Meine Damen und Herren, liebe Kinder,
ich möchte vor diesem Blog ausdrücklich warnen!

 

Es sendet auch außerhalb der internetüblichen Sendezeiten - zwischen 22 und 6 Uhr - Beiträge zu Intelligenz-Dilettantismus und Missverständlosigkeiten.

 

An alle privatwirtschaftlichen Jugendschützer mit monetärem Eigeninteresse: Ich kam schon abgemahnt auf die Welt, aber auch mir ist klar: Platz für Gier ist im kleinsten Hirn!

 

jo jmatic im Überblick

Nach unten, zu den Seiteninfos!

Posterous theme by Cory Watilo • customized by jo jmatic

Frontberichte vom Leben - 22.12.11

tl;dr –> Alles wird gut – irgendwie irgendwo. Ich darf jammern. Steht in der Verfassung im Grundgesetz.

Liebes Internettagebuch, es ist niederschmetternd: auch die längste Nacht endete zu früh für mich.

Trotzdem glaube ich, dass das ein Wendepunkt ist. Alles wird wieder besser und heller werden. Hilft mir nur jetzt nix – bin müde. Mir fallen die Augen zu. Da helfen auch die Kreditklemmen nicht, von denen die jetzt alle reden. Ich seh’s doch gerade vor mir: kommen doch nur niedrige Zinssätze raus. Wer will denn so was lesen?

Eigentlich könnt' ich ja weiter schlafen und darauf vertrauen, dass meine gewählten Volksvertreter die Augen für mich offen halten und für den rechten umfassenden Weitblick sogar schwindelnde Höhen erklimmen, z. B. den Guttenberg. Die verstehen das System aber nicht richtig: denn der Politeusen-Blick ist dort oben, wo die Luft zu dünn zum denken atmen ist, immer schön in die Ferne gerichtet, darum merkelt auch keiner was von der bedingungslosen Grundmüdigkeit auf der Talsohle.

Ach egal. Interessiert ja eh keinen, was ich schreibe, hier auf’m Internet-Land, in der Diaspora, wo sich schon nicht mal mehr Wulff und Unternehmer gute Nacht sagen. Dabei sollten sich die Großstadtfuzzies an uns hier auf’m Land ein Beispiel nehmen: unsere Banken sind gerettet. Und wer hat’s getan? Der Gemeindediener – ganz allein.


Heimat – jo.jmatic – Picasa-Webalben

Der Mann weiß, wo man die Hebel ansetzen muss. »Gemeinde« und »Diener« ? Das erinnert mich an …? Hmmm … Ah ja! Staatsdiener. Tse, Irrsinn, was? Man kann nicht mit ihnen, man kann aber auch nicht ohne sie. Oder?

Jetzt werden die Tage wieder länger. Ja, das Leben ist ein ewiger Kreislauf.


via (Bild) – netcrap in a soup

Die Guttenberg-Verteidigung

tl;dr –> … nicht so wichtig; klick weida, Alda.


Quelle: Polaroids – jo.jmatic – Picasa-Webalben

«Der Bundespräsident macht eine hervorragende Arbeit, und das, was im Raume steht, wird von ihm persönlich aufgeklärt», sagte Merkel am Montag am Rande eines Besuchs der Bundeswehrsoldaten im Kosovo. «Deshalb glaube ich, dass es wichtig ist und richtig ist, dass heute auch bestimmte Dokumente eingesehen werden können, und dass alles für die Aufklärung getan wird.» Die Kanzlerin ergänzte: «Ansonsten hat der Bundespräsident mein vollstes Vertrauen.»

Quelle: Bundespräsident: Merkel hat vollstes Vertrauen zu Wulff | ZEIT ONLINE

Ich nenne das

»die Guttenberg-Verteidigung«*.

Warum? Darum:

Merkel hatte bereits am Montag noch vor Guttenbergs Rede signalisiert, ihn wegen der Plagiatsvorwürfe als Minister nicht einfach fallen lassen zu wollen. Sie habe Guttenberg nicht als wissenschaftlichen Assistenten oder Doktoranden ins Kabinett geholt. „Mir geht es um die Arbeit als Bundesverteidigungsminister. Die erfüllt er hervorragend, und das ist das, was für mich zählt“, hatte die Kanzlerin gesagt.

Quelle: Plagiatsaffäre: Merkel unterstützt Guttenberg nach Doktor-Verzicht – Nachrichten Politik – Deutschland – WELT ONLINE

Same procedure as every year: Frau Merkel hat ja Herrn Wulff schließlich nicht als atypische, klüngelfreie, unabhängige, glaubwürdige und ehrliche Politikranderscheinung ins Amt geboxt; da hätte dann ja auch gleich Köhler bleiben können, oder aber Gauck es werden können. Nein, Frau Merkel wollte den Parteisoldaten Modell »Wackeldackel mit genetisch eingepflegter Beißhemmung« in dieser vorgeschobenen Stellung. Genau diesen Job hat Herr Wulff bisher ja auch hervorragend und entsprechend der Merkelchen Stellenausschreibung erledigt. Frau Merkel sieht es, und drückt es also folgerichtig aus, wie bei zu Guttenberg: »Der Mann funktioniert, tut das, was ich von ihm erwarte und drum kümmert’s mich nicht die Bohne, was da moralisch schleift, solange es juristisch nicht relevant ist. Klar soweit!?«

Ob Wulff gehen darf oder bleiben muss, ist mir fast wurscht, denn erstens hat die Beschädigung des Amtes schon mit dem Rücktritt Köhlers und der Bevorzugung der Berufspoliteuse Wulff gegenüber dem Zeigefinger-Nutzer Gauck stattgefunden, und zweitens hat eine Nation, die eine Merkel, einen Westerwelle, eine von der Leyen, einen Rösler und einen Seehofer erträgt, mit einem juristisch abgesicherten Präsidenten Wulff kein Problem, oder!?.

Ich wollte jetzt noch was zur Lernfähigkeit von Frau Merkel sagen, aber … och nö. Ich wollt' auch mal die Frage stellen, ob’s schon die »Lasst Wulff in Ruhe«-Facebook-Gruppe gibt, aber … och nö.

Ich hab' aber gerade noch ein Synonym für »Politiker, die im Trüben fischen« gefunden: »mischmaschmeyern«*. Damit kann man das böse Aktiv im bisherigen Ausdruck vermeiden und das Passiv betonen: »Sorry, ich wurde gemischmaschmeyert. Ich hab’s aber nicht bemerkt. Ich hab' das nicht gewusst.« Das Volk denkt dann: »Boah, der war voll Opfa!«. Das verhindert zwar nicht den Rücktritt, macht aber den runderneuerten Wiedereinstieg früher wieder möglich. Interessierte Politiker können sich ja bei mir melden, wenn sie diesen Ausdruck kommerziell nutzen wollen.

Quelle: Polaroids – jo.jmatic – Picasa-Webalben

* = copyright ganz viermal by jo jmatic, 2011

** = copyright immer zweimal mehr by jo jmatic, 2011

Neues von den nicht existierenden Reihen - #211211


Design You Trust – Design Blog and Community | Facebook

jo hat im Pixelversum eine Television erfahren. jo hat im Pixelversum eine Television erfahren. jo hat im Pixelversum eine Television erfahren. Sie wiederholt sich andauernd:

Fernsehen bleibt fernsehen, egal, welche Kacke gesendet wird. Oder umgekehrt. Egal.

  • aus der nicht existierenden Reihe in der Diaspora*: »Nein, Herr Gottschalk wird die Weihnachtsansprache nicht übernehmen. Sendet doch eine alte vom Scheel.«

#TV #Kacke #3D #stinktaberleidernochnicht #alleswiederholung #Bundespräsident #Skandalhin #Skandalher #diepensionpasst #immerdasgleichemitdenpolitfuzzies #auchdasisnixneues #Fun #Humor #stopmakingsense #ichbineintag #ichbinaucheiner

zu abonnieren unter: #nonexistent

Frontberichte vom Leben - 19.12.11

Weihnachtsmarkt am 4. Adventssonntag.

tl;dr –> Ich war Markt. Weihnachtsmarkt.

Der besinnliche Straßenfastnachtsweihnachts-Wahnsinn hat am letzten Adventssonntag vor Weihnachten seinen massenhysterischen Höhepunkt erreicht – und ich war dabei.

Ja, ich war dabei. Ich habe ihn gesehen, den Pommesbudenbesitzer mit batteriebetriebener selbstbewegter Weihnachtsmannmütze und die Bratwurstfachverkäuferin mit goldenen, aber viel zu kleinen, viel zu eng verschnallten Engelsflügeln. Ein Anblick, der einen überlegen lässt, ob die Dame nebenbei noch zusammen mit Knecht Ruprecht einen Dominaservice an den Weihnachtsfeiertagen anbietet.

Ich hab' dieses Gesamtkunstwerk also betrachtet. Nein, schlimmer: Ich hab' sie angestarrt. Lange Momente hab' ich einfach nur gestarrt. Bis ich durch meine Geruchswahrnehmungen, die der ästhetischen Qualität des optischen Eindrucks angepasst waren, abgelenkt wurde. Ich glaubte, das mittelalte Pommesöl mit hoher Kilometerleistung hätte eine gebrannte-Mandel-Note. Dieses äußerst zweifelhafte Geruchserlebnis wurde durch den Süßwarenstand links nebenan ermöglicht. Aber diese Note war im nächsten Moment schon wieder verschwunden und wurde durch einen penetranten Glühweingeruch vom Stand zur Rechten, zu einem völlig neuen Geruchsinferno ergänzt. Der komplette olfaktorische Overkill trat aber erst ein, als die traditionelle »Süße-Waffel-mit-Kirsch«-Wolke vom Stand gegenüber dieses Inferno komplettierte. Die Geruchsverarbeitungseinheit in meinem Hirn kapitulierte und gab die Empfehlung zum sofortigen Rückzug.

Ich folgte diesem Rat und entfernte mich aus der Ecke der kulinarischen Herausforderungen. In absolut genialer Art und Weise hatten die Planer des Marktes die Streckenführung aber so angelegt, dass man auf dem Weg zur kulinarisch-weihnachtlichen Sinnesinsel in jedem Fall an der Muschelbühne mit lebensgroßer Kripeninstallation vorbei musste. In Endlosschleife lief dort die Weihnachtsgeschichte in einer Soundqualität, die – wahrscheinlich als Kunstgriff – dem Hörer einen Eindruck davon geben sollte, wie schlecht zu Zeiten von Josef und Maria die Langwellenempfänger noch waren. Jedenfalls will ich das glauben, denn ansonsten müsste ich vermuten, dass der örtliche Friedhofsgärtner die Geschichte per Megafon auf ein altes Achtziger-Jahre-Diktiergerät aufgesprochen hat, und das ganze Werk anschließend immer noch Jahr für Jahr auf eine neue Eisenoxyd-Cassette überspielt wird. »Nix wie raus da.«, dachte ich. Raus da bevor die Stelle mit dem Tiergeräuschen wieder kommen konnte. Ich krieg' ja schon bei Horrorfilmen Albträume.

Weiter auf dem Markt: Rote Nikolausmützen all überall. Vermehrt auch in der schon erwähnten batteriebetriebenen Selbsterreger-Variante. Endlos viele Verkaufsstände in Reihe und in Weihnachtsdeko. Ok, das muss man auf einem Weihnachtsmarkt erwarten – aber in Pink!?

Nicht in Pink gehalten waren die kleinen, ebenfalls batteriebetriebenen Santaklausrentierschlitten mit Propeller, die von Verkaufsgestellen baumelten und mit einer derartig abartigen Geschwindigkeit im Kreis rotierten, dass sie wie die NASA-Testmaschinen wirkten, in denen Astronauten hohen G-Kräften ausgesetzt werden. Man schaut fasziniert auf dieses Kreiselmassaker, und wartet wie hypnotisiert darauf, dass die Rentiere gleich im Rudel kotzen. Hohohoo.

Total heimelig waren auch die neuen und an jedem dritten Stand installierten, total weihnachtlichen Mini-Lasershows in grün-rot, … und pink. Sie zeichneten derart irrwitzige Muster auf die Plätze vor den Ständen, dass die Weltraumgefechte bei »Star Wars« wie Kindergeburtstag wirken. Ich nehme an, dass auf den Unterseiten der Geräte Epilepsiewarnungen aufgedruckt sind. Beim Anstarren dieser besinnlichen ADS-Weihnachtsdeko sind spontane Christkind- oder Alienerscheinungen – verstärkt nach dem Genuss von vier bis fünf Glas Glühwein – durchaus wahrscheinlich. Wahrscheinlich war das auch der Grund, warum vor diesen Ständen soviel Betrieb war.

Doch es gab auch Traditionelles: Weihnachtspyramiden, Räuchermänner und -stäbchen, Duftkerzen und Tee. Diese Dinge wurden auch in einem kleinen Stand am Rand des Marktes angeboten, der nur von Kerzen beleuchtet wurde. Stand man direkt davor, konnte man auch die leise Musik vernehmen, die von einem kleinen alten CD-Player ertönte. Es waren Weihnachtslieder. Ja, irgendwie schon Weihnachtslieder, aber offensichtlich gespielt mit Sitar und ähnlichen exotischen Instrumenten, und in Tonarten, deren Namen und Tonvorrat ich nicht wirklich kenne. Egal, alles besser, als die »Techno-Weihnachten-auf-der-Alm«-Geräuschattacken. Den Verkäufer kannte ich sogar. Das war Jupp. Bei Jupp konnte man früher das beste Gras in der Umgebung kaufen. Mei, wie die Zeit vergeht. Jetzt verkauft er Räuchermänner und Weihnachtstee … also, ja … auch … wahrscheinlich.

Nee, ich hab' nix gekauft! Obwohl ich mir nicht sicher war, ob ein Einkauf auf dem Markt nicht grundsätzlich Pflicht ist, und ich beim Verlassen des Geländes von städtischen Ordnungsamtmenschen in Verkleidung (Ständerweihnachtsmützen und Domina-Engelsflügeln) auf korrekten Mindestkonsum hin untersucht werden würde. Ich wurde nicht.

Nee, war nett. Muss man mal mitgemacht haben. Hat mir gefallen, aber das muss nix heißen: Zahnarztbesuche gefallen mir auch.

Weihnachten #Weihnachtsmarkt #Christmas #Nikolaus #Christkind #Frontberichtevomleben #Fun #Humor #stopmakingsense

Frontberichte vom Leben - 15.12.11


Zivi20im20Dienst.jpg (342×451)

Heute, 15.12.11: Mir geht es schlecht. So fühlt man sich also als ausgestorbene Art. Ich habe einen bitteren Geschmack im Mund, und der stammt sicher nicht nur vom gestrigen traditionellen Adventsbiersaufen mit verwahrlosten Musikerkollegen, inklusive anschließender Einlieferungszeremonie bei der Bahnhofsmission, unter lautstarkem Aufzählen und Beweinen früh verstorbener Rocklegenden. Nein, dieser bittere Beigeschmack ist ganz klar auf dieses eine epochale Ereignis zurückzuführen: Meine Art existiert ab heute nicht mehr. Es gibt keine Zivildienstleistenden mehr – es wird sie nie mehr geben.

Ihr wolltet uns nicht mehr. Mit dem heutigen Tag sind wir ausgerottet. Wir schafften es nicht mal auf die Liste der vom Aussterben bedrohten Arten. Keiner demonstrierte für uns bis zur letzten Minute vorm Reichstagsgebäude. Keiner erinnerte heute vorm Kanzleramt an uns. Nicht mal das berühmte Rollenspiel »Du bist mit Deiner Freundin im Wald, plötzlich kommen drei wilde Russen auf Euch zu, und wollen dich deine Freundin vergewaltigen. Benutzt du deine Kalaschnikov – ja oder nein?«*, wurde vor irgendwelchen Altenheimen aufgeführt. Nichts.

Der Zivi – eine ganze Art ausgerottet, samt der wunderbaren Vielfalt ihrer Unterarten: der Urinkellner, der Rollischubser, die Breispritze, Doktor Geschmacklos auf Rädern, die Zivilette, Hausmeister light und der Windelmuli – alle weg. Es wird keinen unserer Art mehr geben. Einst wanderten zigzehntausende unserer Art durch die weiten Ebenen und Flure von bundesdeutschen Krankenhäusern und Altenheimen. Millionen Liter von Urin wurden durch uns in die richtigen Kanäle geleitet und Abermillionen Rollikilometer wurden von uns friedlichen Dienstleistern auf dem Weg ins Café X und Park Y zusammengeschoben.

Jetzt ist er nicht mehr, der Zivi. Ausgestorben, wie die Dinosaurier. Ausgestorben und vom gleichen Schicksal bedroht, wie die Dinosaurier. Man lässt seine Überreste nämlich nicht friedlich ruhen. Man will ihn klonen. Ich sage nur: Zivirassic Park! Man erschafft den »Bufi«, den Bundesfreiwilligendienstleistenden, indem man in den Urinsteinablagerungen auf Mitarbeitertoiletten das unvollständige Genmaterial des Kriegsdienstverweigerers isoliert und dann die fehlenden Sequenzen mit »Keine-Ahnung-was-ich-treiben-soll«-Genen auffüllt. Wie diese Geschichten ausgehen, wissen wir. Wahrscheinlich werden diese Klone Infusionen aus Urinflaschen legen und komplette »Essen-auf-Rädern«-Lieferungen vorm örtlichen McDonalds abkippen.

Ich gehe jetzt in den Keller und suche die alte Urinflasche, die ich damals aus sentimentalen Gründen mitgenommen habe. Da passt locker eine Flache Wodka rein. It’s desinfection, baby! Wenn schon keiner um meine Art weint, dann wenigstens ich.

Zivildienstleistende #Bundesfreiwilligendienstleistenden #Frontberichtevomleben #Fun #Humor #stopmakingsense

* = Ja, »Gruppensex« war eine der möglichen Antworten, aber doch nicht die taktisch sinnvollste.

Aus dem Leben eines Superhelden - Kapitel 3

Tumblr
via Tumblr

Aus dem Leben eines Superhelden

Superhelden. Sie haben’s näher zur Toilette als andere, und der nächste Superschurke ist nur eine Comicseite weit weg – könnte man meinen. Stimmt aber nicht. Der ärgste Feind des Superhelden ist die Normalität. Glaubt mir, ich weiß wovon ich rede.

Kapitel 3

Untertitel: Dein Cape stinkt nach Fisch. Du solltest Aufträge von der Fischereiinnung einfach nicht mehr annehmen. Das schadet Deinem Image.

Ich erinnere mich noch daran, als ob es gestern war: Mein erstes Superheldenkostüm bestand aus einer verwaschenen, faserigen, und leicht bis mittelschwer löchrigen Wrangler-Jeans, und einem original blassoliven, »garantiert-in-Nam-gewesenen« US-Army-Parker. Darunter ein löchriges Sweat-Shirt auf dem irgendein Südstaaten-Enblem verblasste.

Ich war damals quasi permanent in dieser Montur unterwegs. Ich war ein 24-Stunden-7-Tage-Superheld. Immer im Dienst. Immer den nächsten gesellschaftlichen Fehltritt im Visier, und immer in meinem Superheldenoutfit unterwegs.

Die Welt hatte ich im Griff. Entweder ignorierte ich sie mit meiner Superkraft »Pubertätsignoranz«, oder aber ich verbesserte sie mit meiner Superkraft »Ich-weiss-alles-besser«. Meine Lieblingsgegner in der damaligen Zeit waren meine Lehrer. Das ist allerdings eine andere Geschichte.

Die Welt hatte ich im Griff – bis auf eine Ausnahme: Meine Mutter! Genauer gesagt, meine Mutter und ihre Waschmaschine. Oder, noch detaillierter: Meine Mutter, ihre Waschmaschine, und die unbedingte Absicht dieses teuflischen Duos, mein Superheldenoutfit zu säubern.

Ja, wie ich schon sagte: Die Welt hatte ich im Griff. Meine Mutter nicht! Ich konnte ihr einfach nicht klar machen, dass mein Superheldenkostüm noch keine Reinigung notwendig hatte. Ja ,schlimmer noch, ich konnte ihr nicht klar machen, dass es meinen Ruf total schädigen würde, wenn ich in sauber gestärkten und gebügelten Klamotten den fiesen Schurken dieser Welt und dem ganzen Unrecht dieser Welt (den Lehrern, ihren Noten, den Typen aus den anderen Klassen, und der restlichen Erwachsenengang) gegenüber treten würde. Ich konnte ihr nicht klar machen, dass sogar ein Teil meiner Superkraft, nämlich die unglaubliche supercoole »Coolness«, eng und symbiotisch mit meinem Superheldenoutfit verbunden war. Ich sagte ihr, sie würde mich quasi schutzlos machen.

Es half alles nichts. Meine Mutter verstand mich einfach nicht. Sie konnte die unglaubliche Verantwortung und den schmalen Grat, auf dem man als Superheld wandelt, einfach nicht erkennen. Kurz fragte ich mich, ob mein Kollege Spiderman, den ich bis dahin leider noch nicht persönlich kennengelernt hatte, ähnliche Probleme gehabt hatte. Die Klärung dieser Frage musste ich allerdings auf später verschieben, denn ich hatte jetzt keine Zeit, in meinem riesigen Superhelden-Comic-Archiv zu recherchieren. Gefahr war im Verzug, denn meine Mutter drohte damit, meine Klamotten nachts aus meinem Zimmer zu holen, wenn ich jetzt nicht kooperieren würde. Sie nannte das Kompromiss.

Kompromiss! Das war das falsche Wort zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Der Kompromiss war mein Gegner. Ihn verfolgte und bekämpfte ich, wo es nur ging. Kompromiss war das Gift, dass die Erwachsenen vergiftet hatte. Alle Erwachsenen waren damit vergiftet. Jedenfalls fast alle. Ok. Es gab Ausnahmen. Led Zeppelin, Jimi Hendrix und Bob Dylan. Das war’s aber auch schon. Jedenfalls machte mir dieses Unwort klar, dass ich jetzt bis zum Äußersten gehen musste.

Das war also jetzt der Zeitpunkt, an dem ich zum ersten Mal gegen meine Mutter eine meiner Superkräfte einsetzen würde. Sie ließ mir keine andere Wahl, und ich tat es: Ich senkte meine Augenbrauen, spannte meine Unterkiefer an, und schoss aus meinen Augen einen gebündelten Strahl Supertrotz. Dazu sprach ich die Worte der Macht: »Wenn Du das tust, dann gehe ich und komme nicht wieder.« Danach drehte ich mich um, und ging.

Ich ging, nachdem ich diese ultimative Kraft angewendet hatte, und auch, weil ich eigentlich nicht sehen konnte, und wollte, wie meine Mutter, getroffen von meinem Supertrotz, seelisch verwundet auf den Wäschestapel neben der Waschmaschine sank. Ich wusste ja, was mein Supertrotz anrichten konnte. Mit dieser Fähigkeit hatte ich ja schon damals meine Kindergärtnerinnen völlig fertig gemacht. Zu meiner Entschuldigung kann ich nur sagen, dass ich damals meine Kräfte noch gar nicht kontrollieren konnte.

Ein schlechtes Gewissen hatte ich aber nicht …

Doch! Ich hatte eins. An diesem Tag hielt ich mich von allen Katastrophen dieser Welt fern. Sollte die Welt doch sehen, wie sie einem Tag ohne ihren Superhelden zurecht kam. Sprich, ich schwänzte die Schule. Ich hatte mit mir zu tun. Der Abend zu Hause verlief dann in eisigem Schweigen und ich schlief, während ich mein Comic-Archiv nach Präzedenzfällen durchwühlte, sehr früh ein.

Am nächsten Morgen folgte dann nach dem Erwachen sofort der kontrollierende Blick auf mein Superheldenkostüm, und im gleichen Moment erfassten meine Superaugen den Tatbestand: Sie hatte es getan! Meine Klamotten lagen frisch gewaschen, getrocknet und gebügelt auf meinem Sessel. Mich durchfuhr der unglaublichste, abgrundtiefste, mächtigste, blindmachende Superzorn, den es je auf dieser Welt gegeben hatte. Ich wollte aus dem Zimmer stürmen, hielt dann aber kurz inne, denn ich wollte die Beweisstücke mitnehmen, damit ich sie meiner Mutter vor die Füsse werfen konnte. Beim Umdrehen erkannte ich dann erst den Zettel, der auf meinem Superheldenkostüm lag.

»Mein lieber Superheld, Deine Klamotten sind jetzt gewaschen. Bevor Du jetzt aber aus dem Zimmer stürmst, will ich Dir sagen, dass Deine Klamotten derart löchrig und fadenscheinig sind, dass sie, gewaschen oder nicht, innerhalb der nächsten zwei Monate sowieso auseinanderfallen. Ich biete Dir als Friedensangebot an, morgen mit Dir in die Stadt zu fahren und geeignete, von Dir genehmigte Ersatzkleidung, zu kaufen.

Solltest Du jetzt immer noch aus Deinem Zimmer stürmen wollen, lass DIr vorher gesagt sein, dass mein Angebot trotzdem besteht, und Du Deinen Trotz von mir hast.

In Liebe Mama«

Von heute aus betrachtet, muss ich sagen, dass die Zeit danach mit der ultracoolen »Levis 501« und dem Sweat-Shirt mit »Led-Zeppelin«-Aufdruck, der erfolgreichste meiner bis dahin jungen Superheldenkarriere war – auch mädchentechnisch betrachtet. Ihr wisst, was ich meine.

#Superhelden #dieganzeWahrheit #Fortsetzungfolgt #Pubertät #Klamotten #stopmakingsense #Fun #Humor

Aus dem Leben eines Superhelden - Kapitel 2


Super Thanksgiving – threethirtypm’d


Aus dem Leben eines Superhelden

Untertitel: Meine Geheimidentität kennt niemand. Nicht mal ich selber.

Superhelden. Sie haben’s näher zur Toilette als andere, und der nächste Superschurke ist nur eine Comicseite weit weg – könnte man meinen. Stimmt aber nicht. Der ärgste Feind des Superhelden ist die Normalität. Glaubt mir, ich weiß wovon ich rede.

Kapitel 2

Mein größter Gegner war in meinem jungen Superheldenjahren der Typ, der mich eines Morgens unvermittelt im Spiegel anstarrte. War plötzlich einfach da. Absolut heimtückisch, der Typ, und verflixt schnell. Ahnte jede Bewegung voraus.

Er wollte in meine Welt. Ich spürte das genau. Wir starrten uns oft minutenlang an. Noch war er in der Spiegelwelt, aber ich wusste, er wollte in diese Welt. Ich war ratlos. Zunächst! Doch dann schmiedete ich einen Superheldenplan. Ich beschloss mit ihm zu reden. Reden ist eine meiner Superkräfte.

Am nächsten Morgen war es dann soweit. Ich trat vor den Spiegel und im gleichen Moment war er wieder da. Doch statt nur zu starren, redete ich ihn an. Tja, was soll ich sagen: So kann man sich täuschen. War gar kein Superschurke. Eigentlich ein ganz netter Kerl. Angenehme Stimme. Redete ein bisschen viel und sieht – heute noch mehr als früher – kacke aus, besonders morgens, aber ansonsten …

Unglaublich. Wir treffen uns seither jeden Morgen und unterhalten uns. Er versteht mich total gut. Ich hab' – ganz ehrlich – das Gefühl, als ob ich ihn schon ewig kenne. Und das Allerschärfste ist: Er ist auch ein Superheld. Ähm, das muss aber unter uns bleiben. Ok? Seine Identität soll geheim bleiben, sagt er.

#Superhelden #dieganzeWahrheit #Fortsetzungfolgt #stopmakingsense #Fun #Humor

Kapitel 1: Aus dem Leben eines Superhelden | Untertitel: Kann ich mein Cape nun mit den Handtüchern waschen, oder nicht?