpsychoonkel seines Vertrauens kontaktieren.

atstrudel.jpg

Also, ich finde, das ist ein toller Begriff für dieses Zeichen. Das hat doch wesentlich mehr Charme als “ät”. Wäre schön, wenn sich das auch bei uns durchsetzt:

“Gib mir mal Deine Mailadresse.”
“Ok. Schreib' mit: Apfel[strudel]gmail[dot]com.”

Wäre klasse, wenn jetzt noch der Punkt einen schönen Namen kriegte. Meine Vorschläge: “Käsekuchen”, oder “Zopf”. Also eigentlich müssten jetzt alle deutschen Sprachschützer hier beifällig kommentieren. ;)

So, jetzt noch was zum Überleben der deutsch Sprache: Wie heisst das Ding, dass Ihr immer vergesst, wenn Ihr Eure Waren bei Aldi/Lidl/Netto/Whatever aufs Band klatscht? Ihr wisst schon, das Ding, was dann die Dame im präpensionären Alter hinter Euch mit strengem Blick von der “Ding”-Zuführungsschiene neben dem “Waren-zur-Kasse-Zuführungsband” greift und hinter Eure letzte Packung “Eineinhalbsekundenterrine” klatscht.

Dieses Ding heisst: “Warentrennholz”:

Ein Warentrenner ist ein stabähnliches Gebilde von etwa 30 cm Länge, das in Supermärktendazu benutzt wird, die auf dem Fließband des Warenzellenkassenstandes liegenden Einkäufe verschiedener Kunden voneinander zu trennen.

Gebräuchlich sind Warentrenner von Gestalt eines geraden Prismas mit rechteckigen oder dreieckigen Grundflächen; auch Querschnitte von dreistrahlig sternförmiger Form sind verbreitet.

(Wikipedia: “Warentrenner”)

Man lernt doch niemals nicht aus. Besonders an Freitagen.

Das ist doch was ganz anderes

Typen, die mit Millionen jonglieren, um Balltreter aus Übersee zu kriegen, die sie im deutschen TV für nochmal sauviel Kohle in Neunzigminuten-Clips präsentieren, sagen nach dem Freitod eines ihrer Protagonisten: Fussball ist nicht alles. Anschliessend diktieren sie in die Kameras ihre Absicht für mehr psychologische Betreuung sorgen zu wollen ... für ihre millionenteuer eingekaufte Ware.

In Hamburg gibt es jetzt auch Obst für Schulkinder. Wahnsinnige 100000 Euro wurden dafür in die Hand genommen, und in Rheinland-Pfalz gibt es 14040 Kinder für einen Schulpsychologen.

Ich weiss: Das sind zwei Dinge, die man irgendwie nicht miteinander vergleichen kann.