Virtu(ell)nwaswirkönnen  - das verspreche ich hiermit der Welt und ihrem Mann, dem Nichts.

Heute hier, morgen in Facebook

via sorryimissedyourparty.com

Manchmal schiesst einem der Unvuuck derart durch die Birne, dass man ihn direkt niederschreiben muss, sonst isser verjessen:

Heute hier, morgen dort

(in der “jo jmatic”-Version; Originaltext: Hannes Wader)

Heute hier, morgen dort,
sind sie drin, gehn sie niemals fort,
Party-Bilder in 'ner Facebook-Galerie. 
Hab' sie selbst ins Netz gestellt,
hab' es selber so gewählt,
nie nach Rechten und Folgen gefragt.

Jetzt bereue ich's schwer,
denn jetzt denk' ich, ich wär',
so viel besser dran,
hätt's ich's nie getan,
denn mein Chef hat sie gesehn,
und er kann nicht verstehn,
wie man nackt auf' ner Party singen kann.

Dass er mich nicht vermisst,
zeigt die Kündigungsfrist,
die quasi nicht vorhanden ist.
Das stört und kümmert mich extrem,
denn auch das Pinkeln auf's Firmenemblem
bleibt dem guten Manne wohl ewig im Sinn.

Jetzt bereue ich's schwer,
denn jetzt denk' ich,
ich wär', so viel besser dran,
hätt' ich's nie getan,
denn jeder klickt die Bilder an,
kopiert und verschickt sie dann,
so dass mich jeder voll und naggisch sehen kann.

Fragt mich einer warum
ich das tat, bleib ich stumm,
denn die Antwort darauf fällt mir schwer.
Denn “Online” sein, das bringt Fun,  
weil man alles verteilen kann,
doch das Netz gibt deine Daten nie mehr her.

Jetzt bereue ich's schwer,
denn jetzt denk' ich,
ich wär', so viel besser dran,
hätt' ich's nie getan,
denn mein Ruf ist ruiniert,
und doch leb' ich nicht ungeniert,
weil alle Welt mein' nackten Arsch anklicken kann.

 

PS: Streetview. Google. Streetview.

PPS: Ich wollt das S- und das G-Wort nur auch mal geschrieben haben, weil doch alle Welt drüber schreibt.

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veröffentlicht am 18.August.2010

jo$ streetview

Spät, kömmt er, doch er kömmt, der kleine Einminüter ("jo$ streetview") für's Projekt Xaeon.

Unglaublich viel Unfug, Desinformation und Stimmungsmache ist mit den Stichworten "Streetview", "Privatsphäre" und "Datenschutz" mittlerweile verbunden - und hier schön zusammengefasst zu erlesen. Sogar in kleinen lokalen Bad Kreuznacher Blättern werden hanebüchene Thesen und nutzloses Halbwissen weiter gegeben (leider nicht online zu erlesen). 
Das hat mich in diesem Fall dann doch ein wenig aufgeschreckt, denn es zeigt, wie dünn die Decke der Information hier in Deutschland zum Thema Datenschutz wirklich ist. Es zeigt, wie wichtig die Fassaden sind, unabhängig davon, was dahinter steckt. Fassaden in Straßen. Fassaden vor Unwissen. Fassaden für Werte. Fassadengesellschaft. 
Auch der Kapitalismus weiß sich dessen zu bedienen, hinter mancher bürgerlichen Prachtfassade liegen nur Schutt und Trümmer.
Dieser Hauch von Betrug ist der Fassade daher in die Wiege gelegt. Im Brockhaus heißt es dazu ganz trocken: „Die Fassade entspricht häufig nicht dem dahinter liegenden Raum“
aus "Fassade Mensch"
 
Wir perfektionieren unsere Fassaden. Wir weisen ihnen Wert zu. Da kann dann schonmal einer, der sie respektlos in Daten verwandelt, Stress mit uns kriegen.
 

Sollten wir nicht eher mit den Fassaden Probleme haben, als mit denen, die sie fotografieren?

„Wenn sich nicht spontan, unbekümmert um die eigenen Abhängigkeiten, der Widerstand gegen die Fassade regte, so wären Gedanken und Tätigkeit triste Kopie“ (Theodor W. Adorno: Ästhetische Theorie, 1966, S. 49).

 

abgelegt unter  //   Bad Kreuznach   Datenschutz   Gesellschaft   Google   Streetview   Xaeon  
veröffentlicht am 7.May.2010

Naivität schmerzt später

“Critics on the telecommunications data retention in front of the Reichstag”
This image was originally posted to Flickr by ozeflyer at http://flickr.com/photos/34951619@N00/463836941.
It was confirmed to be licensed under the terms of the cc-by-2.0.

 Wie naiv kann man eigentlich sein? Falls Frau Aigner wirklich glaubt, was im nachfolgenden Zitat steht, würde meine nächste Frage an die Dame sein, seit wann sie die tatsächliche Existenz von Christkind, Weihnachtsmann, Osterhase, dem Yeti und Captain Jack Sparrow in Erwägung zieht.

[...]Ilse Aigner (CSU) gegenüber FOCUS. „Ich wehre mich gegen diese Form der Entblößung. Kein Geheimdienst dieser Welt würde so ungeniert auf Bilderjagd gehen.[...]
via focus.de

Allerdings wundert mich die Aussage der Frau Aigner nicht, denn sie meint auch:

“Google ist im Browser integriert, daran kommt man ja kaum vorbei”
via “Ilse Aigner in Google-Panik”

Das ist immerhin schon Internet-Stufe 2 auf der bundesdeutschen “Politiker-verstehen-Internet”-Skala, denn Frau Aigner weiss zumindest schon mal, was ein Browser ist. Das hat sie einigen anderen ihrer Kollegen voraus.

Jetzt mal ganz allgemein zu dieser “Google-Streetview-Frage” und darüber hinaus: Manchmal verstehe ich die Prämissen meiner Mitbürger in dieser Gesellschaft nicht. Sie leben gerne mit Payback- und anderen Glashaus-Karten, füllen Internet-Community-Profile gewissenhaft aus, interessieren sich kaum für Cookie- und andere Tracking-Techniken, sind durch ihr Handy rund um die Uhr bis auf wenige Meter immer geographisch erfassbar, akzeptieren kleine Plastikkarten auf denen ihre komplette medizinische Vita hinterlegt wird und von jedem Depp ausgelesen werden kann, ignorieren in weiten Teilen die überaus wichtige Diskussion zur Vorratsdatenspeicherung, wissen zum großen Teil nicht was das SWIFT-Abkommen ist, aber denken dass Google durch die Straßen fährt und ihre Privatsphäre klaut. So wie die Indianer damals dachten, dass die ersten Fotografen mit den Lichtbildern ihre Seele entführen.

Keine Frage, Google soll Gesichter und Daten verpixeln. Von mir aus verbietet denen auch, durch unser Land zu fahren, wenn Ihr Euch davon etwas versprecht . Ist mir egal. Aber, um Himmels willen, glaubt doch bitte nicht, dass Ihr damit eure Privatsphäre schützt. Die haut Ihr an allen Ecken und Enden freiwillig raus.

Für Eure/unser Politiker ist das sowieso nur ein plakatives, simples und ungefährliches Thema, an dem sie ihr Profil wetzen können.

abgelegt unter  //   Datenschutz   Google   Politik   Streetview  
veröffentlicht am 7.February.2010