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Alle rufen jetzt mal Datenschutz

Datenschutzmängel: Empörte Facebook-User wechseln zu Google+ und umgekehrt

Na, da sage ich doch in diesem Falle dem Postillion einfach mal schlicht: »Danke.« Er hat das Datenschutzgeschreie der letzten paar Tage im sozialen Netzgedöhnse mit seinem kleinen Artikel schön auf den Punkt gebracht. Wer wissen will, was ich meine, muss sich schon rüber bemühen und selber lesen. Das hat er verdient, der Postillion.

Warum die Leute sich jetzt über die neue Timeline bei Facebook aufregen, ist mir komplett schleierhaft. Da sind nur die Daten jetzt hübscher aufbereitet, die der Konzern sowieso von seinem Nutzer hat. Mir hat das Facebook-Design noch nie gefallen, aber die Timelinegestaltung find' ich gut.

Böse Zungen behaupten ja, die Leute regen sich nur deshalb über die neue Timeline auf, weil jetzt noch einfacher zu ersehen ist, dass sie im Grunde nur immer wieder den gleichen belanglosen Kack Kram  posten, den jeder eh schon kennt, oder, noch schlimmer, das ihr Online-Leben nur aus Online-Spielen besteht. Das ist böse - hat aber wahrscheinlich einen wahren Kern.

Apropos Kern. Die »Superprofile« sollen das Problem sein. Die Anhäufung der persönlich produzierten persönlichen Daten bei einer oder mehreren amerikanischen Firmen sollen das Grundproblem sein. Echt? Versteh' ich nicht. Dieses Problem ist doch total einfach zu lösen: Liebe Leute, wenn Ihr das nicht wollt, dann wechselt schlicht in eins der dezentralen Netzwerke. Benutzt  doch z. B. das europäische Ipernity für Eure Bilder, statt Facebook oder Google. Benutzt einen der vielen anderen Anbieter für Eure Videos, statt Youtube. Streut Eure Daten. Nutzt verschiedene Netzwerke. Zum Beispiel das schon erwähnte Diaspora*. Da gehören Eure Daten Euch und die Werbekraken sind weit weg, wenn die Euch stören. Und so weiter. Streut Eure Daten. Oder, besser noch: Vergesst einfach, dass es um Daten geht. Unterstützt schlicht die freiheitlichen und demokratischen Gedanken, die hinter diesen kleineren Netzwerken stehen, schlicht, in dem Ihr an ihnen teilhabt. Das ist auch eine eindeutige politische Aussage. Reduziert Eure Käuflichkeit.

Diese dezentralen Netzwerke finanzieren sich zum großen Teil nicht über Werbung, sondern über Spenden. Man spendet einen Betrag und ist dafür auch kein beworbenes Produkt mehr, sondern aktiver Unterstützer. Das ist fair. Das macht ein gutes Gefühl.

Die Lösung für dieses Problem ist also simpel. Trotzdem tut's keiner. Warum? Weil, wie der Postillion es so schön auf den Punkt bringt, keiner seine Freunde, oder seine Followerbasis im entsprechenden Netzwerk verlassen will. Ok. Das leuchtet auch zunächst ein. Obwohl ich sagen muss, dass ich nach dem Wechsel zu Diaspora* keine Kontakte verloren habe, sondern neue dazu gewonnen habe.

Dazu fällt mir auch folgendes ein: Für jeden Mist werden in Facebook tonnenweise Posts und Freunde bewegt. Man kann dauernd Dinge lesen, wie: »Klickt hier, um Eure Stimme abzugeben.«, »Kopiert diesen Text, um ihn zu verbreiten, wenn Ihr ihn gut findet.«, und so weiter. Da stellt sich mir die Frage, warum das die Unzufriedenen nicht auch für ihr Wechselanliegen tun. Begeistert Eure Freunde einfach für einen gemeinsamen Umstieg. Für die ukrainischen Hunde und die nächste Superstarwahl klappt die Mobilisierung doch auch - warum nicht für das Netzwerkseelenheil und gegen die Reduzierung des eigenen Online-Ich auf Produktniveau?

Ist ok. Braucht keiner beantworten. Ist eine rhetorische Frage. Ich weiß, das ist undenkbar. Ja ja, die undenkbaren Dinge ...

Ich weiß, was das Grundproblem ist. Das Grundproblem ist die Bequemlichkeit und der Konservativismus der im Netz angekommenen Masse. Die Nutzermassen sind in den sozialen Hängematten von Facebook  - und von mir aus auch G+ - angekommen und dort haben sie es sich bequem gemacht. Die virtuellen Couchmöbel und Wohnzimmer stehen und keiner will sich in Wahrheit bewegen oder verändern. Das Netzwerk soll sich gefälligst um sie herum verändern, und zwar bitteschön so, dass man sich nicht mit unbequemen Sach-, Werte- und Politfragen auseinandersetzen muss, denn man will ja nur etwas entspannen. Ist das so, ist alles gut.

Der Wunsch ist legitim. Die Realität ist aber eine andere. Na ja, egal. Man kann das alles auch einfach ignorieren, und ab und an mal mitschreien, wenn einer »Datenschutz!« ruft. Geht auch.

Ilya - Diaspora - Leben - mehr als Bits

Am späten Sonntagabend überraschte eine Meldung in der Diaspora*, die sich um einen der Mitbegründer von Diaspora* drehte: Ilya Zhitomirskiy ist offensichtlich an diesem Wochenende im Alter von 22 Jahren verstorben. Die genauen Umstände seines Todes sind mir - bisher jedenfalls - nicht bekannt.

Die Trauer innerhalb von Diaspora* äußerte sich in unglaublichen vielen Beileidsbekundungen, denn natürlich ist der Tod eines so jungen Menschen, der garantiert bis zur Hutkrempe voller Pläne steckte, äußerst tragisch. Gerade auch in diesem Augenblick, in dem Diaspora* wieder vermehrt öffentliche Aufmerksamkeit erfährt, weil man Ende November mit dem Netzwerk in die beta-Phase wechseln will: In den Startlöchern: Das Anti-Facebook - Medien - Tagesspiegel.

Wobei ich die Titelzeile des Artikels mit dem Wort »Anti-Facebook« reichlich dämlich finde, denn das erweckt den Eindruck einer Attacke auf Facebook. Der Begriff suggeriert eine Aggressivität und eine Fixierung der Diaspora*-Gründer, die so nicht vorhanden ist. Natürlich spielte beim Entwurf von Diaspora* Facebook als Erfahrung eine entscheidende Rolle, denn man wollte im Bereich der Datenhoheit und bei der physikalischen Struktur des Netzwerks andere, demokratischere Wege gehen als Facebook. Auf den Nutzer bezogen will Diaspora* aber die gleichen sozialen Bedürfnisse befriedigen, wie alle anderen Netzwerke auch.

Deshalb, und auch aus Gründen schierer Größe, ist es - realistisch gesehen - völliger Quatsch Diaspora* in irgendeiner Form als direkten Konkurrenten zu Facebook aufzustellen. In der Diaspora* tummeln sich momentan optimistisch geschätzt, knapp unter 200000 Mitglieder, während G+ die 50 Mio. überschritten hat und Facebook bei 800 Mio. Mitgliedern steht. Diaspora* ist eine Alternative zu diesen Giganten, sicherlich, aber bisher nur für wenige, wohl überwiegend technisch interessierte Menschen.

Diaspora* geht trotzdem mit Idee eines dezentral organisierten Netzwerks, in dem die User die Herren ihrer Daten bleiben, und als demokratische Alternative zu den Riesennetzen amerikanischer Firmen wesentlich weiter, als alle übrigen Ansätze in diese Bereich. Dieser Ansatz ist derart grundlegend und gut, dass er auf keinen Fall in der »Nerd«-Ecke stecken bleiben darf. Auch aus diesem Grund ist die Ausschließlichkeit und die Einschränkung, die der Begriff »Anti« vermittelt, ist also völlig fehl am Platz.

Nach meiner Auffasung muss Diaspora* den Nutzern anderer Netzwerke als weitere einfache und gut funktionierende Möglichkeit schmackhaft gemacht werden, übersichtlich und durchschaubar sozialen Tratsch zu pflegen. Man müsste jetzt sehr ins Detail gehen, um das zu erläutern. Ich führe aber mal nur einige kleine Beispiele an: Markdown ist eine schöne und schlichte Möglichkeit zum Gestalten seiner Posts. Ich mag das. Aber für den Otto-Normal-Nutzer aus Facebook ist das nicht zumutbar. Eine Timeline, die sich nicht automatisch aktualisiert und Beiträge, die nicht editierbar sind, wird die Mehrzahl der FB-sozialisierten Menschen nie akzeptieren. Da muss noch einiges passieren. 

Zurück zum Artikel. Der ist ansonsten leidlich informativ, wenn auch in einem weiteren Punkt nicht sauber recherchiert, denn der im Artikel angesprochene Diaspora-Pressesprecher Yosem Companys, hat diese Funktion nicht mehr inne:

Wie jedes soziale Netzwerk ist der Austausch unter den Mitgliedern das Hauptanliegen von Diaspora – allerdings mit einigen entscheidenden Unterschieden zu Facebook oder Google+. „Hinter Diaspora steht die Idee eines privatsphärefreundlichen, quelloffenen sozialen Netzwerks“, begeistert sich Kraft. „Diaspora ist eine Non-Profit-Organisation, die sich allein über Spenden finanziert.“ Der gewerbliche Verkauf oder die Weitergabe von Nutzerdaten an Werbeindustrie und Regierungen widersprechen fundamental der Philosophie von Diaspora. „Jeder soll seine persönlichen Daten selber besitzen und verwalten können und ganz genau bestimmen, welche Inhalte er wem zugänglich macht.“ Das geht so weit, dass jeder, der dies möchte, seinen eigenen Server aufbauen kann, der dann ins Diaspora-Netzwerk aufgenommen wird.
Diaspora* geht also einer ungewissen, aber hoffungsvollen Zukunft entgegen, die aber einer ihrer Mitbegründer nicht mehr erleben wird. Es ist in solchen Momenten deutlich spürbar: Das Leben ist soviel mehr als Bits, Bytes, Monitore und Statusmeldungen. Ich allerdings nehme die Pusteblume, das Sinnbild der Diaspora*, in diesem Fall als Symbol dafür, dass hier ein Mensch zwar zu früh gegangen ist, aber schon in seinen jungen Jahren an einer wirklich großen Idee mitgearbeitet hat, die für Menschen rund um den Globus in Zukunft vielleicht wichtiger wird, als wir uns jetzt vorstellen. Ilya hat seinen Baum gepflanzt.


Alberto - Diaspora*

Aufklärung geht anders

“Das Internet ist meine Front"
Das digitale Protestkollektiv Anonymous hat für den 5. November eine Attacke auf Facebook angekündigt. Ein Aktivist erklärt, was Facebook-Nutzern blüht. …

aus: Anonymous-Aktivisten gegen Facebook: “Das Internet ist meine Front” – taz.de

Ich weiß wirklich nicht, was ich von den Worten des Anonymous-Aktivisten in diesem taz-Interview halten soll. Ich muss vorweg schicken, dass ich mit Anonymous grundsätzlich Schwierigkeiten habe, weil es tatsächlich so zu sein scheint, wie der Aktivist erklärt:

Unter den Anons gibt es Linke, Anarchisten, Nazis, Kommunisten, Rassisten, Marxisten, Hippies, Aufklärer, Bürgerliche, Revolutionäre … …

aus: Anonymous-Aktivisten gegen Facebook: “Das Internet ist meine Front” – taz.de

Tut mir leid, Anonymous, aber erstmal ganz grundsätzlich: Ich organisiere, oder engagiere mich niemals Seite an Seite mit Nazis. Ich verstehe und unterstütze Eure Kritik am Raubtierkapitalismus, an den Schwächen demokratischer Strukturen und den Ungleichgewichten auf dieser Welt, aber das ist alles verhandlungsfähig, diskutabel und demonstrierbar. Die Neo-Nazi-Plage ist das nicht. Da ist das Ende aller Gemeinsamkeiten erreicht. Da gibt es keine Basis. Keine Akzeptanz.

Die für Samstag geplante Aktion gegen Facebook verstehe ich auch nicht. Eine »spam-artige Aufklärungskampagne« soll es werden. Aha. Mal ‘ne Frage: Habt Ihr denn aus den frühen Anarcho-Tagen des letzten Jahrhunderts nichts gelernt? Ihr denkt tatsächlich, wenn Ihr die fröhlich vor sich hin chattenden, spielenden, »tausendmal-gesehene-YT-Video«-veröffentlichenden Glücksnussöffner und Binsenweisheitenposter, wenn Ihr diese Leute – die sowieso nie Zeit haben und eigentlich gar nicht da sind – also in ihrem Treiben stört, dann denkt Ihr, dass die Euch uneingeschränkt und wohlwollend Zeit und Gehör schenken, wenn Ihr nach Eurer Ankündigung handelt und die »zuspammt«?

Das Internet ist meine Front. […] Facebook soll so stark wie möglich geschädigt werden. Ziel ist es, dass so viele Benutzer wie möglich Facebook verlassen.

Ehrlich? Das glaubt Ihr? Das ist ein Irrtum. Das Internet ist nicht »die Front«. Das Internet kann höchstens das Schlachtfeld sein, in dem Ihr Euch eine Front erstmal erarbeiten müsst. Auf der anderen Frontseite sind in diesem Fall aber auch die normalen User, die Ihr vor den Kopf stosst, wenn Ihr denen ihre digitale Zeit klaut. Die finden das nicht witzig. Nein, es ist noch besser: Die wollen gar nicht »befreit« werden.

Gibt es da wirklich keinen halbwegs begabten Küchenpsychologen unter Anonymous, der diesen naiven Irrglauben verständlich als solchen erklären kann? Das mag ich kaum glauben. Keine Sau wird wegen Eurer Aktion Facebook verlassen. Den Leuten gefällt’s dort. Keiner zwingt die zu irgendwas. Ihr schädigt Facebook damit auch nicht. Facebook ist wie das alte China mit seiner Mauer: Die Leute innerhalb dieser Mauer haben alles, was sie zum Leben brauchen. Die werden Euch in besten Fall verwundert anglotzen, wenn Ihr die Mauer erstürmt. Und besser noch: der Großteil wird’s nicht mal mitkriegen.

Genau wegen dieser sogenannten Freiwilligkeit ist Aufklärung bitter nötig. Unsere Kritik richtet sich gegen die Datensammelwut der Firma Facebook und dagegen, dass die Nutzer sich nicht im Klaren darüber sind, an wen Facebook die gesammelten Daten verkauft und was für Konsequenzen das für sie hat.

Wieder falsch. Das hat für diese Nutzer jetzt und hier überhaupt keine Konsequenzen. Besser noch: Das was Facebook macht, kennen sie seit Jahrzehnten von anderen Medien: Menschen nutzen das Medium und werden dafür mit Werbung zugeballert. Punkt. Der einzige Unterschied ist, dass man in Fb jetzt aktiv mitmachen darf, und das macht Spaß. Facebook ist eine Firma, die viel Geld verdient, weil sie viele Bedürfnisse ihrer Nutzer befriedigt.

Jetzt mal im Ernst: Denkt Ihr wirklich, die Leute wüssten mittlerweile nicht, was mit ihren Daten geschieht!? Jede Facebook-Seite vom kleinen Lokal-Blog bis zu den TV-Quoten-Marktschreiern hat solche Headlines im BILD-Stil im Programm: »Wisst Ihr was Facebook mit Euren Daten macht?«, oder: »Facebook essen Seele auf«. Das gibt »Quote« in Facebook. Das schauen sich die Leute an. Sie lesen es sogar, wenn es nur kurz und reißerisch genug gehalten ist, und dann sagen sie: » Ach Gottchen, ja … ich hab' ja nix zu verbergen.« Und das war’s dann.

Das ist aber nur der eine Teil der Facebook-Gemeinde. Der andere Teil besteht aus den Net-People, den Digital Natives, den Socialmedia-Fuzzies, den Altvorderen, den Mailbox-Überlebenden, den Seitenbetreibern und den ganz kleinen Blog-Hanseln wie mir. Wir werden unsere Artikel darüber schreiben, das Event ankündigen, und dann mit Popcorn vor den Maschinen sitzen und selber auf das Event warten – so wie an Silverster auf’s Feuerwerk. Hinterher schreiben wir dann darüber, um Quote und Öffentlichkeit zu machen. Inhaltlich natürlich eben je nach eigener mentaler Verfassung und digitalem Standort.

Das bedeutet im Grunde, dass Ihr diese Aktion ruhig so durchziehen könnt. Ihr werdet die Clowns mit den Masken sein, die einen Tag lang in Facebook Karneval der Kulturen gemacht haben. Fertig. Glaubhafte Überzeugungsarbeit geht anders. Die braucht Kontinuität, Dialog und Angebote. Es gibt Alternativen zu Facebook. Diaspora* und Friendika zum Beispiel. Ich bewerbe lieber die Alternativen und zeige, wie man dort digital leben kann.

Ich überlege die ganze Zeit schon, ob ich Euch gegenüber unfair bin. Ach verdammt, ich weiß nicht genau warum, aber Euer »Hurra, wir machen Facebook platt«-Geschrei nervt mich einfach. Das ist pubertär. Es ist gut, wenn sich Menschen engagieren. Es gibt viel zu viele Duckmäuser, Mitläufer und Gutmenschen aus Scheuklapphausen, aber verdammt, irgendwas passt mir nicht an Euch.

Ich denke, ich weiß was es ist: wenn ich jetzt eh schon dabei bin, mich bei Euch unbeliebt zu machen, dann kann ich das jetzt auch noch sagen. Mir passt der Faktor Anonymität nicht. Nicht hier. Man kann von diesem Land halten was man will, aber man kann sein Gesicht zeigen, wenn man seine Meinung sagt. Wir geniessen Meinungsfreiheit. Man muss hier nicht anonym bleiben. Man kann für seine Meinung einstehen. Klar, man muss Konsequenzen tragen, wenn man über verfassungsrechtliche Grenzen geht, aber das trifft doch alles nicht zu, wenn man nur mal Facebook kacke finden will.

Ich stimme Euren Datenschutz- und Datenhandelsbedenken in weiten Teilen zu, aber dazu muss ich nicht in einen Pseudo-Untergrund gehen. Das ist kontraproduktiv, weil es den »rechtsfreier-Raum«-Schreihälsen nur Munition liefert.

Kurz gesagt: Wir brauchen Aufklärung. Das seht Ihr richtig. Aber: Aufklärung geht anders.

PS: Bin trotzdem froh, dass es Euch gibt … irgendwie.

PPS: An alle, die dies lesen: Falls es Anonymous morgen doch schaffen sollte Facebook irgendwie lahm zu legen, schaut doch einfach mal in der Diaspora* und/oder bei mir vorbei.

Tagebuch eines Missverständnislosen - #8

Tagebuch-header

Ausgabe #8 vom Tagebuch befasst sich mit Gott und der Welt. Kleiner ging's wirklich nicht, denn ich hab' ja auch länger pausiert. Da muss man dann schon ein wenig ausholen, um den Faden zu verlieren.

Beim Stichwort »orientierunglos« fällt mir dann auch sofort ein, dass ich einige der Protagonisten in dieser Ausgabe erwähnen wollte: Merkel, Westerwelle, Papst, Gott. Die tauchen auch ungefähr in dieser Reihenfolge auf - und wieder ab.

Ein kleiner Hinweis noch: Diese Tagebuchausgabe hat einen Appendix, einen Epilog, einen Schwanz, einen Nachklapp, ein dickes Ende, eine Nachwirkung, Nachwehen, ein Nachwort, einen Ausklang, ein Nachspiel ...

Wer sich jetzt noch traut, kann ja klicken:

(download)

By-nc-nd

PS: Sorry, hatte eben aus Versehen eine alte Version von 2010 hochgeladen. Passt ja irgendwie ... Jetzt stimmt's aber. 8-)

Rattenfänger ohne Flöten

Seit kurzem erlaubt man den Nutzern, ungeborene Kinder nebst Opa, Tante und Neffe als Familienmitglied einzutragen (die futurezone berichtete).

Facebook perfektioniert die Kunden-Akquise der christlichen Kirche. Bei den Christen heisst das Kindstaufe und funktioniert so: Mache sie zu Mitgliedern, so lange sie sich noch nicht wehren können. Dann hast du auch lange genug Zeit um ganz offiziell -  denn es war ja der Wille der Eltern, und wer die AGB nicht liest, ist selbst dran schuld -  deine Ideologie in ihre Köpfe zu pflanzen.

Facebook, wie gesagt, perfektioniert dieses System jetzt und lässt die Eltern schon die ungeborenen Kinder in die Facebookgemeinde eintreten. 

Irgendwie sind sie sich doch auch ein wenig ähnlich die institutionalisierte Christenheit und Facebook, denn was schätzen beider Vereine User? Den gut durchorganisierten sozialen Service von der Wiege bis zur Bahre. Nur, dass Facebook auch hier wiederum noch etwas weiter geht, denn für das virtuelle Ableben braucht's keinen Schöpfr mehr - eine Verwaltung genügt: Facebook-Tod: Ich war ein anderer, und ein anderer war ich - Hintergründe - Feuilleton - FAZ.NET

Nackt auf dem Daten-Jahrmarkt

Passend zu den Themen Vorratsdatenspeicherung und Facebook, die gestern in Virtu(ell)nwaswirkönnen in den letzten beiden Artikeln Thema waren, kommt dieser Filmbericht von ZDFzoom "Hilfe, ich bin nackt". Die ZDFzoom-Redaktion hat mal genauer hingeschaut, welche Daten die Menschen ins Internet über sich entlassen. Es geht dabei um die großen Communities, die Bilderdienste, die Smartphones und die Programme, die sogenannten Apps, die wir nutzen.

Richtig interessant wird der Filmbeitrag beim Thema Smartphones und Apps. Da dürften viele Zuschauer mal die Luft anhalten. Doch auch die Geschäftsbedingungen der großen Communities sind ein Knaller. 

ZDFzoom: Hilfe, ich bin nackt!
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15.06.2011 22:45
ZDFzoom: Hilfe, ich bin nackt! 
Facebook, Google und Apple haben zusammen mehr Daten als jedes Einwohnermeldeamt. Wie nackt sind wir im Netz? Wir geben die Antwort in ZDFzoom.
VIDEO,Dauer: 29 Minuten
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Source: http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1359994/ZDFzoom-Hilfe,-ich-bin-nackt?flash=off

Es gibt über dieses Thema viel zu sagen, denn die Materie ist komplex. Natürlich geht es nicht nur um dämliche User, die naiv ihre Daten ins Netz blasen. Es geht natürlich auch um nicht aktuelle Gesetzgebungen, die es zum Beispiel Versicherungen noch erlauben solche Daten überhaupt zu verwerten und quasi völlig sinnverdrehend gegen diejenigen zu richten, für die sie da sein sollen. Hier ist der Staat gefragt, und damit natürlich der Bürger, denn wie man sieht, kann man sich nicht auf den Staat verlassen, wenn einer seiner Beamten öffentlich, wie im Filmbeitrag zu sehen, das Internet als rechtsfreien Raum bezeichnet. Ich würde hier als Innenminister im Boden versinken wollen, wenn einer meiner Beamten so einen Schwachsinn von sich gibt.

Genau das zeigt aber das Problem: Unsere Administration ist hoffnungslos mit der modernen Informationsgesellschaft und ihren Problemen überfordert. Darum ist es so wichtig, dass Bürger sich informiert und Meinung zeigt. Ich verweise an dieser Stelle noch einmal auf den Artikel "Vorratsdatenspeicherung - Sag Nein!" und die darin vorgestellte Unterschriftenaktion von Campact. Nehmt daran teil und verbreitet die Information. Wir müssen unser Datenproblem unter Kontrolle kriegen und die Politik alleine wird es nicht richten.

Ballermann-Facebook essen Toskana-Blog

Facebook ist übermächtig. Fast 700 Mio. Nutzer sind dort jetzt registriert. Obwohl gestern durch die Netz-Presse geisterte, dass Facebook nicht mehr so schnell wächst und in den USA die Nutzerzahlen im Moment sogar sinken, geben die Facebook-Macher die nächste Zielmarke aus: 1 Mrd. Nutzer. 

Facebook wird an die Börse gehen (geschätzter Wert: ca. 100 Mrd. $) und wird wohl versuchen in China Fuß zu fassen. Dafür werden wohl jetzt schon die Kotaus geübt, denn wie man von Google und den olympischen Spielen weiß, muss der Westen immer Kompromisse mit dieser Supermacht eingehen - meistens faule. Dafür erschließt sich dort aber ein gigantischer Markt und unglaubliche Expansionsmöglichkeiten, und wenn man eben abhängig von ewiger Expansion ist, dann macht man sich auch in Fernost zum Hans.

Wie dem auch sei, die Musik spielt in Facebook. Die Musik spielt sogar so laut in Facebook, dass vor der Tür fast nichts mehr los ist. Jedenfalls befürchten und erleben das die Internetpioniere, Blogger und die ehemaligen Web-2.0-Jünger im Moment offensichtlich so, denn man unkt:

Medien - Über die Zukunft klassischer Blogs
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Netzbeobachter haben einen neuen Trend ausgemacht, einen Trend zur Kürze. Das handelsübliche Bloggen, so raunen sie, werde in Zukunft von kurzen Statusmeldungen a la Twitter und Facebook verdrängt. Und einige prominente Blogger denken schon jetzt laut darüber nach, ob man seine Blogeinträge mittelfristig auch auf Facebook verlegen könnte.
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Source: http://wissen.dradio.de/medien-ueber-die-zukunft-klassischer-blogs.33.de.html?dram:article_id=10700

Das ist nun wirklich keine neue Erkenntnis, die DRadio Wissen da unters Volk bringt. Das Volk ist schon vor einiger Zeit im großen Dorf Internet angekommen und ist dort gleich in die größte und lauteste Kneipe gewandert: Facebook. Richtig ist auch, dass in Facebook mittlerweile fast jeder zum Blogger geworden ist, wenn er seine täglichen kleinen Geschichten zum Besten gibt, und seine Links teilt. Richtig ist auch, dass das qualitativ oft nicht sehr hochwertige Inhalte sind, und die Meinungsmache und das unreflektierte Verbreiten von Meinung Standard sind. Wobei man hier direkt fragen muss, wer das wohl beurteilt, und ob das tatsächlich das einzige Qualitätsmerkmal zur Beurteilung des Phänomens Facebook sein darf. Antwort: Geschenkt. Natürlich nicht. Die sozialen Funktionen, die eine Community wie Facebook oder Wer-kennt-wen übernehmen gehen weit darüber hinaus, was Blogs je gewesen sind. Man würde Äpfel mit Birnen vergleichen, wenn man da rein auf der Inhaltsebene diskutieren würde.

Eine andere Sache: Auch in den Blogs ist nicht alles hochwertig. Kurioserweise schießt mir in diesem Moment der Gedanke durch den Kopf, dass ich das doch alles schon mal gehört und gelesen habe, dieses Gerede über Qualität und alte und neue Medien. Ja ja, da schließt sich so der ein oder andere Kreis.

Auch kommen die Blog-Barone und ihre Anhänger in die gleiche Lage, wie ehedem Kirchens: wenn du deine frohe Botschaft unters Volk bringen willst, dann musst du eben dorthin, wo das Volk ist.

Facebook ist und bleibt Thema - das ist Fakt. Im Grunde machen die Selbstpublizierer im Netz die gleiche Nummer, wie die Kapitalisten in China: sie wollen und müssen dorthin, wo die Musik spielt und dafür gehen sie auch den ein oder anderen faulen Kompromiss ein.

Mir ist's weitgehend wurscht, denn weder schiele ich hier auf wahnsinnige Leserzahlen, noch mache ich mir die Hoffnung, dass ich neue Lesergruppen durch die Prostitution in Facebook finden werde. Man verstehe mich an dieser Stelle bitte nicht falsch, ich verurteile niemanden der dies tut. Das ist legitim. Ich aber habe hier meine Nische und die gefällt mir, so wie sie ist, weil sie so ist wie sie ist. Das ist nicht massenkompatibel. Das ist gegen den Trend. Das ist seltsam. Das ist in Teilen autistisch. Das ist ok. Fertig.

Was tue ich in Facebook? Meine bisherigen Ergüsse über Facebook, die Ballermann-Kneipe im Netz der Netze, kann man bei Interesse hier nachlesen: http://blog.jmatic.eu/?page=1&sort=&search=FAcebook

Ein Lied über Facebook ist auch schon raus gesprungen: Heute hier, morgen Facebook. Auch ins Tagebuch eines Missverständnislosen hat es Facebook bei mir geschafft. Ich habe, wie man unten sehen kann, eine Fanpage für Virtu(ell)nwaswirkönnen eingerichtet und tatsächlich haben sich einige Leute dorthin verirrt und haben die Seite abonniert. Genauso habe ich für jo$ kaos-i-lator eine Fanpage bei Facebook eingerichtet und erreiche tatsächlich ein paar Leute darüber. Allerdings bin ich ziemlich ignorant, was die Pflege dieser Seiten angeht. Ich bin da altmodisch und arrogant: für mich zählt der Inhalt. Die Vermarktung war noch nie mein Ding. Das ist mir weitgehend egal. Ich bin offensichtlich nicht sehr community-tauglich. 

Ich erkenne aber auch an mir, dass Facebook bewegt. Man kann es offensichtlich nicht komplett ignorieren. Es ist zu groß. Mir geht es mit Facebook so: Ich bin ein einfacher Junge vom Land. Ich fahre in eine Großstadt und schaue mich staunend und fasziniert um, lasse mich eine zeit lang in ihren endlosen Strömen mittreiben, und fahre dann wieder dankbar heim. Dankbar, weil ich das sehen durfte, und dankbar dafür, dass ich wieder fahren kann und nicht bleiben muss.

Virtu(ell)nwaswirkönnen und jo$ kaos-i-lator werden bleiben. Hier schreibe ich für mich und ein paar Leser. ... und das muss genügen.

Was macht Meinung?

„Kreuznacher Neuigkeiten“ (1) (Links, siehe unten) hat mich auf einen sehr interessanten Artikel bei Spiegel ONLINE (2) aufmerksam gemacht, der irgendwie auch so ein wenig mit meinem Artikel „Facebook-Fast-Food-Sodbrennen“ (3) zusammenhängt. Es geht darum, dass durch die in Facebook verwendeten Filter-Techniken, Inhalte für den Nutzer mittlerweile so stark gefiltert, oder auch „nach seinen Interessen ausgerichtet“ werden, dass er quasi fast nur noch zu sehen bekommt, was sowieso auf seiner Wellenlänge liegt, oder seinen Neigungen entspricht.

Inhalte und Meinungen von Kontakten, die nicht in dieses Muster fallen, werden von den FB-Filter-Techniken nach und nach aussortiert. Im Artikel steht zu lesen:

Es stimmt: Facebook zeigt standardmäßig jedem Nutzer eine andere, von Algorithmen berechnete Auswahl der Ereignisse in ihrem sozialen Umfeld an. Meldungen von jenen Menschen und Quellen nämlich, mit denen die Nutzer "am häufigsten interagieren" - so die vage Facebook-Formulierung. Das ist schon seit 2009 so. Erstaunlich an den immer wiederkehrenden Unmutsäußerungen von Mitgliedern ist vor allem das: Die Menschen merken monatelang nicht, dass Software für sie entscheidet, was relevant ist. Erst in dem Augenblick, in dem ihnen dieser Filter bewusst wird, fühlen sich einige bevormundet, getäuscht, entmündigt.
- aus: (2)

Ich habe dies selber schon in jo$ kaos-i-lator (4) bemerkt, denn für den kleinen kaos-i-lator gibt es eine sogenannte Fan-Page in Facebook. Das ist mittlerweile unumgänglich, denn eine Menge Leser bewegen sich fast ausschließlich noch innerhalb von Facebook. Will man solche Leser erreichen, muss man dorthin.

Jetzt war es aber so, dass ich bei einer Unterhaltung mit entfernten Bekannten, einen Artikel im kaos-i-lator erwähnte, der eine Lösung für eins ihrer Computer-Probleme bereithielt. Woraufhin klar wurde, dass der Bekannte sich vor geraumer Zeit kaos-i-lator-Artikel angesehen hat, nun aber länger schon keinen Artikel mehr angeklickt hatte. Daraufhin sind wohl heimlich still und leise die Benachrichtigungen aus meiner Timeline zu neuen kaos-i-lator-Artikeln aus seiner Timeline verschwunden, und er wusste überhaupt nicht, dass dort fast täglich neue Artikel erscheinen. Soweit zu meiner Erfahrung mit diesen Filtermechanismen.

Würde dieser Artikel also jetzt in jo$ kaos-i-lator erscheinen, hätte ich die kuriose Situation, dass vermutlich genau die Menschen, für die dieser Artikel ja gerade interessant wäre, ihn nie zu Gesicht kriegen. Im Spiegel-Artikel steht dazu ein guter Satz: „Wer Katzen mag, sieht eben keine Hundefotos.“ Diesen Umstand mag man jetzt mit Recht für eine kleine unbedeutende Seite wie den kaos-i-lator mit einem Schulterzucken abtun, aber in einem anderen Zusammenhang, wird dieses Phänomen doch interessant.

Der Spiegel-Artikel führt jetzt nämlich noch weiter, in dem er auf die gesellschaftliche und politische Dimension dieses Effekts eingeht, der mitnichten nur auf Facebook begrenzt ist. Das muss auch gesagt werden. Alle großen Netz-Firmen bedienen sich ähnlicher Techniken. Doch dazu muss ich kurz ausholen: Gestern schrieb ich etwas zum Phänomen der „Guttenberg“-Diskussion innerhalb von Facebook (5), denn die altvorderen Netzaktivisten machen sich derzeit Gedanken, inwieweit innerhalb von Facebook politischer Diskurs, politische Beteiligung und politische Willensbildung betrieben werden, oder eben nicht. Fakt ist ja, dass mittlerweile quer durch alle politische Überzeugungen Menschen in Facebook angekommen sind, und dort Meinung und Stimmung kundgeben. Diese Diskussion ist sicherlich richtig und wichtig. Sie kriegt aber durch die angesprochenen Filtermechanismen eine ganz neue Dimension, weil der langfristige Effekt offensichtlich der ist, dass man durch das fremdbestimmte Filtern aus dem Empfangsspektrum Andersdenkender ganz langsam und sachte ausgeblendet wird. Es sei denn, man sucht wiederum aktiv nach dem vermeintlich Uninteressanten. So entsteht möglicherweise unbewusst eine verzerrte Wahrnehmung, zumindest der digitalen Wirklichkeit.

Letztlich verstärkt der Facebook-Filter die Weltsicht des jeweiligen Nutzers. Wer sich diesen Mechanismus nicht bewusst macht, könnte den Eindruck gewinnen, die ganze Facebook-Welt sei fast einer Meinung - seiner. Eli Pariser schreibt gerade ein Buch über die "Filter Bubble", wie er die Auswirkungen der Filter-Algorithmen nennt. Bei seinem Vortrag sprach er von einer "unsichtbaren algorithmischen Redaktion" des Webs. Seine Befürchtung: "Wir bewegen uns in eine Welt, in der das Internet uns nur Dinge zeigt, von denen es denkt, dass wir sie sehen müssen, nicht aber, was wir sehen sollten." 
- aus: (2)

Man darf das jetzt sicherlich nicht überbewerten, denn im realen Leben filtern wir doch auch alle selbst: Ich  kaufe keine BILD und ich lese keine BILD - fertig. Ich gehe nicht zu McDonalds und drum esse ich auch nichts von dort - fertig. Sprich, ich kriege in der Regel nicht mit was bei BILD geschrieben und bei McDonalds verkauft wird. Der Unterschied ist aber, dass hier selber filtere, und so, zumindest ein bewusster Entscheidungs-Prozess vorangegangen ist.

Ich sag's mal zur Sicherheit: Ich gebe hier nur meine bisherigen Gedanken zu diesem Thema weiter. Das ist bei weitem nicht alles zu Ende gedacht. Interessant ist das Thema aber allemal und so darf ein Denkanstoss schon mal sein. Es führt mich auch auf meine Gedanken im „Facebook-Fast-Food-Sodbrennen“-Artikel (3) zurück: Man kann hier nicht nur der Technik die Schuld geben und erwarten, dass die Technik-Abteilungen bei Facebook und Konsorten unsere Wahrnehmung besser regulieren. Man sollte sich, wenn man schon diese Medien und Firmen nutzt, deren Arbeitsweisen und Bedingungen klar machen, und dann entsprechend seine Aktivitäten gestalten. Das Internet bewusster und dosierter nutzen ist, glaube ich, mittelfristig eine der wichtigsten Übungen für uns alle.

Links zu diesem Artikel:

Smoke on the Relevanz

„Smoke on the water“ - den alten Hit von Deep Purple lässt sich zu Guttenberg zum Abschied von einer Bundeswehrkapelle spielen.

Es tut mir leid ... Quark! Nein, es tut mir nicht leid, denn bei diesem Songtitel, der zum Abschied des „Herrn zu G.“ (bitte laut genauso aussprechen, denn es passt inhaltlich) gespielt wird, muss ich einfach wieder eins meiner Polaroids hervorkramen:

Burgeraufsichtspflichthinweis
Pola #5 - Bürgeraufsichtspflichthinweis

Den zusätzlichen Nebel auf dem Wasser mag man sich bitte vorstellen.

Wer übrigens sehen will, wie die Verfasstheit der Deutschen in Bezug auf das G-Thema ist, der folge bitte dem Link oben, denn der führt zu einem Kommentarstrang der „Aktuelle Stunde“, einem Informationsmagazin für NRW. Die beschäftigten sich, wie zu sehen, nochmal „kurz“ mit dem G-Thema, oder wollten das zumindest. In den Kommentaren ist jedenfalls sehr schön zu sehen, wie dieses Thema in der Facebook-Öffentlichkeit behandelt wird. Obwohl der kleine Eintrag eigentlich völlig harmloser Natur ist und eigentlich recht oberflächlich daher kommt, denn es wurde nur nach einem passenden Song für den G-Abgang gefragt, springt die FB-Öffentlichkeit darauf an, wie auf kein anderes Thema. Das zeigt auch die stattliche Anzahl von mittlerweile 176 Kommentaren. 

Es ist keine Diskussion - nur dass das klar ist. Man macht sich Luft.

Die Internetgroßkopferten unterhalten sich derweil hier „likes und kreuzchen - wirres.net, fachblog für irrelevanz“ gerade darüber, ob die Deutschen mittlerweile auch politisch in Facebook angekommen sind, und ob man das überhaupt als politische Beteilgung ansehen darf.

Ich sage dazu:

Die Deutschen sind politisch in Facebook angekommen. Sie haben sich beeilt, sind total ausser Puste, haben aber alles mitgebracht, was zur deutschen politischen Kultur schon immer gehört hat: Ihre Stammtische, ihre Plakate, ihre geliebten Zeitungsüberschriften, ihre Fußgängerzonenumfragen und -antworten, ihre Abendbrotphilosophien - und ich bin einer davon. Alles da. Was habt ihr anderes erwartet?