Virtu(ell)nwaswirkönnen  - das verspreche ich hiermit der Welt und ihrem Mann, dem Nichts.

Wulff weint

Wulff sorgt sich um die deutsche Demokratie

Bundespräsident Wulff betont, die Demokratie sei nicht unerschütterlich. Der Graben zwischen Wählern und Gewählten werde größer.

Die aktuelle Zweitbesetzung für's Bundespräsidentenamt weint. Er weint in ein Interview, dass er tieftraurig darüber ist, dass das Wahlvieh so schlecht zu den gewählten Politeusen ist.

Wulff hatte sich zuvor bereits besorgt über das schlechte Image von Politikern gezeigt. „Heute begleitet auch die Politiker viel Häme, viel Spott und viel Misstrauen – mehr als früher, und das kann so nicht bleiben“, kritisierte der Bundespräsident.

Mein lieber Herr Wulff, in einer Sache kann ich sie beruhigen: Nicht erst mit dem Schauspiel zu ihrer Wahl, haben die Berufspoliteusen das mitdenkende Volk zu Spott, Häme und Misstrauen getrieben. Nein. Das ist auch schon vorher passiert. Zum Beispiel mit fadenscheinigen Argumenten zum Erhalt der Atomstromgeldgenerierungsquellen, mit der fortgesetzten Zerlegung des Sozialstaats, mit den Bücklingen vor der Zockermafia und den anschließenden Vorwürfen der Chefpoliteuse, "wir" hätten über unsere Verhältnisse gelebt. Und so weiter. Und so weiter.

Nein, Herr Wulff, so wird ein Schuh daraus: Die Kollegen von denen sie sich haben wählen lassen, Herr Wulff, regieren über ihre Verhältnisse. Und weil dass so ist, sind Sie, Herr Wulff, kein Vermittler, denn Sie sind ganz klar einer aus dieser Politeusenkaste. Einer, der sich mit Postengeschacher und der Kapitalistenausführung des Terminus "manche sind gleicher als andere" bestens auskennt.

Er kündigte an, seine Amtszeit deshalb auch dem Thema Zukunft der Demokratie zu widmen. „Wie können wir wieder mehr Menschen motivieren, bei der demokratischen Willensbildung mitzumachen? Wie organisieren wir solche Prozesse, möglicherweise auch im Internet?“

Ganz einfach, Herr Wulff, durch überraschende, aufrüttelnde Maßnahmen: Treten Sie doch einfach mal zurück. So wie Ihr Vorgänger. Sagen Sie einfach, dass Sie das Gefühl haben, nicht die Mehrheit des Volkes hinter sich zu wissen, weil sie durch ihre Herkunft befangen sind. Schlagen Sie vor, dass der nächste Bundespräsident vom Volk direkt gewählt werden soll. Sagen Sie, dass gehöre zu Ihrer Vision zur Zukunft der Demokratie.

Sagen Sie, dass durch den ungewöhnlichen Schritt ihres Vorgängers sich ganz offensichtlich Chancen aufgetan und Interesse beim Volk geweckt wurden. Sagen Sie, dass sie registriert haben, dass Beteiligung und Meinungsbildung im Volk sehr wohl stattgefunden hat, bis sie von einem peinlichen Geschacher, der Ignoranz und dem Laienschauspiel Ihrer Berufskollegen jäh wieder erstickt wurde. Obendrauf garniert durch Sprüche wie: "... dass sei doch alles im üblichen demokratischen Rahmen abgelaufen."

Ja, Herr Wulff, das ist es, und genau darum wird der Graben zwischen Wählern und Gewählten größer, weil alles wie immer im üblichen Rahmen verläuft, während die Anforderungen an uns genau diesen aber schon längst gesprengt haben. Der Graben wird größer, weil die Menschen erkennen, dass die Politik mit den aktuellen Herausforderungen überfordert ist, und die Wirtschaft mit ihr Schlitten fährt. Der Graben wird größer, weil die Menschen erkennen, dass Politik das aber nicht zugeben kann, ohne sich selber in Frage zu stellen. 

Sie wollen Menschen motivieren, die in der Regelungswut dieses Staates ersticken? Denen keiner hilft die galoppierende Wachstumsgeilheit der Wirtschaft zu erkennen, zu verstehen und zu bremsen? Die in einem Land leben, welches nur noch die reiche Fassade putzt und schützt, im Inneren aber ein kompletter Sanierungsfall ist? Sie wollen Menschen motivieren, die nach Visionen und Hilfe in dieser Pappkulisse schreien?

Dann gehen Sie. Das wäre ein Signal für die Zukunft der Demokratie.

Machen Sie Platz für Menschen, die eigene Pfründe kritisieren, die visionäre Kurse vordenken und vorleben, und die an einer zukunftstauglichen Ethik aller Lebewesen, einschließlich des Planeten auf dem wir leben, arbeiten. Dann erledigen sich ihre Sorgen um die "Zukunft der Demokratie". Verstehen Sie mich nicht falsch, Herr Wulff, sie fordern schon etwas Richtiges und Wichtiges, nur leider aus den falschen Gründen.

Die Menschen, für die sie vordenken sollen, haben Probleme mit dem Inhalt des Kartons, den Sie Demokratie nennen. Sie aber wollen lediglich den Karton wieder zusammenkleben.

 

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veröffentlicht am 2.September.2010

Union Wulff gegen Rote Erde Gauck

... und sie regierten tragisch bis an Ende der Vernunft.

Ich habe fertig.

Ausserdem ist dies aber mein Beitrag zum Projekt Xaeon in Woche #25.

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veröffentlicht am 2.July.2010

Merkelwulffs SuperGAUck

Was ist bei mir hängen geblieben von der gestrigen Wahl des Bundespräsidenten?

Schwarz-Gelb braucht keine politischen Gegner, um in Schwierigkeiten zu sein. Frau Merkel hat heute Morgen noch nicht mal so viel Rückgrat, einzugestehen, dass gestern ihre eigene Politeusen-Mannschaft auf dem Platz fast eine komplette Arbeitsverweigerung hingelegt hat. Das Spiel ging nur wegen des Elfmeterschiessens nicht verloren, und weil der Gegner im Prinzip nur wie Christiano Ronaldo gespielt hat: Selber toll aussehen, Tricks zeigen, aber nicht kapieren, dass es höhere, mannschaftliche Ziele gibt. Die FDP hatte sogar derart die Hosen voll, dass sie Herrn Gauck noch nicht mal mit den eigenen Wahldrohnen reden lassen wollte.
 
Die Roten, eine Partei, die es nicht schafft einen vernünftigen Neuanfang hinzulegen, wirft der Linken vor, keinen Neuanfang zu schaffen. Trotzdem schafft Rot es, sich die Grünen als Wadenbeisser in beide Richtungen zu halten. Das nervt die Linke, die nämlich selber ein Underdog-Streuner-Image  á la “Wir-brauchen-kein-Herrchen”, ohne Rücksicht auf die Menschen, die sie eigentlich vertreten wollen, kultiviert.
 
Es ist die Wahrheit: Hätte Schwarz-Gelb Joachim Gauck nominiert, hätte Rot-Grün einen komplett anderen Kandidaten aus dem Hut gezogen, und hätte Gauck und Schwarz-Gelb genauso vorgeworfen, nur aus Parteikalkül zu handeln. Was ist der logische Schluss? Richtig. Rot-Grün hat auch nur aus Parteikalkül gehandelt.
 
Das zeigt: Ob jetzt letztlich Wulff oder Gauck - es hat eh eigentlich keine Rolle gespielt. Gauck ist ein Mann der analysiert, in Maßen querdenkt und dem man zuhört. Das wird er auch bleiben, ohne Präsident zu sein. Vielleicht werden ja alle die, die bis gestern vor den Kameras so sehr begeistert von Herrn Gauck waren, ihn im politischen Rampenlicht halten, damit Rot-Grün und das Volk seine weisen Worte vernimmt. Man kann eigentlich nur hoffen, dass Herr Gauck während seiner Kandidatur recht oft und häufig seine politische Grundhaltung zum Ausdruck gebracht hat, so dass Gabriel und Konsorten immer ein wenig Bauchzwicken hatten. Ich bin gespannt.
 
Wulff wird, wie seine Vorgänger ins Amt wachsen und es wahrscheinlich geniessen, in homöopathischen Dosen die Tagespolitik zu kritisieren. Er wird sein Schwiegersohn-Grinsen kultivieren und versuchen auf der Skala zwischen Hauruck-Herzog und Bedenkenträger-Köhler die Nulllinie zu finden.

Bis gestern Abend jedenfalls hat er genauso gelogen, wie alle seine Kollegen. Oder sagen wir, er verschwieg wesentliche Teile der Wahrheit. Er sagte zum Beispiel, dass in der Wahlkabine jeder nur seinem Gewissen verpflichtet sei. Das stimmt. Er sagte aber nicht dazu, dass jeder auch aus der Wahlkabine wieder rauskommt und dort dann das Parteigewissen auf ihn wartet.

Wulff ist ein Retortenpräsident aus Merkels politischem Genlabor, schnell zusammengeschustert aus einem alten Stammzellenvorrat. Jeder weiss das. Mit Gauck hat Rot-Grün aus den falschen Gründen den richtigen Mann dagegengestellt. Das ist auch nicht besser. Gabriel, Trittin und Konsorten haben ihre Masken dann auch nach dem ersten Wahlgang fallen lassen. Redeten Sie vorher nur und ausschließlich über den “Kandidaten-für-alle” Gauck, und lobten ihn bis über jede Schmerzgrenze hinaus (bestimmt auch ihre eigene), war nach dem ersten Wahlgang nur noch die Häme über Schwarz-Gelb das Thema.

Zu den Linken: Es war in Ordnung, was ihr getan habt, aber auch ihr habt es aus den falschen Gründen getan. Ihr seid einfach nur kindisch gewesen. Soll ich mal eine Eurer Begründungen, warum Herr Gauck für Euch nicht wählbar war, übersetzen? Soll ich? Ok. Achtung: “Den Gauck wähl ich nicht, weil der allen gepetzt hat, dass ich in der Stasi war.” So hört sich eins Eurer Linken-Argumente umgangsprachlich an. Tut weh, gell, wenn man's mal so hört, wie Volk es sagt. Schämt Euch.

 Als Bürger dieses Landes sage ich heute Morgen: Ich hab' mich für meine Politiker gestern geschämt. Ob das Volk jetzt letztlich Wulff oder Gauck gewählt hätte ist Kaffeesatzleserei. Sicher aber ist, dass es so ein Polit-Schmierentheater nicht will. 
 
Ja, Frau Merkel und ihre Politeusen haben gestern einen Super-GAUck produziert. Das Schlimme an solchen Unfällen ist immer nur, dass wir alle davon verstrahlt werden.
 

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veröffentlicht am 1.July.2010

Präsidentenrallye - Teil 2

Präsidentenpoker und Sparhammer - bekommt Schwarz-Gelb noch die Kurve?

Information

Über die schwarz-gelben Schicksalstage diskutieren Oskar Lafontaine (Die Linke), Edmund Stoiber (CSU), Manuela Schwesig (SPD), Martin Lindner (FDP) und Hans-Ulrich Jörges.


Quelle: NDR

Warum sind viele Deutsche politikverdrossen? Vielleicht, weil sie von solchen Diskussionen und Politikerauftritten die Schnauze voll haben, wie sie gestern Abend in der ARD bei “Anne Will” wieder zu erleben waren. Ich empfehle, dem Link oben zu folgen und die Sendung anzuschauen. Es schmerzt, aber mit den geeigneten Fragen im Gepäck kann man viel lernen.

Zur Sendung: Na ja, das wäre dann doch zu einfach. Politikverdrossenheit hat viele Gründe. Allerdings ist der Gesprächsbeginn zwischen Frau Scheswig (SPD) und Herrn Lindner (FDP) wirklich bezeichnend: Es ist ein Spiel! Das Schlimme ist nur, dass es ein blödes, langweiliges und leicht durchschaubares Spiel ist. Da kommt man sich blöd vor, wenn man mitmachen und zuschauen muss.

Liebe Frau Scheswig, jeder weiss, dass die stärkere Gruppierung einen Kandidaten aufstellt, der ihre Interessen vertritt. Insofern ist Herr Wulff einfach ein Kandidat zur bevorstehenden Wahl des Bundespräsidenten. Fertig. Mit ihrer schwarz-weiss Gegenüberstellung haben sie dem FDP-Mann eine Vorlage geliefert, die sogar ein Stürmer in der Kreisklasse verwandelt. Das ist taktisch so was von anfängerhaft, dass man der SPD-Führung einen guten Trainer wünscht.

Im Übrigen weiss ich jetzt auch wieder, was ich an Herrn Stoiber immer so katastrophal fand. In mir regt sich immer ein Helferreflex, wenn der Mann redet: Man möchte helfen, für ihn formulieren und ihn leise bitten, doch den Mund zu halten. Es kann sogar sein, dass der Mann was zu sagen hat, allein, man findet es in seinem Gestammel nur selten heraus.

Es tut mir auch nicht leid, sagen zu müssen, dass die ersten interessanten Worte von Herrn Jörges kamen (obwohl ich ansonsten kein Fan von ihm bin), der der SPD wohl ein paar Herzrhythmus-Störungen verpasst hat, in dem er wohl eine Regel des Spiels brach, weil er aus dem Nähkästchen plauderte.

Die nächsten, wenigstens bedenkenswerten, Worte sprach, wie immer, klar und deutlich Herr Lafontaine. Er tat das, was er schon immer gut konnte, er analysierte und legte mit ein paar Fragen gleich mehrere Finger, in mehrere Wunden. Dass er die richtigen Wunden traf, merkte man am, gut vernehmlichen Aufruhr nach seinen Worten. Man mag von Herrn Lafontaine halten, was man will, aber in diesem Gespräch war er derjenige, neben Herrn Jörges, der das Gesprächsniveau nicht ins Bodenlose sinken lies.

Ich teile nicht seine Meinung, dass Herr Gauck den Aspekt der “sozialen Freiheit” ausblendet. Das würde ich ihm nicht unterstellen. Er hat ihn bisher vielleicht nicht zu seinem ureigenen Thema gemacht. Das mag sein. Er hat dafür andere wichtige Themen durchdacht und öffentlich diskutiert. Ihm vorzuwerfen, dass er nicht die politisch-gesellschaftliche “Eierlegendewollmichsau” ist, ist ja auch etwas dünn. Ich bin sicher, sie dürfen ihn im Falle seiner Wahl gerne darauf ansprechen, lieber Herr Lafontaine. Mit Sicherheit wird er sich dann damit qualitativ genauso wertvoll auseinandersetzen, wie mit seinen bisherigen Themen.

Die Linke hat durch ihre personellen “Altlasten” Probleme mit Herrn Gauck. Fertig. Das kann auch Herr Lafontaine nicht wegdiskutieren, egal, wie seine persönliche Meinung ist.

Auch hier analysiert Herr Jörges in der Nachrede zu Lafontaine vieles richtig. Gute Güte, jetzt musste ich ihn schon zweimal loben. Wobei dieses Lob abrupt bei seiner Erwähnung von Ursula von der Leyen endet. Lieber Herr Jörges, wenn sie wirklich glauben, dass das Frauenbild von Frau von der Leyen ein modernes ist, dann möchte ich gerne von ihnen wissen, wo sie die letzten 50 Jahre zugebracht haben.? ;)

Gauck ist jetzt also der Gegenkandidat von Rot/Grün. Die Aktion von Martin Oetting, die ich in den vorigen Artikeln hier schon erwähnte, hatte auch viele andere Namen nach oben gespült, die ich sehr interessant fand: Finale Bundespräsidenten-TagCloud. Und: wir für Gauck! - MHO

Für mich zeigte der ruhige und sachliche Verlauf dieser Aktion, dass eine politische Diskussion und Willensbildung im Netz möglich ist. Das ist ein zarte Pflanze, die man pflegen muss. Da stimme ich Martin Oetting zu.

Wen unterstützt man jetzt? Wie äußert man sich weiter? Ist es sinnvoll weiter im Netz “Wallung” zu machen?

Es ist sicherlich sinnvoll, weiterhin zu diskutieren und Willensbildung zu betreiben. Ob man das jetzt mit dieser Aktion tut: Wir für Gauck, oder ob man sich anderweitig äußert, muss man nun selber rausfinden.

In jedem Fall zeigt die augenblickliche Diskussion um den nächsten Bundespräsidenten für mich sehr deutlich die desolate Verfassung unseres politischen Personals und die demokratischen Möglichkeiten einer offenen Netzkultur. Wir sollten das nutzen unsere Kinder werden es uns danken.

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veröffentlicht am 7.June.2010

Präsidentenrallye

Auf Twitter wir gejubelt, weil Ursula von der Leyen nicht neue Bundespräsidentin wird. Der tatsächliche Kandidat Wulff ist den Usern weitgehend gleichgültig.
via zeit.de

Frau von der Leyen wird's nicht. Das ist für mich die gute Nachricht. Die schlechte Nachricht ist, dass sie dann halt bleibt, wo sie ist, und weiterhin Realpolitik verursacht. Randbemerkung: Ohne nach dem Verursacherprinzip wirklich dafür gerade stehen zu müssen.

Bei ZEIT-ONLINE und bei SPIEGEL ONLINE ist man offensichtlich der Meinung, dass die Bewegung im Netz doch vernehmbar war. Das wäre eine gute Nachricht. Auch weil die spontane Aktion von Martin Oetting ziemlich inspirierend war, und die Möglichkeiten einer demokratischen Willens- und Meinungsbildung im Netz aufgezeigt hat.

Nach dem Willen von Frau Merkel soll jetzt aber Christian Wulff rein ins höchste Amt der Republik. Der tut wirklich keinem weh. Vielleicht geht es dem Leser dieser Zeilen ebenso wie mir, immer wenn ich diesen Namen lese: Es macht im Hirn erstmal “...”, dann nochmal “...” und dann schließlich “Pffff ... ah, der mit der Brille.” In einem anderen Artikel bei ZEIT-ONLNE steht eine gute Beschreibung für Wulf: “Geräuschlos”.

Wulffs Kür führt vom Chaos zum Stillstand       

Die Koalition hat die Kandidatensuche hinter sich gebracht. Doch die Auswahl Christian Wulffs verdeutlicht: Inhaltlich eint das Bündnis nichts.

via zeit.de

Christian Wulff tut wirklich keinem weh. Das aufregendste an C. Wulff, zumindest für die Presse, ist bisher wohl seine Frau. Nur weiss man jetzt wieder nicht, ob das die gute oder die schlechte Nachricht ist. Ich hielt Horst Köhler nie für einen guten Präsidenten, denn der tat auch niemandem weh, und arbeitete eigentlich nur an seiner Gutmenschen-Vita. Das ist zuwenig, wie sich herausgestellt hat.

Der Bundespräsident kann realpolitisch nicht viel ausrichten. Das ist richtig. Er kann der Regierung nicht tagespolitisch ins Handwerk langen, aber(!) das kann die Regierung ihm auch nicht. Er kann sein Amt nutzen und von aussen reflektieren. Das tat Köhler nie. Jedenfalls nicht so, dass es irgendeinen Eindruck bei mir hinterlassen hätte. Ob Christian Wulff das tun wird, wage ich zu bezweifeln. Der wird von Frau Merkel entsprechend gebrieft werden. Da kann man wirklich nur hoffen, dass ihm die Freiheiten des Amtes irgendwann zu Kopfe steigen und er sich emanzipiert. Ich weiss aber noch nicht mal, ob er überhaupt das Potential dazu hat. Angela Merkel hält Wulff für befähigt, weil er “[...] einem Wertesystem verhaftet ist, dass auch Orientierung gibt. [...]” Aha. Na, das bin ich auch, wenn ich im Straßenverkehr die Regel “rechts vor links” zum Schutze meiner Mitmenschen achte. Es tut mir leid, aber mit solchen inhaltsleeren Floskeln kann man auch die Monarchie wieder einführen

Unabhängig von allem parteitaktischem Geplänkel und den unintelligenten Schranken, die einem dieses System in diesem Fall auferlegt, wäre für mich immer noch Gesine Schwan die ideale Kandidatin. Diese Frau hat während ihrer Kandidaturen wirklich beeindruckt. Die Opposition stellt Joachim Gauck als Gegenkandidaten auf. Das ist in Ordnung, weitgehend sinnfrei, und schon wieder nicht mehr als tagespolitisches Geschäft. 

In jedem Falle bin ich froh, dass ich die “Nicht mein Präsident”-Buttons wieder einmotten kann. Grund zum Jubeln kann ich allerdings nicht erkennen.

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veröffentlicht am 4.June.2010

Die Zeit für Vorschläge

ist hier und jetzt.

Manchmal kommt einer aus dem Nichts daher mit einer guten Idee. So geschehen bei Martin Oetting, von dem ich bis heute Morgen noch nichts gelesen hatte in der weiten Netzwelt. Doch, der Reihe nach.

Im Grunde geht es um die bevorstehende Wahl, in der ein neuer Bundespräsident, respektive eine neue -entin gewählt werden soll. Die regierenden Politeusen dieser Republik favorisieren Menschen - und wollen offensichtlich solche zu Kandidaten machen - die ich so was von überhaupt nicht akzeptieren kann, dass ich mich tatsächlich an den Rand meines Demokratieverständnisses bewege, indem ich sage:

Nicht mein Präsident! Auch wenn dieser Mensch legal und unseren demokratischen Regeln und Verfahrensweisen entsprechend gewählt wird, wird diese Person (Ursula von der Leyen) nicht meine Präsidentin sein.

Die Gründe dafür sind vielfältig, und hier - eigentlich recht gut zusammengefasst - zu erlesen: Politisches Leyen-Spiel

Nun, ist es einfach zu sagen: “Ich will diese Teppich nicht kaufen.” Das ist eine Binsenweisheit, und die wird im Netz auch auf unterschiedliche Art und Weise formuliert. Die nächste Binse ist die, dass die politisch interessierten Menschen im Netz, die oft, und oft auch gut, Politisches formulieren, im Vergleich zur Gesamtbevölkerung in Deutschland nur ein verschwindend kleines Häuflein sind, die nicht wirklich Einfluss auf Volkes Stimme haben.

Das weiss ich nicht.

Manchmal erscheint mir das auch so. Manchmal glaube ich aber, dass der Chaoseffekt (Schmetterlingseffekt) auch hier im Netz wirkt, nur eben (noch) nicht verifizierbar.

Wie auch immer man das sieht, entbindet es uns doch nicht davon Meinung kund zu tun, und hier kommen Leute ins Spiel, die genau das formulieren: Lasst uns doch, wenn wir schon gegen einen zu erwartenden Kandidaten sind, einfach mal Gegenvorschläge formulieren. Nicht, dass das nicht schon längst geschehen wäre. Da formuliert Nico Lumma nur die nächste Binsenweisheit, aber er hat recht, wenn er sagt, dass man sammeln muss.

An dieser Stelle kommt Martin Oetting ins Spiel, denn er hatte die Idee, dass man simpel und einfach einen Blog-Artikel hernimmt (nun ist es, der Einfachheit halber, sein Artikel geworden) und die Leute auffordert, dort in den Kommentaren ihre Vorschläge für Kandidaten zum Bundespräsidentenamt zu hinterlassen. Daraus kann man dann nach einiger Zeit eine Tagcloud/Schlagwortwolke generieren, die ein Stimmungsbild abgibt. Anschliessend könnte man dann per Twitter/Twittpoll eine Abstimmung über die zehn meistgenannten Namen machen.

Warum nicht. Das ist einfach, tut keinem weh, und bewirkt im schlimmsten Fall nur, dass wir tatsächlich wirklich nicht wahrgenommen werden. Wir haben aber zwei Dinge getan: 1. Uns Meinung gebildet, 2. Diese Meinung kund getan. Das ist Bürgerpflicht.

Darum meine Bitte an die Menschen, die dies hier lesen: Ich weiss, dass hier viele Menschen mitlesen, für die Begriffe, wie Tagcloud und Twittpoll absolut böhmische Dörfer sind, und die mit dem, was die Freaks da draussen “Web 2.0” nennen, überhaupt nix anfangen können. Bitte informiert Euch in diesem Falle einfach mal, indem Ihr den Links folgt und Euch ein wenig Wissen erlest. Es ist kein Hexenwerk. Vor allem aber: Lest Euch den Artikel von Martin Oetting durch und gebt dort einen Kommentar dazu ab, in dem Ihr schlicht nur Eure Kandidatenwünsche formuliert. Danach gebt die Information über die Aktion einfach weiter (per Mail, Blog, Facebook, Wer-kennt-wen, Brief, Mundpropaganda, etc.), damit wirklich viele Leute daran teilnehmen. Danke.

Falls trotzdem jetzt bei einigen Leuten Fragen aufkommen, dann gilt auch hier jetzt die alte Regel: Bei Fragen fragen - hier und jetzt.

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veröffentlicht am 3.June.2010

Nicht mein Präsident

“Nicht mein Präsident”
 

Sie ist nicht mein Präsident! Auch nicht “-in”! Auch wenn sie es wird: Sie ist nicht meine Präsidentin! Mehr gibt es dazu im Moment nicht zu sagen, denn ich würde im Zorn sprechen.

 
Wer mag darf diese kleinen gif-Animationen (Blogs, Seitenleisten, oder wo auch immer) verwenden, denn sie stehen für den guten Zweck natürlich unter CC.
 
     
Click here to download:
Nicht_mein_Prsident.zip (130 KB)

abgelegt unter  //   Bundespräsident   CDU   Merkel   von der Leyen  
veröffentlicht am 2.June.2010